Karikatur: Herbert Hochsicher OE0HHS in seinem überfüllten Notfunk-Bunker

Der Notfunk-Prepper — Oder: Wie Herbert Hochsicher drei Generatoren besaß und keinen starten konnte

SATIREDies ist ein satirischer Beitrag aus der Rubrik Störsender. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Frequenzen oder Vorschriften sind rein zufällig – oder absichtlich übertrieben.

Es gibt Funkamateure, die sich auf den Ernstfall vorbereiten. Die ein Notstromaggregat haben, eine Drahtantenne im Keller und vielleicht eine Powerbank.

Und dann gibt es Herbert.

Herbert Hochsicher, OE0HHS, ist nicht vorbereitet. Herbert ist übervorbereitet. Herbert ist so vorbereitet, dass er sich auf die Vorbereitung vorbereitet. Und für den Fall, dass die Vorbereitung scheitert, hat er einen Backup-Plan. Und einen Backup-Plan für den Backup-Plan.

Das Inventar

Herberts Keller sieht aus wie die Requisitenkammer eines Katastrophenfilms. Drei Generatoren (Benzin, Diesel, und einer „für den Notfall“ — als ob die anderen beiden zum Spaß da stünden). Fünf Transceiver: ein IC-7300 für Kurzwelle, ein FT-991A als Backup, ein FT-817 für portabel, ein Handfunkgerät für 2 m/70 cm, und ein alter Kenwood TS-830, „falls die anderen alle ausfallen“. Was bei einem Gerät, das seit 1983 keine Wartung gesehen hat, durchaus wahrscheinlich ist.

Vier Antennen: eine EFHW im Garten (permanent), ein Dipol im Keller (als Reserve), eine Magnetic Loop (für den Fall, dass der Garten nicht mehr zugänglich ist — Herbert denkt an alles) und ein Drahtvorrat für „improvisierte Antennen“. 200 Meter CW-Draht, fein säuberlich auf einer Kabeltrommel.

Ein Winlink-Setup mit VARA, das er einmal im Jahr testet. Drei Solarpanels auf dem Garagendach — nicht angeschlossen, aber „vorbereitet“. Ein Wasserfilter. Dosenfutter für drei Monate. Und ein laminierter Notfunkplan, der an der Kellerwand hängt wie die Zehn Gebote.

Die Präsentation

Einmal im Quartal hält Herbert bei der Ortsgruppe einen Vortrag. Thema: immer dasselbe. „Notfunkvorsorge — Sind wir bereit?“

Die Antwort ist: Herbert ist bereit. Die Ortsgruppe nicht. Aber nicht, weil sie nicht wollen — sondern weil nach 45 Minuten PowerPoint mit 73 Folien, inklusive dreier Exkurse über die Wasserversorgung im Krisenfall, niemand mehr zuhört.

Folie 34 zeigt eine Excel-Tabelle mit der Akku-Kapazität aller seiner Geräte, heruntergerechnet auf Minuten Sendebetrieb bei 100 Watt, 50 Watt und QRP. Die Tabelle hat eine Farbkodierung. Herbert ist stolz auf die Farbkodierung.

Der Ortsstellenleiter hat versucht, die Vortragszeit auf 20 Minuten zu begrenzen. Herbert hat 20 Minuten allein für die Einleitung gebraucht. Seitdem gibt es keine Zeitbegrenzung mehr. Es gibt nur noch stilles Leiden.

Die Übung

Zweimal im Jahr organisiert Herbert eine Notfunkübung. Er verschickt einen 14-seitigen PDF-Plan per E-Mail, inklusive Frequenzlisten, Rufzeichenzuteilungen, Zeitplan in UTC und MESZ (mit Umrechnungstabelle), und einer Skizze des „Einsatzgebiets“ — sein Garten und die umliegenden drei Häuserblocks.

Zur letzten Übung kamen zwei Teilnehmer. Herbert und sein Nachbar Rudi, der eigentlich nur seinen Rasenmäher zurückhaben wollte.

Herbert hat die Übung trotzdem als „erfolgreich“ in seinem Bericht vermerkt. „Alle verfügbaren Kräfte waren im Einsatz.“

Der Ernstfall

An einem Dienstagabend im November passiert es. Stromausfall. Nicht großflächig — nur sein Straßenzug. Ein Bagger hat ein Kabel erwischt. Geschätzte Reparaturzeit: zwei Stunden.

Herbert springt auf. Das ist er. Der Moment. Sein Moment.

Er rennt in den Keller. Schaltet die Taschenlampe ein — die mit den drei Leuchtmodi, die er bei Amazon als „Tactical Flashlight“ gekauft hat. Er reißt den laminierten Notfunkplan von der Wand.

Schritt 1: Generator starten.

Der Benzingenerator. Wo war der Benzinkanister? Hinter den Dosenfischen. Herbert räumt 47 Dosen Thunfisch zur Seite. Findet den Kanister. Leer.

Gut, Dieselgenerator. Der steht in der Garage. Herbert geht zur Garage. Die Garage hat ein elektrisches Tor. Das elektrische Tor hat keinen Strom.

Herbert steht im Dunkeln vor seiner eigenen Garage und fragt sich, warum er keine manuelle Notentriegelung eingebaut hat. Die stand auf der Liste. Er war sich sicher. Folie 58.

Also der FT-817. Akkubetrieb. QRP. 5 Watt. Herbert schaltet ein. Das Display leuchtet. Er dreht auf 145.500 — den Anrufkanal.

„OE0HHS für Notfunkübung — äh, Notfunkeinsatz. Stromausfall in meinem Sektor. Erbitte Lagemeldung.“

Stille.

„OE0HHS, nochmals. Stromausfall. Ich wiederhole: Stromausfall. Sektor Delta-7.“

Sein Nachbar Rudi klopft ans Fenster. „Herbert, i hab scho ang’rufen. EVN sagt, in zwei Stunden is wieder an. Magst an Kaffee? I hab an Gaskocher.“

Herbert legt das Mikrofon hin. Langsam.

Die Nachbereitung

Am nächsten Tag schreibt Herbert einen dreiseitigen „After Action Report“ und versendet ihn an die Ortsgruppen-Mailingliste. Betreff: „Erkenntnisse aus dem Realeinsatz 12.11.2026″.

Kernpunkte:

  • Benzinvorrat muss quartalsweise geprüft werden
  • Garagentor: manuelle Notentriegelung dringend nachrüsten
  • Solarpanels endlich anschließen
  • Rudi einladen, seine Amateurfunklizenz zu machen
  • Mehr Thunfisch kaufen

Niemand antwortet auf die E-Mail. Außer Rudi, der schreibt: „Magst du deinen Rasenmäher zurück oder nicht?“

Herbert liest die Nachricht, ignoriert sie und beginnt, seine PowerPoint für den nächsten Quartalsvortrag zu aktualisieren. Folie 74: „Lehren aus dem Blackout 2026″.

Der Stromausfall dauerte eine Stunde und vierzig Minuten.

Anmerkung der Redaktion

Herbert Hochsicher ist frei erfunden. Alle Rufzeichen mit dem Präfix OE0 sind fiktiv und keiner realen Person zugeordnet. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Funkamateuren, die drei Generatoren besitzen und keinen davon starten können, ist rein zufällig — und absolut beabsichtigt. Notfunkvorsorge ist übrigens wirklich wichtig. Nur halt nicht so.

Euer Hansl Hohlleiter


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten sein — wir freuen uns über Hinweise per E-Mail an [email protected].

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