Karikatur: selbstgefälliger Funkamateur mit teurem Shack, übersteuerten Anzeigen und Astronauten-Tagtraum

Der Reflex-Flexxer — Oder: Wie Reinhold Reflexxer immer das teurere Gerät hatte und trotzdem nie zu hören war

SATIREDies ist ein satirischer Beitrag aus der Rubrik Störsender. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Frequenzen oder Vorschriften sind rein zufällig – oder absichtlich übertrieben.

Es gibt Funkamateure, die hören zu. Und es gibt Reinhold Reflexxer, OE0FLX. Reinhold hört nicht zu — Reinhold wartet. Er wartet auf den Moment, in dem jemand stolz von seinem neuen Gerät erzählt. Denn dann, und nur dann, erwacht in Reinhold ein Reflex, schneller als jede VOX-Schaltung: „Das ist ein gutes Gerät“, sagt er milde. Pause. „Aber das Teurere ist natürlich besser.“

Reinhold besitzt grundsätzlich das Teurere. Egal, wovon die Rede ist — Transceiver, Endstufe, Antennentuner, Koaxkabel, Steckverbinder, Mikrofon, der Drehknopf am Mikrofon, die Schraube, die den Drehknopf hält. Was Reinhold hat, ist besser. Es ist nicht nur besser, es war auch teurer, und beides ist für ihn dasselbe.

„Das ist gut — aber das Teurere ist besser“

Der Reflex funktioniert auf jeder Runde, in jeder Tonlage, bei jedem Thema. Erzählt ein OM begeistert von seinem neuen Einsteiger-TRX für 600 Euro, nickt Reinhold anerkennend — „solide Wahl, wirklich“ — und schiebt dann nach, dass er selbst ja das Flaggschiff mit dem Vollfarb-Spektrumdisplay fahre, „aber das ist eine andere Liga, das kann man nicht vergleichen“. Womit er das Gespräch eröffnet hat, das niemand wollte.

Berichtet jemand von einem günstigen RTL-SDR-Stick, mit dem er gerade Wettersonden dekodiert, lobt Reinhold das Engagement — und erklärt dann, warum sein vierstelliger SDR-Empfänger „in einer ganz anderen Welt spielt“. Dass man mit einem 30-Euro-Stick erstaunlich weit kommt, hat Reinhold nie ausprobiert. Er weiß ja vorher schon, dass das Teurere besser ist.

Das teuerste Shack weit und breit

Reinholds Shack ist ein Museum der oberen Preisklasse. Das Flaggschiff-Gerät, die große Endstufe, der externe Tuner, der eigentlich gar nicht nötig wäre, weil das Flaggschiff einen eingebauten hat — aber der externe ist eben teurer, also besser. Die Kopfhörer kosten mehr als manch ein OM für seine erste Station ausgegeben hat. Das Mikrofon ist ein Studiomodell. Es steht in einer Spinne. Mit Popschutz.

Auf Fotos sieht das Shack aus wie ein Werbeprospekt. Alles blinkt, alles ist neu, nichts hat einen Kratzer. Das hat einen einfachen Grund: Es wird kaum benutzt. Ein Gerät, das man bedient, bekommt Gebrauchsspuren. Reinholds Geräte sind makellos.

Übersteuert wie ein Marktschreier

Wenn Reinhold dann doch einmal sendet, weiß es die ganze Frequenz. Nicht, weil seine Signale besonders sauber wären — im Gegenteil. Reinhold ist übersteuert. Immer. Sein Studiomikrofon, sein Flaggschiff, seine Endstufe: ein Aufgebot, das auf dem Papier brillieren müsste — und am Ende klingt wie ein Megafon in einer Blechgarage.

Die ALC steht permanent im roten Bereich. Der Sprachprozessor ist auf Anschlag. Die Mikrofonverstärkung dazu. „Damit man mich gut hört“, sagt Reinhold. Man hört ihn tatsächlich gut — drei Kanäle weiter nämlich auch noch. Wer ihm vorsichtig einen Hinweis gibt, bekommt zur Antwort: „Bei einem Gerät dieser Preisklasse kann das gar nicht sein.“

Feineinstellung? Klingt nach Arbeit

Reinholds eigentliches Geheimnis ist, dass er keine Ahnung von Feineinstellungen hat. Null. Die Bedienungsanleitung seines Flaggschiffs ist noch original in Folie. Begriffe wie ALC-Schwelle, Kompressionsgrad, NF-Bandbreite, Vorverzerrung oder schlicht „Mic Gain runterdrehen“ lösen bei ihm dieselbe Reaktion aus wie eine Steuererklärung: Er überlässt das gern jemandem, der sich auskennt. Nur ruft er diesen Jemand nie an.

Das ist die feine Ironie an Reinhold: Er besitzt die Geräte, mit denen man ein wirklich exzellentes, sauberes Signal erzeugen könnte — und betreibt sie wie ein PMR-Funkgerät aus dem Baumarkt-Doppelpack. Die teuerste Technik im Umkreis, bedient mit der Sorgfalt eines Lichtschalters. Ein richtiger Spezialist.

Zu hören nur auf dem 2-Meter-Relais

Hier wird es schließlich richtig still um den lautesten Mann der Ortsgruppe. Denn Reinhold ist eigentlich nur an einem einzigen Ort zu hören: auf dem 2-Meter-Ortsrelais. Auf genau jenem Relais, das man mit dem billigsten China-Handfunkgerät vom Küchentisch aus aufmacht — und mit dem Flaggschiff für ein Monatsgehalt eben auch. Beim Relais entscheidet nicht die Preisklasse, sondern der Umsetzer.

Auf den QRGs, wo es wirklich auf Gerät, Antenne und vor allem Können ankommt — schwache Signale auf Kurzwelle, Simplex über große Distanz, ein sauber abgestimmtes SSB-QSO am Bandrand — hört man Reinhold nie. Dort, wo das teurere Gerät tatsächlich einen Unterschied machen könnte, schweigt es makellos im Regal. Reinhold teilt sich das Relais übrigens mit alten Bekannten: der Relaistroll wohnt schließlich gleich nebenan.

Astronaut und Tower-Profi — zumindest in der eigenen Vorstellung

Reinhold sieht sich ohnehin in höheren Sphären — durchaus wörtlich. Im Stillen zählt er sich zu den Weltraumfunkern. Als er einmal die ISS auf 2 Metern hörte — über das Relais natürlich, mit dem Handfunkgerät —, war das für ihn praktisch ein Außenbordeinsatz. Seither spricht er von „uns Satellitenleuten“ und erklärt gern die Bahnmechanik, die er dabei konsequent falsch wiedergibt. Die teuerste Az/El-Rotoranlage für den Satellitenbetrieb ist fest eingeplant. Bestellt wird sie, wie üblich, nie.

Und dann ist da noch der Tower-Profi. Reinhold ist der Antennenmast-Experte der Ortsgruppe — in der Theorie. Er berät jeden zu Statik, Abspannung, Steigschutz und dem „einzig richtigen“ Mast und kennt jeden Katalog auswendig. Seine eigene Antenne ist ein kurzer Vertikalstrahler am Balkongeländer. Einen Tower hat Reinhold noch nie bestiegen; als einmal wirklich etwas montiert werden musste, beauftragte er „aus Sicherheitsgründen“ eine Firma — und überwachte das Ganze vom Boden aus, mit Kaffee in der Hand, wie ein Flugleiter im Kontrollzentrum.

Das monatliche Familienalbum

Reinholds zweite Bühne sind die sozialen Medien. Und dort folgt er einem verlässlichen Rhythmus. Immer dann, wenn andere von ihren Aktivitäten berichten — eine SOTA-Aktivierung, ein gelungener Fieldday, ein seltenes DX im Log —, schlägt mindestens einmal im Monat Reinholds Stunde.

Dann postet er sein Familienalbum. Vergilbte Fotos, ein Funkgerät aus einer anderen Epoche, er selbst mit deutlich mehr Haar. „Das war damals, vor zwanzig Jahren, da haben wir noch richtig gefunkt.“ Es folgt eine Aufzählung dessen, was er vor x Jahren einmal gemacht hat — gerne ausführlich, gerne unter dem Beitrag von jemandem, der gerade voller Stolz von seinem ersten selbstgebauten Dipol erzählt hat. Reinhold gratuliert nicht. Reinhold erinnert.

Das Schöne an alten Geschichten ist ja, dass sie mit jeder Erzählung besser werden. Genau wie das Teurere. Und so schließt sich der Kreis: Was Reinhold heute nicht funkt, hat er früher umso eindrucksvoller gefunkt — und sein damaliges Gerät war, bei aller Bescheidenheit, natürlich das bessere.

Eines Tages, so viel ist sicher, wird Reinhold seine teuren Geräte wirklich ausreizen. Sauber abgestimmt, richtig eingepegelt, draußen auf den anspruchsvollen QRGs. Vielleicht nächstes Frühjahr. Bis dahin ist er gut zu hören — auf dem Relais, drei Kanäle breit, und einmal im Monat im Kommentarbereich.

73 de Hansl Hohlleiter


Transparenzhinweis

Diese Satire wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) verfasst. Verwendete Illustrationen wurden, sofern nicht anders gekennzeichnet, mit KI (ChatGPT/DALL·E, OpenAI) erstellt. Alle Figuren und Rufzeichen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Funkamateuren wären rein zufällig — und vermutlich ein Grund zur Selbstreflexion. Hinweise und Beschwerden bitte per E-Mail an [email protected].

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