Der König der Kurzwelle — Wie Rudi Röhre mit „ganz wenig Leistung“ die Welt erobert

SATIREDies ist ein satirischer Beitrag aus der Rubrik Störsender. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Frequenzen oder Vorschriften sind rein zufällig – oder absichtlich übertrieben.

Es gibt Funkamateure, die bescheiden sind. Und dann gibt es Rudi. Rudi ist nicht bescheiden. Rudi ist der Beste. Das weiß er. Das wissen seine Gesprächspartner. Das wissen alle, die jemals auf seiner Stammfrequenz gelandet sind. Euer Hansl hat zugehört. Und gelacht. Und dann nochmal zugehört.

Rudi: Der Mann, der alles hat

Rudi ist seit 40 Jahren lizenziert. Das erwähnt er in jedem QSO. Jedes QSO beginnt mit: „Ja, ich bin jetzt seit über 40 Jahren dabei, hi.“ Es folgt eine Aufzählung seiner Station, die klingt wie ein Werbeprospekt aller großen Hersteller gleichzeitig. Rudi kauft nur das Beste. Immer das Teuerste. Immer das Flaggschiff. Und wenn ein neues Flaggschiff erscheint, steht das alte nicht zum Verkauf — es wird zum Zweitgerät. Oder zum Drittgerät. Rudis Shack hat mehr Transceiver als manche Klubstation.

Und die Antennen! Rudi hat Yagis. Mehrere. Auf einem Mast, der aussieht, als hätte er eine Baugenehmigung gebraucht und vermutlich auch eine bekommen hat — oder auch nicht. Dazu eine Endstufe, die beim Einschalten die Sicherung des Nachbarn testet. Rudis Garten sieht aus wie ein NATO-Horchposten. Die Nachbarn haben aufgehört zu fragen.

Das Bemerkenswerte daran: Rudi hat das alles nicht selbst aufgebaut. Rudis Equipment wird geliefert. Rudis Stecker werden vor Ort von anderen verlötet. Rudis Antennen wurden von hilfsbereiten OMs montiert. Rudi selbst hat noch nie einen Lötkolben in der Hand gehabt. Rudi hat ein Markenmessgerät — originalverpackt. Seit geschätzt 15 Jahren. Er hat es nie eingeschaltet. Wozu auch? „Meine Station funktioniert. Messen ist was für Leute, die Probleme haben. Ich hab keine Probleme, hi.“

Rudi hat keine Probleme. Rudi hat Nachbarn. Und Vereinskollegen. Die haben die Probleme. Rudis Probleme, um genau zu sein.

Die Modulationsrapporte: Rudis Spezialität

Rudi gibt jedem Gesprächspartner einen Modulationsrapport. Ob danach gefragt wurde oder nicht. Das Muster ist immer gleich:

„Ja, also deine Modulation, die ist nicht schlecht, hi. Aber ich muss dir schon sagen: Ein bisserl dumpf. Da fehlt die Höhe. Weißt du, bei mir — mit meinem Headset und meinem Rig — bei mir klingt alles glasklar. Meine Station wird von allen Seiten gelobt. Aber bei dir — da könntest du noch was machen, hi hi.“

Aber bevor Rudi den Modulationsrapport gibt, kommt die Frage. Die Frage, die jeder in der Runde kennt. Die Frage, bei der alle die Augen verdrehen: „Sag mal, welches Gerät fährst du eigentlich? Und welche Antenne?“

Wehe dem, der ein günstiges Gerät nennt. Berndt hat einmal seinen Transceiver genannt. Rudis Antwort kam schneller als ein CW-Punkt: „Aaah, ja, alles klar. Na, bei dem Gerät — kein Wunder, hi. Das ist halt ein Einsteigergerät. Da fehlt die Dynamik. Wenn du mal einen richtigen Empfänger hast, dann hörst du den Unterschied, hi hi.“

Und die Antenne! Wenn jemand „Vertikale“ oder „Drahtantenne“ sagt, zuckt Rudi zusammen wie bei einem Kurzschluss. „Eine Vertikale? Na, dann brauchst du dich nicht wundern, hi. Mit einer Vertikalen hörst du nur die Hälfte. Bei meiner Yagi — da ist Ruhe im Empfänger, hi hi.“ Dass Kurt mit seiner selbstgebauten Groundplane seit zehn Jahren zufrieden funkt, interessiert Rudi nicht. „Zufrieden“ ist für Rudi ein anderes Wort für „aufgegeben“, hi.

FT8: Rudis Erzfeind

Wenn jemand in der Runde FT8 erwähnt, bekommt Rudi eine Gesichtsfarbe, die an eine durchbrennende Röhre erinnert. „FT8? Das ist doch kein Amateurfunk, hi! Das ist computergesteuert! Die lassen den Computer funken und gehen ins Bett!“

Rudis Tirade gegen FT8 dauert regelmäßig zwölf Minuten. Ohne Pause. Ohne PTT loszulassen. Ohne zu bemerken, dass die halbe Runde inzwischen genau diese Betriebsart nutzt — und damit bei 5 Watt mehr DX arbeitet als Rudi mit seiner Endstufe in SSB.

Rudis Weltbild ist einfach: Amateurfunk ist SSB und CW. Punkt. „Alles andere ist Spielzeug, hi. Ich mach DX in Phonie und CW. Wie ein richtiger Funkamateur, hi hi.“

Rudis DX: 280 Länder, eine Sprache

Rudi spricht viel über DX. Rudi hat nach eigenen Angaben „über 280 DXCC bestätigt“. Das Logbuch ist voll. Weltweit. Beeindruckend. Auf den ersten Blick.

Auf den zweiten Blick fällt etwas auf. Rudis DXCC-Liste hat ein Muster. Und das Muster heißt: Deutsch. In jedem DXCC-Gebiet sitzt ein deutschsprachiger Funkamateur — ein ausgewanderter Österreicher hier, ein pensionierter Ingenieur aus Deutschland dort. Rudi hat sie alle katalogisiert. Jeder einzelne Kontakt ist arrangiert. Per E-Mail, per WhatsApp, per Telegram. Sked um 22 Uhr, du rufst CQ, ich antworte. Und dann funkt Rudi mit dem Günther in São Paulo — auf Deutsch. Zwanzig Minuten. Über das Wetter und die neue Röhre in der Endstufe.

Anschließend in der Runde: „Hab grad PY2 gearbeitet. Brasilien. Wahnsinn, die Ausbreitung, hi.“ Kein Wort davon, dass Günther eigentlich aus Stuttgart kommt und dass die „Ausbreitung“ per WhatsApp verabredet wurde.

Denn Rudis dunkelstes Geheimnis ist: Rudi kann kein Englisch. Nicht „ein bisserl“. Rudi kann „CQ“ sagen und „five nine“ und „seventy-three“. Alles darüber hinaus löst bei Rudi eine Panikreaktion aus. Und deshalb die Skeds. 280 deutschsprachige Funkamateure weltweit zu finden und mit jedem einen Sked zu koordinieren — das ist kein DX. Das ist Projektmanagement, hi.

Sepp hat einmal in der Runde gesagt: „Rudi, du hast 280 DXCC, aber du sprichst mit der ganzen Welt auf Deutsch. Das ist, als würde man sagen, man war in 50 Ländern essen — aber überall beim Österreicher, hi.“

Sepp hat eine Drahtantenne und 100 Watt. Und spricht fließend Englisch. Und hat letzte Woche eine Station aus Bhutan im Pile-Up gearbeitet. Ohne Sked. Ohne WhatsApp. Auf Englisch. Aber das erzählt er Rudi nicht. Weil es sinnlos wäre. Hi.

„Das wirst du auch noch lernen“

Das Bemerkenswerte an Rudi ist seine Konstanz. Egal worüber man spricht — Rudi hat es besser. Rudis Station ist besser. Rudis Antenne ist besser. Rudis Modulation ist besser. Rudis Rapporte sind besser. Rudis Gehör ist besser. Rudis Logbuch ist voller.

Wenn Kurt erzählt, dass er mit seiner Vertikalen und 100 Watt eine seltene Station gearbeitet hat, wird Rudi kurz still. Dann sagt er: „Ja, den hab ich letzte Woche auch gehabt, hi. War aber nix Besonderes, bei meiner Station. Aber mit einer Vertikalen — da hast du Glück gehabt, hi. Wart nur, bis du eine richtige Antenne hast.“

Wenn jemand von SOTA erzählt, sagt Rudi: „Ja, SOTA, das ist was für die Jungen, hi. Ich mach mein DX vom Shack aus. Gemütlich. Mit Kaffee. Und einer ordentlichen Endstufe, hi hi hi.“

Und am Ende jedes Ratschlags, den niemand wollte, kommt Rudis Lieblingssatz: „Das wirst du auch noch lernen, hi.“ Egal ob du seit 5 oder seit 30 Jahren lizenziert bist. Egal ob du zehnmal mehr weißt als Rudi — der hat die teurere Station. Und das reicht. Hi.

Epilog: Rudi ruft CQ

Jeden Abend sitzt Rudi vor seinem Flaggschiff-Transceiver. Die Endstufe summt leise. Der Rotor dreht die Yagi. Rudi drückt die PTT.

„CQ CQ CQ, hier ist OE…, looking for DX…“

Der CQ-Ruf dauert viereinhalb Minuten. Inklusive vollständiger Stationsbeschreibung. Wenn niemand antwortet, sagt Rudi in der nächsten Runde: „Das Band war tot, hi. Keine Ausbreitung. Bei meiner Station kann es nicht am Signal liegen, hi hi.“

Und irgendwo dreht ein OM mit einer Drahtantenne und 100 Watt am VFO und seufzt: „Der Rudi schon wieder, hi.“

Aber er antwortet trotzdem. Weil man das so macht. Weil Rudi ein Original ist. Und weil Rudi, bei allen seinen Macken, eines hat: Ausdauer. Und eine Endstufe. Und eine Yagi. Und ein Mikrofon, in das er seit 40 Jahren die gleichen Sätze spricht.

„59+20, schönes Signal, hi. Ja, ich fahr ja nur mit ganz wenig Leistung, hi hi hi.“

Die Moral von der Geschicht‘

  • Wer seine Endstufe „wenig Leistung“ nennt, hat ein anderes Verhältnis zur Physik als der Rest der Welt.
  • 280 DXCC auf Deutsch ist kein DX — es ist ein Stammtisch mit Roaming, hi.
  • Wer nicht löten kann, darf trotzdem funken. Aber er sollte aufhören, anderen Ratschläge zur Stationstechnik zu geben.
  • Wer digitale Betriebsarten verteufelt, hat meistens Angst, dass 5 Watt FT8 weiter kommen als sein Kilowatt in SSB. Hi.
  • Englisch lernen ist keine Schande. Sked-Listen pflegen, um kein Englisch sprechen zu müssen — das ist Aufwand, den man besser in einen VHS-Kurs investiert hätte. Hi.
  • Und wer in jeder Runde erzählt, er sei der Beste — der hat meistens Angst, dass die anderen es von alleine nicht merken. Hi hi hi.

73 und weniger Leistung,
euer Hansl Hohlleiter, OE0HHL


Transparenzhinweis

Dieser Artikel ist Satire. Rudi Röhre und alle genannten Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit tatsächlich existierenden Funkamateuren, die zufällig ihre Endstufe „wenig Leistung“ nennen und deren Kabel ausschließlich von anderen gelötet wurden, sind selbstverständlich rein zufällig — aber statistisch unvermeidlich, weil in jeder Runde mindestens ein Rudi sitzt. Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) verfasst und von der oeradio.at-Redaktion geprüft.

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