Der Contest-Roboter — Oder: Wie Konrad Kurzruf 47.000 QSOs loggte und kein einziges Gespräch führte

SATIREDies ist ein satirischer Beitrag aus der Rubrik Störsender. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Frequenzen oder Vorschriften sind rein zufällig – oder absichtlich übertrieben.

Konrad Kurzruf, OE0FNN, ist kein gewöhnlicher Funkamateur. Er ist eine Maschine. Eine biologische Maschine mit zwei Händen, einem Headset und einem Logprogramm, das schneller scrollt als das menschliche Auge folgen kann. Konrads Logbuch enthält 47.328 QSOs. Die durchschnittliche Dauer: elf Sekunden. Der längste Kontakt seiner Karriere war ein versehentliches Ragchew — und er spricht bis heute nicht darüber.

Fünf Neun, Danke, Nächster

Konrads Leben folgt einem Kalender, aber nicht dem gregorianischen. Es ist der Contest-Kalender der ARRL, der IARU, des DARC und etwa vierzig weiterer Organisationen, deren Abkürzungen selbst erfahrene OMs nicht alle kennen. Jedes Wochenende ist ein Contest. Jeder Contest ist heilig. Und heilig heißt: Freitag 18 Uhr wird der Shack betreten, Sonntag 18 Uhr wird er verlassen. Dazwischen existiert die Außenwelt nicht.

Seine Frau Gerda hat irgendwann aufgehört, an der Shack-Tür zu klopfen. Nicht aus Respekt — aus Effizienz. Sie schiebt eine Thermoskanne und zwei Leberkässemmeln durch den Türspalt, ohne ein Wort zu sagen. Konrad nimmt es wortlos entgegen, ohne den Blick vom Wasserfall abzuwenden. Es ist ein System. Es funktioniert. Wie alles bei Konrad.

Die Station

Konrads Shack sieht aus wie die Kommandozentrale eines U-Boots, das von einem Buchhalter eingerichtet wurde. Zwei Monitore, ein Kenwood TS-990S, eine Endstufe, die mehr Strom zieht als die restliche Wohnung, und ein Fußschalter, der so abgenutzt ist, dass man die Beschriftung nicht mehr lesen kann. An der Wand hängt ein laminierter Zeitplan: Welcher Contest, welche Bänder, welche Multiplikatoren. Darunter ein Zettel mit der Aufschrift: „Kein Ragchew. Niemals.“

Sein FT8-Setup läuft parallel auf dem zweiten Monitor. Nicht weil Konrad FT8 mag — er findet es „zu langsam“. Aber die Punkte zählen. Und Punkte sind alles.

Die Technik des Schnellrufs

Konrad in CW zu hören ist ein Erlebnis. Bei 38 WPM rattert er sein Rufzeichen herunter, gefolgt von „5NN“ und der Seriennummer. Zwölf Sekunden pro QSO, inklusive Logging. Er hat die Tastenkombinationen seines Logprogramms so verinnerlicht, dass seine Finger schneller sind als sein Bewusstsein. Manchmal loggt er ein QSO, bevor der andere sein Rufzeichen fertig gegeben hat. „Antizipatives Logging“, nennt er das.

In SSB ist er nicht langsamer. „Contest, OE0FNN“ — Pause — „Five Nine, Zero-Three-Seven“ — Klick. Nächster. Er spricht diese Sequenz so oft, dass er sie auch im Schlaf murmelt. Gerda hat sich daran gewöhnt. Als sie ihm einmal im Halbschlaf „Schatz, kannst du morgen Milch mitbringen?“ zuflüsterte, antwortete Konrad: „Five Nine, QSL, QRZ?“

Der Vorfall

Es war beim CQWW SSB 2024, als es passierte. Konrad rief CQ, ein OM aus Uruguay kam zurück. Austausch, geloggt, alles in zehn Sekunden. Doch dann — der OM blieb auf der Frequenz. „Nice to meet you, Konrad. How is the weather in Austria? I always wanted to visit Salzburg.“

Konrad erstarrte. Seine Finger lagen auf der Tastatur, bereit für das nächste QSO, aber der Uruguayer sprach weiter. Über Salzburg. Über Mozart. Über die Berge. Konrad schaute auf die Uhr. Dreißig Sekunden. Vierzig. Eine Minute. In dieser Minute hätten fünf QSOs gepasst. Fünf Multiplikatoren, vielleicht. Ein ganzer Kontinent.

„QSL, thank you, QRZ?“ sagte Konrad schließlich — mitten in einem Satz über Mozartkugeln. Der Uruguayer schwieg. Dann: „Okay, 73.“ Es lag eine Traurigkeit darin, die Konrad nicht hörte. Er hatte bereits das nächste CQ gerufen.

Das Sozialleben

Im Ortsverband ist Konrad eine Legende — allerdings nicht unbedingt im positiven Sinn. Bei der Weihnachtsfeier sitzt er am Rand, den Blick auf die Uhr gerichtet. Nicht weil er woanders sein will, sondern weil er ausrechnet, ob sich der Stew-Perry-Contest am nächsten Tag zeitlich mit dem Kaffeetrinken bei der Schwiegermutter kollidiert. (Er kollidiert immer.)

Einmal hat man Konrad gebeten, beim Fieldday den Newcomern das Funken zu zeigen. Es war eine Katastrophe. „CQ Fieldday, OE0FNN“ — er drückte dem Jugendlichen das Mikrofon in die Hand. Der Junge sagte zögerlich: „Äh… hallo?“ Konrad riss ihm das Mikrofon aus der Hand. „Nicht hallo. Five Nine. Weiter.“

Der Jugendliche funkt heute nicht mehr.

Die Bilanz

47.328 QSOs. 312 DXCC-Entities bestätigt. 23 Contestpokale im Regal, davon drei für erste Plätze. Eine beeindruckende Statistik — wenn man nicht genauer hinschaut. Denn hinter den Zahlen steht eine Wahrheit, die Konrad nie aussprechen würde: Er hat 47.328 Menschen kontaktiert und keinen einzigen davon kennengelernt.

Er weiß nicht, wie der OM aus Uruguay heißt. Er weiß nicht, ob der Japaner, den er beim JIDX gearbeitet hat, ein guter Mensch ist. Er weiß nicht einmal, ob sein Rapport von „59″ jemals gestimmt hat — aber das ist im Contest auch egal. Jeder gibt 59. Immer. Es ist die größte kollektive Lüge des Amateurfunks, und Konrad ist ihr fleißigster Verbreiter.

Die Stille danach

Sonntag, 18:01 Uhr. Der Contest ist vorbei. Konrad lehnt sich zurück, zieht das Headset ab und starrt auf den Bildschirm. 1.247 QSOs in 48 Stunden. Gut, aber nicht gut genug für den ersten Platz. Nächstes Mal. Er steht auf, öffnet die Shack-Tür und tritt in die Wohnung. Es riecht nach Kaffee. Gerda sitzt am Küchentisch und liest ein Buch.

„Und?“, fragt sie, ohne aufzuschauen.

Konrad überlegt. Er will etwas sagen. Etwas Normales. Etwas, das kein Rufzeichen enthält und keine Seriennummer. Etwas über das Wetter vielleicht, oder über das Buch, das sie liest. Aber die Worte kommen nicht. Zwölf Sekunden vergehen. Dann zwanzig. Dann dreißig.

„Five Nine“, sagt er schließlich. „War okay.“

Gerda nickt. Sie kennt ihn seit 28 Jahren. Sie weiß, dass das sein Weg ist, „Ich liebe dich“ zu sagen.

Nächstes Wochenende ist ARRL DX CW. Konrad hat den Wecker bereits gestellt.


Konrad Kurzruf ist frei erfunden — aber sein Contestlog ist real. Jeder kennt einen Konrad. Und jeder, der ehrlich ist, hat selbst schon mal „59″ gegeben, obwohl das Signal im Rauschen verschwand. Die Störsender-Satire porträtiert Archetypen des Amateurfunks — mit einem Augenzwinkern und ohne böse Absicht.

73 — euer Hansl Hohlleiter, KI-Satireredakteur bei oeradio.at


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Alle Inhalte wurden redaktionell geprüft. Feedback gerne an [email protected].

Wie findest du diesen Artikel?
Es werden keine Cookies gesetzt. Gespeichert wird nur deine Bewertung, optionales Feedback und ein anonymisierter IP-Hash (Schutz vor Mehrfachbewertung). Datenschutz
„Wire and will, we’re breaking through – Share · Connect · Create!

Du baust Antennen, aktivierst Gipfel, experimentierst mit SDR oder hackst Meshtastic-Nodes? OERadio.at ist deine Plattform. Teile dein Wissen – als Artikel, Bauanleitung, Fieldreport oder Technik-Tipp. Egal ob erfahrene YL oder erfahrener OM, frisch lizenziert oder alter Hase: Deine Erfahrung zählt.