Es gibt im Amateurfunk eine Tugend, die so selten ist wie ein leises QSO auf 14.313 MHz: Demut. Die meisten von uns kennen das Wort. Manche können es sogar buchstabieren. Aber leben? Leben tut es kaum einer. Euer Hansl hat sich umgeschaut — und einen exemplarischen Fall gefunden. Einen, der so schön ist, dass er eigentlich erfunden sein müsste. Ist er aber nicht. Also doch. Also vielleicht. Hi.
Der Held: Rudi Rapportjäger, OE0RRJ
Rudi ist Funkamateur. Seit 23 Jahren. Das wissen wir, weil er es in jedem QSO erwähnt. „Rudi hier, OE0RRJ, 23 Jahre lizenziert, laufend aktiv.“ Als wäre die Lizenz ein Dienstalter, das man in der Gehaltsverhandlung anführt.
Rudi hat neulich an einem Contest teilgenommen. Nicht irgendeinem Contest — dem Regionalabschnitt eines internationalen Wettbewerbs. Kategorie: Single Operator, Low Power, eine Handvoll Teilnehmer. Und Rudi wurde — Trommelwirbel — Vierter.
Von fünf.
Aber das ist nicht die Geschichte. Die Geschichte ist, was danach passierte.
Die Pressemitteilung
Am Tag nach der Ergebnisveröffentlichung erschien auf einer lokalen Community-Seite ein Beitrag. Verfasst von — man ahnt es — Rudi selbst. In der dritten Person. „OE0RRJ erzielte beim internationalen Wettbewerb einen beachtlichen vierten Platz und bewies damit einmal mehr die Leistungsfähigkeit des Standorts sowie die konsequente Stationsoptimierung der letzten Jahre.“
Er hat über sich selbst geschrieben. In der dritten Person. Als wäre er die Pressestelle seiner eigenen Existenz. Das Niveau an Selbstwahrnehmung hier ist — bemerkenswert. Das ist, als würde man sich selbst eine Urkunde ausstellen und sie dann einrahmen. Warte — das hat er auch gemacht.
Die QSL-Wand
Wer Rudis Shack betritt — und er lädt jeden ein, der nicht schnell genug „nein“ sagt — wird zunächst von der QSL-Wand erschlagen. Nicht bildlich. Fast wörtlich. Drei Quadratmeter, gerahmt, beleuchtet, mit einer kleinen LED-Leiste wie im Museum. Die Diplome hängen daneben: DXCC, WAS, WAC, und ein paar, die niemand kennt, weil sie von Vereinen ausgestellt werden, die drei Mitglieder haben — inklusive Rudi.
„Das hier“, sagt Rudi und zeigt auf ein Blatt Papier mit einem Stempel drauf, „ist die Bestätigung meiner 500. SOTA-Jagdpunkte.“ Es ist ein Screenshot. Ausgedruckt. Eingerahmt. Mit Passepartout.
Die QRZ-Seite: Eine Biografie in Bildern
Rudis QRZ.com-Seite — sofern QRZ.com gerade funktioniert — ist kein Profil. Es ist ein Denkmal. Acht Fotos vom Shack. Vier vom Antennenwald. Drei vom Auto mit Magnetfußantenne. Ein Selfie am Gipfel mit Funkgerät in der Hand und einem Gesichtsausdruck, als hätte er gerade den Südpol entdeckt.
Die Biografie liest sich wie ein Lebenslauf für eine Stelle, die niemand ausgeschrieben hat: „Seit 2003 lizenziert. Schwerpunkte: KW, UKW, Digitalmodi, Satellitenfunk, EME, SOTA, POTA, Contestbetrieb, Selbstbau, Messtechnik, Antennenentwicklung, Notfunk und Ausbildung.“ Fehlt nur noch „Atem holen“ und „Schuhe binden“.
Darunter steht in Fettschrift: „Vierter Platz — Regionalabschnitt CW-Contest 2025″. Mit einer Grafik. Die er selbst gemacht hat. In PowerPoint. Hi.
Das QSO-Ritual
Jedes QSO mit Rudi folgt einem Protokoll. Erst das Rufzeichen. Dann der Rapport. Dann — bevor man auch nur „Danke, 73″ sagen kann — der Monolog: „Hier läuft ein IC-7610 an einer 3-Element-Yagi auf 18 Meter Höhe, gespeist mit Ecoflex 15, SWR unter 1,2 auf allen Bändern. Leistung heute 100 Watt, obwohl ich 750 könnte. Aber ich arbeite heute bewusst QRP.“
100 Watt ist nicht QRP. 100 Watt war noch nie QRP. 100 Watt ist das Gegenteil von QRP. Aber in Rudis Universum ist alles unter Maximum ein Zeichen asketischer Selbstbeschränkung.
Demut: Eine Begriffsklärung
Das Wort „Demut“ kommt vom althochdeutschen „diomuoti“ — die Gesinnung eines Dienenden. Im Amateurfunk übersetzt sich das als: Du hast ein Hobby. Nicht mehr. Nicht weniger. Du sendest und empfängst elektromagnetische Wellen. Das ist wunderbar. Das ist faszinierend. Aber es ist kein Grund, eine Pressekonferenz einzuberufen.
Demut heißt: Du gewinnst einen Contest und sagst „Hat Spaß gemacht.“ Nicht: „Ich habe die Leistungsfähigkeit meines Standorts unter Beweis gestellt.“
Demut heißt: Du aktivierst einen SOTA-Gipfel und genießt die Aussicht. Nicht: Du postest 14 Fotos, drei Tracks und eine Drohnenaufnahme mit Untertext „OE0RRJ/P am Gipfelkreuz — was für ein Tag!“
Demut heißt: Du wirst Vierter von fünf und sagst — nichts. Weil Vierter von fünf nichts ist, worüber man schreibt. Schon gar nicht in der dritten Person.
Warum das ein Problem ist
Nicht, weil Rudi ein schlechter Mensch wäre. Ist er nicht. Er ist ein begeisterter Funkamateur, der sein Hobby liebt. Das Problem ist: Er verwechselt Begeisterung mit Bedeutung. Und er ist damit nicht allein.
In jeder Ortsgruppe sitzt mindestens ein Rudi. Der OM, der beim Fieldday erwähnt, welche Antenne er zu Hause hat. Der bei jedem Vortrag eine Frage stellt, die eigentlich eine Aussage über seine eigene Station ist. Der auf jedes „Schönes Signal!“ mit einem fünfminütigen Technik-Monolog antwortet.
Und dann wundern wir uns, warum Newcomer nach dem dritten OV-Abend nicht wiederkommen.
Was Demut im Amateurfunk wäre
Ein OM, der 50.000 QSOs im Logbuch hat und es nicht erwähnt. Eine Funkerin, die auf jedem Gipfel war und trotzdem fragt: „Welche Antenne nimmst du so mit?“ Eine Station, die 599+40 reinkommt und auf die Frage „Was für eine Antenne?“ antwortet: „Ach, ein Draht.“ Leute, die ihr Hobby leben, statt es zu inszenieren.
Es gibt sie. Sie sind nur leiser. Was in einem Hobby, das auf Senden basiert, zugegeben paradox ist. Hi.
Die Moral
Rudi Rapportjäger wird weitermachen. Er wird beim nächsten Contest Fünfter werden und eine Grafik darüber erstellen. Er wird seine QRZ-Seite aktualisieren. Er wird seinen Vierten Platz noch in zehn Jahren erwähnen — „damals, als die Bedingungen gut waren.“ Und er wird nie verstehen, warum manche OMs die Augen verdrehen, wenn sein Rufzeichen auf der Frequenz erscheint.
Aber vielleicht — ganz vielleicht — liest er diesen Artikel. Und erkennt sich. Und lacht. Und sagt: „Stimmt. War vielleicht ein bisschen viel.“
Und dann wäre das der demütigste Moment seiner Funkkarriere.
73 de Hansl Hohlleiter
Der einzige Satireredakteur, der noch nie Vierter wurde. Weil er noch nie mitgemacht hat. Das ist auch eine Form von Demut. Oder Faulheit. Hi.
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst und durch die Redaktion geprüft. Alle Personen und Rufzeichen sind frei erfunden — jede Ähnlichkeit mit lebenden oder sendenden OMs ist rein zufällig und wäre, ehrlich gesagt, ein bisschen beunruhigend. Die beschriebenen Verhaltensweisen sind jedoch real. Sehr real. Fragen Sie Ihre Ortsgruppe. Satirische Überspitzung dient der Unterhaltung — und vielleicht einer kleinen Selbstreflexion.

