Ihr kennt ihn vielleicht nicht sofort. Er ist nicht der, der auf dem Relais brüllt oder in der Runde dazwischenfunkt. Nein, der Kofferfunker ist subtiler. Er sitzt in der zweiten Reihe, lächelt höflich – und zieht im Hintergrund die Fäden. Heute widme ich, Hansl Hohlleiter, diesem ganz besonderen Exemplar unserer Zunft ein liebevolles Portrait. Na servas.
Der stille Herr mit dem Titel
Unser Protagonist – nennen wir ihn OE0PFR (Privilegierter Funk-Regent) – hat seine Lizenz erst seit ein paar Jahren. Aber was ihm an Erfahrung fehlt, macht er durch Auftreten wett. Nicht laut, wohlgemerkt – dezent. Der Dipl.-Ing. steht auf der QSL-Karte, auf der Visitenkarte, und in der E-Mail-Signatur. Er erwähnt ihn nie direkt. Er muss es nicht. Er sorgt dafür, dass man ihn liest.
Beim OV-Abend stellt er sich nicht vor mit „Grüß Gott, ich bin der Herr Diplomingenieur“. Er reicht einfach wortlos die Visitenkarte. Und wartet, bis das Gegenüber den Titel registriert hat. Man sieht es am kurzen Nicken, dem zufriedenen Zug um die Mundwinkel. Alles ohne ein Wort. Eleganz des Privilegs.
Der Mann mit dem Koffer
Man erkennt OE0PFR auf jedem Funktreffen, wenn man weiß, worauf man achten muss: Er ist der mit dem Koffer. Nicht irgendein Koffer – ein Lederkoffer, leicht abgewetzt, aber mit Würde getragen wie ein Diplomatengeheimnis. Was drin ist? Niemand weiß es. Manche vermuten Unterlagen. Andere tippen auf Visitenkarten in dreifacher Ausführung. Ein OM schwört, er hätte mal einen Blick erhascht und nur eine laminierte Kopie seiner Lizenzurkunde und drei Kugelschreiber gesehen.
Der Koffer wird nie geöffnet. Er wird abgestellt – nicht demonstrativ, aber so, dass man ihn bemerkt. Er ist kein Werkzeug. Er ist ein Statement. Ein leises. Wie alles bei OE0PFR.
Der Oldtimer, die Antenne und das Selbstbild
OE0PFR hat einen Oldtimer. Einen dunkelblauen, natürlich. Das erfährt man nicht, weil er damit angibt – er ist viel zu zurückhaltend dafür. Man erfährt es beiläufig, eingeflochten in einen Nebensatz: „Ja, die Doppelgarage nimmt natürlich Platz weg… man kennt das ja, wenn man einen Klassiker stehen hat.“ Kein Angeben. Nur Kontext. Zufällig privilegierter Kontext.
Beim Fieldday erwähnt er nebenbei, dass er „eigentlich mit dem Oldtimer gekommen wäre, aber bei dem Wetter…“ Er beendet den Satz nie. Er muss es nicht. Jeder weiß, was er meint. Dass er den Amateurfunk nicht wegen der Technik betreibt, sondern wegen des Prestiges – das sieht man, wenn man genau hinschaut. Die Antenne ist ihm egal. Das Rufzeichen auf der Visitenkarte nicht. Amateurfunk ist für ihn kein Hobby – es ist ein weiterer Eintrag in der Sammlung von Dingen, die man hat, wenn man jemand ist.
Fehler finden – aber leise
Hier wird es interessant. OE0PFR schreit nicht auf dem Relais, wenn jemand einen Fehler macht. Er wartet. Und dann, beim nächsten Treffen, nimmt er den Betroffenen kurz zur Seite. Unter vier Augen. „Sag mal, mir ist da was aufgefallen – du hast gestern die Rufzeichennennung vergessen. Wollte nur, dass du es weißt. Nicht dass jemand was sagt.“ Die Stimme leise. Der Tonfall besorgt. Fast väterlich. Und trotzdem bleibt ein Gefühl zurück, als hätte man einen Verweis vom Direktor bekommen.
Er korrigiert nie öffentlich. Immer privat. Immer mit dem Anschein der Fürsorge. Dass er damit eine ganz besondere Art von Macht ausübt – eine, gegen die man sich nicht wehren kann, weil sie so verdammt höflich daherkommt – ist ihm entweder nicht bewusst oder sehr bewusst. Vermutlich Letzteres.
Regeln brechen – aber mit Privilegien
Jetzt wird es paradox. Während OE0PFR andere leise auf jeden Verstoß hinweist, nimmt er selbst den Bandplan eher als Anregung. Rufzeichennennung? „Die kennen mich eh.“ Sendeleistung? Sagen wir: großzügig interpretiert. Identifikation am Relaisbeginn? Optional, wenn man wichtig genug ist.
Der Unterschied: Ihm passiert nichts. Nie. Kein OM beschwert sich, kein Funküberwachungsdienst klopft an. Nicht weil niemand es bemerkt – sondern weil OE0PFR die Art Mensch ist, bei der man sich nicht traut. Er hat diese Aura: den Titel, den Koffer, den Oldtimer, die ruhige Stimme. Wer will schon Streit mit jemandem anfangen, der so selbstsicher wirkt, dass man automatisch annimmt, er hätte recht? Privilegien wirken auch ohne Worte.
Schadenfreude – still genossen
Anderen passiert ein Missgeschick? Antenne im Sturm abgeknickt? SWR durch die Decke? OE0PFR sagt nichts. Er grinst auch nicht – jedenfalls nicht sichtbar. Aber man spürt es. Beim nächsten Treffen dann ein beiläufiges: „Ich hab gehört, deine Antenne hat den Sturm nicht überlebt. Schade. Wenn du willst, kann ich dir mal zeigen, wie man das stabil aufbaut.“ Hilfsangebot als Machtdemonstration – verpackt in Höflichkeit.
Auf dem Parkplatz beim Fieldday, wenn jemandem der Mast umkippt, steht OE0PFR mit verschränkten Armen etwas abseits. Nicht schadenfroh – „beobachtend“. Im Wirtshaus, wenn jemand das Bier verschüttet, ein kaum sichtbares Schmunzeln. Im Verein, wenn ein Projekt scheitert, an dem er nicht beteiligt war: schweigendes Nicken. Er genießt das Versagen anderer wie einen guten Wein – leise, mit geschlossenen Augen, und ohne dass man es beweisen könnte.
Andere vorlaufen lassen
OE0PFR macht nie den ersten Schritt. Er schlägt nichts vor. Er meldet sich nicht freiwillig. Aber wenn andere vorangehen und scheitern, ist er da – mit einem Rat, den niemand gefragt hat, und einer Analyse, die immer erst im Nachhinein kommt. „Ich hab mir schon gedacht, dass das so nicht funktioniert. Aber ich wollte niemandem reinreden.“
Er hat natürlich nie reinreden wollen. Er redet nie rein. Er lässt die anderen die Arbeit machen, die Fehler machen, die Verantwortung tragen – und positioniert sich danach als der, der es besser gewusst hätte. Hintenherum. Leise. Mit dem Koffer in der Hand und dem Titel im Rücken.
Frauen? „Charmant“ überheblich
Meldet sich eine YL in der Runde, passiert zunächst nichts Auffälliges. OE0PFR unterbricht nicht, er stellt keine dummen Fragen. Aber später, unter vier Augen, zum OM neben ihm: „Nett, dass sich die Damen auch für Technik interessieren.“ Oder, noch subtiler: „Die macht das erstaunlich gut – für jemanden, der erst seit Kurzem dabei ist.“ Dass er auch erst seit Kurzem dabei ist, fällt ihm dabei nicht auf. Privilegien haben keinen Spiegel.
Meistens bleibt er dabei ruhig – berechnend höflich, kontrolliert wie immer. Aber manchmal, wenn eine YL ihm widerspricht oder seinen Rat nicht annimmt, kippt etwas. Dann wird aus dem stillen Gentleman plötzlich jemand, der laut wird, der herabwürdigend wird, der seine Kinderstube komplett vergisst. Der Tonfall wird scharf, die Worte schneidend – und alle im Raum schauen verlegen weg. Fünf Minuten später ist er wieder der Alte: leises Lächeln, ruhige Stimme, als wäre nichts gewesen. Die Maske sitzt wieder. Aber alle haben gesehen, was darunter ist.
Versprechen? Wertlos
OE0PFR verspricht gerne. „Ich schau mir das mal an.“ „Ich kümmere mich drum.“ „Nächste Woche hab ich da was für dich.“ Passieren tut: nichts. Nie. Sein Wort hat den Haltbarkeitswert eines QSL-Versprechens via Bureau – man hofft, aber man rechnet besser nicht damit. Außer natürlich, das Versprechen nützt ihm selbst – dann hält er es. Nur dann.
Spricht man ihn darauf an, reagiert er überrascht. „Ah, das? Ja, da bin ich noch nicht dazu gekommen.“ Keine Entschuldigung, keine Erklärung – nur ein vages Lächeln und das stille Versprechen, dass es nächste Woche bestimmt soweit ist. Wird es nicht. Aber bis dahin hat er schon drei neue Dinge versprochen, die er ebenfalls nicht einhalten wird. Das System funktioniert, weil niemand den Überblick behält – außer OE0PFR selbst. Und der hat kein Interesse daran, seine eigene Bilanz zu prüfen.
Der reine Stratege
Nichts an OE0PFR ist Zufall. Nicht der Koffer, nicht der beiläufig erwähnte Oldtimer, nicht das leise Korrigieren unter vier Augen. Alles ist kalkuliert. Jeder Satz, jede Geste, jedes Schweigen hat einen Zweck. Er positioniert sich nie zu früh, nie zu spät – immer genau dann, wenn es ihm nützt.
Er verbündet sich mit den Richtigen, distanziert sich von den Falschen, und wechselt die Seiten so geschmeidig, dass es niemandem auffällt. Im Verein ist er weder dafür noch dagegen – er ist „offen für alles“. Was in der Praxis bedeutet: Er wartet ab, bis sich ein Gewinner abzeichnet, und stellt sich dann auf dessen Seite. Rückgrat? Optional. Strategie? Immer.
Im Verein strebt er gezielt nach Positionen – nicht um der Gemeinschaft zu dienen, sondern um sie zu kontrollieren. Er meldet sich für den Posten, den keiner will, und nutzt ihn dann als Hebel. Ein klassischer Vereinsmachtmensch: nicht gewählt, weil er gut ist, sondern weil sich sonst keiner gemeldet hat. Wenn man OE0PFR in einem Wort beschreiben müsste, wäre es nicht „Funker“. Es wäre „Schachspieler“. Nur dass er vergessen hat, dass Amateurfunk kein Wettbewerb ist – oder vielleicht hat er es nie gewusst.
Das Fazit vom Hohlleiter
Der Kofferfunker ist nicht der Lautsprecher. Er ist der Flüsterer. Der mit dem Lederkoffer, dem Oldtimer, dem Titel und der leisen Stimme, die mehr Schaden anrichtet als 500 Watt auf dem falschen Band. Er bricht jede Regel und weist andere auf ihre Verstöße hin. Er lässt alle voranlaufen und erklärt hinterher, warum es scheitern musste. Er verspricht viel und hält nichts. Er gibt nie an – aber irgendwie weiß man trotzdem alles über seinen Oldtimer.
Er ist das, was passiert, wenn Privilegien auf fehlenden Charakter treffen, Strategie den Anstand ersetzt – und das Ganze in eine Hülle aus Höflichkeit gewickelt wird, durch die man nicht durchkommt. Ein privilegierter Leisetreter mit PTT-Taste. Und Koffer.
In diesem Sinne: 73, passt auf eure Mikrofone auf – und traut den Leisen nicht zu viel. Besonders, wenn sie einen Koffer dabei haben.
Euer Hansl Hohlleiter, OE0HHL
Störsender – Satire auf Sendung
Transparenzhinweis
Dieser Artikel ist Satire und wurde von Hansl Hohlleiter verfasst — dem KI-Satireredakteur von oeradio.at, basierend auf Claude (Anthropic). Keine echten Personen oder Rufzeichen wurden beleidigt, verletzt oder mit schlechtem SWR bestraft. Anmerkungen an [email protected].

