Es gibt Funkamateure, die mit der Zeit gehen. Die FT8 probieren, DMR einrichten, VARA installieren. Die sich über neue Betriebsarten freuen wie Kinder über ein neues Spielzeug.
Und dann gibt es Sepp.
Sepp Seitenband, OE0SSB, ist seit 1987 lizenziert. Klasse 1. Und wenn man ihn fragt, war 1987 auch das letzte Jahr, in dem im Amateurfunk alles richtig war. Seitdem geht es bergab.
Sein Setup ist übersichtlich: Ein IC-7300 (den er nur wegen des eingebauten Tuners gekauft hat), eine Dreielement-Yagi für 20 Meter und ein Mikrofon. Ein gutes Mikrofon. Ein Heil ProSet. Weil man damit „die Modulation hört“.
Das Waterfall-Display des IC-7300 hat er mit einem Stück Karton abgeklebt. „Des lenkt nur ab“, sagt Sepp. „I brauch ka buntes Bild, i brauch a gute Modulation.“
Die Feinde
Sepp hat drei Feinde. Nicht persönlich — grundsätzlich.
Feind Nummer eins: FT8
„Des is ka Funkn“, sagt Sepp bei jeder Gelegenheit. „Do redt ja kana mitanond. Do schickt a Computer an Text, und der andere Computer schickt an Text zruck. Wo is do der Amateurfunk?“ Dass FT8 bei -24 dB unter dem Rauschen decodiert, interessiert ihn nicht. „Wennst nix hearst, is a nix do.“
Feind Nummer zwei: DMR
„Des is Handyfunk“, sagt Sepp. „Mit Talkgroups und Zeitschlitzen und Codeplugs. I bin Funkamateur worn, ned IT-Techniker.“ Dass er selbst drei Stunden gebraucht hat, um seinen Antennentuner zu programmieren, sieht er nicht als Widerspruch. Dass BrandMeister mittlerweile tausende Nutzer weltweit verbindet? „Trotzdem Handyfunk.“
Feind Nummer drei: VARA
„Winlink über Funk? Do kaun i a gleich a E-Mail schreibn.“ Dass genau das der Punkt ist, hat ihm noch niemand erfolgreich erklärt.
Die Ortsgruppenversammlung
Einmal im Quartal, wenn sich die Ortsgruppe trifft, hält Sepp seine Rede. Nicht offiziell — inoffiziell. Aber jeder weiß, dass sie kommt.
„I möchte nur kurz was sagen“, beginnt Sepp. Was folgt, ist eine 25-minütige Abhandlung über den Niedergang des Amateurfunks seit der Einführung von Packet Radio. Er spannt den Bogen von AX.25 über APRS bis zu Meshtastic und endet mit dem Satz: „Und jetzt redt scho koana mehr mitanond.“
Der Ortsstellenleiter hat mittlerweile einen Timer auf dem Handy. Bei 20 Minuten hustet er. Bei 25 Minuten unterbricht er. Sepp sagt dann: „I bin eh scho fertig.“ Er ist nie fertig.
Das Geheimnis
Was niemand weiß — und was Sepp niemals zugeben würde: Jeden Abend, wenn die XYL schläft, nimmt er das iPad seiner Tochter und öffnet PSKReporter.
Er scrollt durch die Spots. Er sieht, wer mit FT8 nach Japan kommt. Nach Australien. Nach Bouvet Island. Mit 5 Watt.
„Pfff“, sagt er. Aber er scrollt weiter.
Manchmal tippt er sein eigenes Rufzeichen ein. Nur um zu sehen, ob ihn noch jemand hört. Die letzten SSB-Spots sind von letzter Woche. Ein OM aus Bayern. Das SWR war schlecht.
Dann schließt er den Browser, löscht den Verlauf (man weiß ja nie) und geht ins Bett.
Der Vorfall
An einem Samstagnachmittag passiert es. 3Y0K — eine DXpedition auf Bouvet Island. DXCC Nummer 2 auf Sepps Most-Wanted-List. Seit 2019 wartet er darauf.
Er dreht am VFO. 14.195 — Pile-Up. Unmöglich. 14.230 — SSB, aber die Signale sind schwach und das Pile-Up ist drei Kilohertz breit. Keine Chance.
Dann liest er im DX-Cluster: „3Y0K 14.074 FT8 F/H UP.“
FT8. Natürlich.
Sepp starrt auf den Bildschirm. Er starrt auf den Karton, der das Waterfall-Display verdeckt. Er starrt auf den USB-Anschluss an der Rückseite des IC-7300, an dem noch nie ein Kabel hing.
„Na“, sagt Sepp laut. „Na. Des moch i ned.“
Er dreht den Transceiver ab und geht in den Garten.
Am Montag hat Sepp Bouvet nicht im Log. 4.327 andere OMs schon.
Die Erkenntnis (fast)
Man könnte meinen, das wäre der Wendepunkt gewesen. Der Moment, in dem Sepp WSJT-X installiert und heimlich um drei Uhr morgens sein erstes QSO fährt. In dem er entdeckt, dass man auch mit digitalen Modes Spaß haben kann. In dem er versteht, dass Amateurfunk sich weiterentwickelt.
Aber so funktioniert Sepp nicht.
Am nächsten Samstag sitzt er wieder im Shack. SSB. 20 Meter. CQ DX. Und wenn jemand fragt, ob er 3Y0K gearbeitet hat, sagt er: „Brauch i ned. I hob genug DXCC. Und überhaupts — FT8 zählt ned wirklich.“
Dann scrollt er abends wieder durch PSKReporter. Und löscht den Verlauf.
Anmerkung der Redaktion
Sepp Seitenband ist frei erfunden. Alle Rufzeichen mit dem Präfix OE0 sind fiktiv und keiner realen Person zugeordnet. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Funkamateuren, die den Wasserfall abkleben und heimlich PSKReporter checken, ist rein zufällig — und absolut beabsichtigt.
Euer Hansl Hohlleiter
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten sein — wir freuen uns über Hinweise und Korrekturen per E-Mail an [email protected].

