Der Antennenguru — Oder: Wie Werner Wechselanpassung 47 Antennen simulierte und keine einzige baute

SATIREDies ist ein satirischer Beitrag aus der Rubrik Störsender. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Frequenzen oder Vorschriften sind rein zufällig – oder absichtlich übertrieben.

Es gibt Menschen, die bauen Antennen. Und es gibt Werner Wechselanpassung, OE0SWR. Werner simuliert Antennen. Seit sieben Jahren. Mit einer Hingabe, die man sonst nur von Mönchen in tibetischen Klöstern kennt — nur dass am Ende statt Erleuchtung ein weiteres EZNEC-File auf der Festplatte landet.

Werners Shack ist ein Heiligtum der theoretischen Antennentechnik. Drei Monitore, zwei davon permanent mit EZNEC belegt, einer mit einem Excel-Sheet, in dem er SWR-Kurven verschiedener Simulationen farbcodiert vergleicht. An der Wand hängt kein Diplom, kein Award — sondern ein ausgedrucktes 3D-Strahlungsdiagramm einer 5-Element-Yagi für 20 Meter. „Die kommt nächstes Frühjahr aufs Dach“, sagt Werner. Er sagt das seit 2019.

Draußen, auf dem Dach, steht ein Drahtdipol. Ein ganz normaler, unauffälliger Drahtdipol. Nicht optimiert, nicht abgestimmt, nicht einmal besonders gerade aufgehängt. Werner hat ihn 2017 provisorisch gespannt, „bis die richtige Antenne kommt“. Der Dipol hängt seither stoisch in der Kärntner Witterung und funktioniert. Werner ignoriert ihn wie einen Verwandten, der bei Familienfeiern immer dasselbe erzählt.

47 Modelle, null Aluminium

Wer Werner auf der Ortsgruppen-Runde nach seinem Antennenprojekt fragt, bekommt keine kurze Antwort. Man bekommt einen Vortrag. Mit Folien. Werner hat nämlich nicht nur simuliert — er hat kategorisiert, verglichen, verworfen und neu simuliert. 47 Antennenmodelle befinden sich aktuell auf seiner Festplatte. Jedes einzelne sorgfältig benannt: „Yagi_5el_20m_v3_final_FINAL_neu_korrigiert_v2.ez“.

„Die v3 hatte ein Problem mit dem Rückwärtsverhältnis“, erklärt Werner geduldig, als hätte man gefragt. „In der v4 habe ich den Reflektor um 1,3 Zentimeter verlängert. Das bringt theoretisch 0,4 dB mehr Gewinn bei einer Bandbreite von…“ — an dieser Stelle sind erfahrungsgemäß die ersten drei OMs bereits in die Küche gegangen.

Werner hat für jedes seiner 47 Modelle eine eigene Dokumentation. In LaTeX gesetzt. Mit Fußnoten. Modell 23 — eine logarithmisch-periodische Antenne für 10 bis 20 Meter — hat eine 14-seitige Analyse. Es gibt ein Kapitel über Windlastberechnungen. Werner wohnt im Erdgeschoß.

Die Materialliste

Es wäre unfair zu sagen, Werner hätte nie etwas unternommen. Er hat sehr wohl etwas unternommen. Er hat eine Materialliste erstellt. Eine sehr detaillierte Materialliste. In einem separaten Excel-Sheet, verknüpft mit einem Preisvergleichsportal, das er selbst in Python programmiert hat.

Die Liste umfasst 127 Positionen. Vom Aluminiumrohr (6061-T6, nicht 6063 — „das hat ein anderes Elastizitätsmodul, das merkt man bei Wind“) über Edelstahlschrauben der Güte A4-80 bis hin zu einem speziellen UV-beständigen Kabelbinder, den es nur bei einem Händler in den Niederlanden gibt. Werner hat den Warenkorb seit 2021 befüllt. Er hat ihn noch nie bestellt.

„Ich warte auf den richtigen Zeitpunkt“, sagt Werner. Man ist sich nicht sicher, ob er den Aluminiumpreis meint oder eine kosmische Konstellation.

Der Rotor, der nie rotieren wird

Besonders stolz ist Werner auf seine Rotorplanung. Er hat drei verschiedene Rotoren verglichen — mechanisch, nicht in der Simulation, sondern in einer weiteren Excel-Tabelle mit 34 Spalten. Drehmoment, Windlast bei Beaufort 9, Lagerspiel nach 10.000 Zyklen, Stromverbrauch im Standby. „Der Yaesu G-2800DXC wäre optimal“, sagt Werner, „aber der Kenpro KR-2000RC hat das bessere Getriebe für intermittierende Nutzung.“

Werner hat noch nie einen Rotor berührt. Aber er könnte dir um drei Uhr morgens die Vor- und Nachteile jedes Modells aufzählen, das seit 1985 auf dem Markt war.

Das SWR-Trauma

Werners eigentliches Problem — und das ist ein offenes Geheimnis auf der Ortsgruppe — ist das SWR. Genauer gesagt: Werners Unfähigkeit, ein SWR über 1:1,1 zu akzeptieren. In der Simulation hat jede seiner Antennen ein perfektes SWR. Makellos. Wie eine frisch gebügelte Tischdecke.

Aber Werner weiß — tief in seinem Herzen, hinter den EZNEC-Files und den LaTeX-Dokumenten —, dass die Realität anders aussieht. Dass echtes Aluminium nicht perfekt gerade ist. Dass der Boden nicht das ist, was NEC-2 sich darunter vorstellt. Dass Wind existiert.

Und deshalb baut Werner nicht. Weil die Realität sein SWR versauen könnte. Und das wäre unerträglich.

Der Tag, an dem fast etwas passierte

Es gab genau einen Moment, in dem Werner fast gebaut hätte. Im Frühjahr 2023. Ein Nachbar bot ihm Hilfe mit dem Kran an. Das Wetter war perfekt. Das Aluminium im Warenkorb war im Sonderangebot. Werners Frau war für ein Wochenende bei der Schwester.

Werner öffnete EZNEC. Schaute sich Modell 38 an. Dann Modell 39. Dann überlegte er, ob vielleicht doch eine Quad besser wäre als eine Yagi. Um 14 Uhr begann er eine neue Simulation. Um 17 Uhr hatte er ein neues Modell. Um 19 Uhr rief der Nachbar an und fragte, ob sie anfangen. „Nächstes Wochenende“, sagte Werner. Der Nachbar ist inzwischen umgezogen.

Die Ortsgruppenlegende

Auf der Ortsgruppe genießt Werner einen besonderen Status. Nicht Respekt im klassischen Sinne — eher eine Mischung aus Faszination und Mitleid, wie man sie sonst nur bei Dokumentarfilmen über Sammler empfindet. Jeder kennt Werners Antennenmodelle. Niemand hat je eine davon in der Realität gesehen.

Wenn ein Newcomer fragt, „Welche Antenne soll ich kaufen?“, sagen die anderen: „Frag Werner. Aber nimm dir einen Stuhl mit.“ Werner empfiehlt dann grundsätzlich keine kaufbare Antenne — „Kommerzprodukte sind Kompromisse“ — sondern schickt eine E-Mail mit drei EZNEC-Files und einem Link zu seiner LaTeX-Dokumentation. Der Newcomer kauft dann meistens eine Groundplane bei einem Versandhändler und ist glücklich.

Eines Tages, so viel ist sicher, wird Werner seine Yagi bauen. Oder die Quad. Oder die logarithmisch-periodische. Vielleicht nächstes Frühjahr. Der Warenkorb ist jedenfalls bereit.

Und bis dahin funktioniert der Drahtdipol einwandfrei.

73 de Hansl Hohlleiter


Transparenzhinweis

Diese Satire wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) verfasst. Alle Figuren und Rufzeichen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Funkamateuren wären rein zufällig — und vermutlich ein Grund zur Selbstreflexion. Hinweise und Beschwerden bitte per E-Mail an [email protected].

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