Grumpy alter Funkamateur zeigt mit dem Finger ins Mikrofon

Das QRG-Großmaul — Wie Diethelm Besserwisser das Hobby zur Einzeldisziplin machte

Lesezeit: 5 Min.
SATIREDies ist ein satirischer Beitrag aus der Rubrik Störsender. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Frequenzen oder Vorschriften sind rein zufällig – oder absichtlich übertrieben.

Eine Störsender-Satire von Hansl Hohlleiter

Diethelm Besserwisser, OE0DBW, hat eine QO-100-Anlage. Wenn ihr das noch nicht wusstet, keine Sorge — er wird es euch erzählen. Beim ersten QSO. Und beim zweiten. Und beim dritten. Und wenn ihr am nächsten Tag wieder auf der QRG seid, erzählt er es nochmal, weil er nicht sicher ist, ob ihr es beim ersten Mal richtig gewürdigt habt.

Die QO-100-Anlage ist Diethelms Mond und Sterne. Sein Lebenswerk. Seine Daseinsberechtigung im Amateurfunk. Er hat sie selbst aufgebaut — das erwähnt er in jedem zweiten Satz — und sie funktioniert. Meistens. Wenn das Wetter passt. Und wenn er den LNB nicht wieder mit dem falschen Offset konfiguriert hat, was ihm aber nie passiert, weil er ja Profi ist. Er hat seine Lizenz nämlich in Deutschland gemacht. Das erzählt er auch gerne. Warum Deutschland? „Weil die österreichische Prüfung zu einfach war.“ Ob das stimmt, weiß niemand, aber es klingt beeindruckend, und darauf kommt es Diethelm an.

Diethelms Shack ist ein Museum. Nicht im charmanten Sinn, sondern im buchstäblichen: Die Geräte sind so alt wie er, und er ist nicht jung. Ein Transceiver, dessen Frontplatte mehr Patina hat als der Stephansdom, steht neben einem zweiten, der laut Diethelm „zeitlos“ ist, was in der Praxis bedeutet, dass es keine Ersatzteile mehr gibt. Darauf ist Diethelm stolz. „Heute bauen sie nur noch Plastik“, sagt er, während er an seinem Metallgehäuse klopft wie ein Bauer auf eine Wassermelone. Dass sein Nachbar mit einem IC-7300 um dreihundert Euro mehr Stationen arbeitet als er mit seiner gesamten Sammlung, ist ein Thema, das man in Diethelms Gegenwart nicht ansprechen sollte.

Denn Diethelm hat zu allem eine Meinung. Und die teilt er mit. Ungefiltert. Ungebeten. Unaufhörlich.

Wenn jemand auf dem Relais ein QSO beginnt, hört Diethelm zu — nicht aus Interesse, sondern um Material zu sammeln. „Der hat wieder seine Gummiwurst aufm Dach, das hörst du doch„, kommentiert er, sobald der andere fertig ist. Oder: „Was war das für ein Report? Fünf-neun? Mit dem Signal? Da war der Gegenüber wohl großzügig.“ Oder sein Klassiker, wenn jemand eine neue Antenne erwähnt: „Zeig mir erst mal deine SWR-Kurve, dann reden wir weiter.

Diethelm ist auch international aktiv. Auf QRZ.com hat er ein Profil, das er auf Englisch verfasst hat. Das Ergebnis liest sich wie eine maschinelle Übersetzung aus dem Jahr 2004 — durch einen Fleischwolf gedreht und dann nochmal rückübersetzt. Sätze wie „I am proud owner of QO-100 groundstation since many years and working all over the world via satellite dish“ stehen neben technischen Angaben, die selbst wohlwollende Leser ins Grübeln bringen. Diethelm hält sein Profil trotzdem für beeindruckend. Korrekturvorschläge lehnt er ab. „Die verstehen schon, was ich meine.

Die Quantencomputer sind Diethelms neuestes Thema. Er hat darüber einen Artikel gelesen — oder eine Überschrift, so genau weiß das niemand — und ist seither überzeugt, dass klassische Computer in spätestens drei Jahren obsolet sind. Widerspricht man ihm, wird er laut. „Du verstehst das nicht, das ist Quantenphysik!„, sagt er dann, als hätte er selbst mehr als den Wikipedia-Eintrag gelesen. Diethelms Verständnis von Quantenmechanik beschränkt sich auf die Tatsache, dass das Wort „Quanten“ gut klingt und normale Leute nicht widersprechen, weil sie selbst nichts darüber wissen. Strategisch brillant. Inhaltlich verheerend.

Aber das Schlimmste an Diethelm ist nicht sein Halbwissen, nicht sein Flexen, nicht sein Dauernörgeln. Das Schlimmste ist, was passiert, wenn Kinder ans Mikrofon kommen.

Beim letzten JOTA-Wochenende saß ein zwölfjähriger Pfadfinder am Mikrofon einer Klubstation. Aufgeregt, nervös, zum ersten Mal auf Kurzwelle. Das Kind sagte sein Rufzeichen, gab einen unsicheren CQ-Ruf ab, und wartete mit großen Augen auf eine Antwort. Diethelm kam zurück. Nicht mit Ermutigung, nicht mit Geduld, nicht mit dem Bewusstsein, dass da gerade vielleicht ein zukünftiger Funkamateur seine ersten Schritte macht. Sondern mit: „Du musst lauter sprechen, ich verstehe kein Wort. Und dein Rufzeichen hast du auch falsch buchstabiert. Wer hat dir das beigebracht?“ Der Junge hat das Mikrofon hingelegt. Und nicht wieder aufgenommen.

Diethelm hat das nicht mal bemerkt. Für ihn war das ein technischer Hinweis. Service am Nachwuchs. In seiner Welt hat er dem Kind gerade geholfen.

Fragt man Diethelm, warum so wenig Nachwuchs in den Amateurfunk kommt, hat er eine klare Antwort: „Die Jugend hat kein Interesse mehr an Technik.“ Dass die Jugend vielleicht Interesse hätte, wenn der erste Kontakt nicht ein herablassender Monolog von einem Mann wäre, der seinen eigenen Wert ausschließlich über die Abwertung anderer definiert — auf diese Idee kommt Diethelm nicht. Nicht heute. Nicht morgen. Nicht in diesem Leben.

Diethelm ist auch überzeugt, dass es ohne den Amateurfunk kein Internet gäbe. „Wir haben die Grundlagen gelegt„, sagt er bei jeder Gelegenheit. Dass Packet Radio in den Achtzigern tatsächlich Pionierarbeit war, stimmt — aber Diethelm war damals nicht dabei. Er hat davon gelesen. In einer Zeitschrift. Die es nicht mehr gibt. Wie die meisten seiner Referenzen.

Abends, wenn Diethelm die Bänder abscannt und niemand mehr antwortet — weil alle, die seine Stimme erkennen, das VFO weiterdrehen —, lehnt er sich zurück und sagt zu Gertrude, seiner Frau: „Es ist nichts mehr los auf den Bändern. Früher war das anders.“ Gertrude nickt. Sie hat vor Jahren aufgehört, ihm zu widersprechen. Nicht weil er Recht hat, sondern weil es einfacher ist.

Was Diethelm nicht versteht: Es ist schon noch was los auf den Bändern. Nur eben fünfundzwanzig Kilohertz weiter. Wo die anderen sind. Ohne ihn.


Hansls Fazit: Diethelm Besserwisser ist das beste Argument gegen den Amateurfunk — und das traurigste. Er hat das teuerste Equipment, die lauteste Meinung und das größte Sendungsbewusstsein. Was er nicht hat: einen einzigen Menschen, der sich freut, wenn er auf der QRG auftaucht. Das Hobby stirbt nicht an Technik. Es stirbt an Diethelms.

Alle Personen und Rufzeichen in diesem Beitrag sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Funkamateuren sind beabsichtigt, aber juristisch nicht verwertbar. Der Autor übernimmt keine Haftung für spontane Selbsterkenntnis.


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die redaktionelle Verantwortung und inhaltliche Prüfung liegt bei der oeradio.at-Redaktion. Feedback — auch von Diethelm — gerne an [email protected].

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