Für rund 25 Euro ein Handfunkgerät kaufen und es dann mit Open-Source-Firmware in ein Gerät verwandeln, das Features bietet, die sonst nur Geräte der 200-Euro-Klasse mitbringen? Genau das passiert gerade mit dem Quansheng UV-K5 — und die Amateurfunk-Community ist begeistert.
Was ist der Quansheng UV-K5?
Der UV-K5 ist ein günstiges chinesisches Dualband-Handfunkgerät für das 2-m- und 70-cm-Band (VHF/UHF). Von der Hardware her bietet er einen soliden Empfänger mit dem BK4819-Chip, ein brauchbares Display und USB-C zum Programmieren. Soweit nichts Ungewöhnliches — es gibt Dutzende ähnlicher Geräte auf dem Markt.
Was den UV-K5 besonders macht: Sein Firmware-Flash-Speicher lässt sich über USB beschreiben. Und eine aktive Community hat genau das ausgenutzt.
Egzumer-Firmware: Das Upgrade, das alles verändert
Die bekannteste Custom-Firmware stammt vom Entwickler Egzumer und basiert auf dem ursprünglichen Reverse-Engineering-Projekt von Dual Tachyon. Sie erweitert den UV-K5 um Funktionen, die die Original-Firmware nicht einmal ansatzweise bietet:
- Spectrum Analyzer: Ein Echtzeit-Spektrumanalyzer direkt auf dem Gerät. Damit kann man das Funkspektrum visuell darstellen und aktive Frequenzen sofort erkennen.
- Erweiterter Frequenzbereich: Empfang von 18 MHz bis 1300 MHz (nur Empfang außerhalb der Amateurfunk-Bänder). Damit wird der UV-K5 zum Breitbandempfänger für Flugfunk, PMR, Seefunk und mehr.
- AM-Empfang: Flugfunk auf dem Airband (118-136 MHz) in AM — mit der Original-Firmware nicht möglich.
- SSB-Empfang: Einige Firmware-Varianten ermöglichen rudimentären SSB-Empfang auf Kurzwelle. Keine HF-Qualität, aber erstaunlich für ein 25-Euro-Gerät.
- Messenger-Funktion: Textnachrichten über Funk senden und empfangen — eine Art Peer-to-Peer-Messaging ohne Internet.
- Besseres Squelch: Feinere Squelch-Einstellungen als bei der Originalfirmware.
- NOAA-Wetterkanäle: Direkter Zugriff auf NOAA-Frequenzen (in Nordamerika relevant).
Firmware flashen: So geht es
Das Flashen der Custom-Firmware ist überraschend einfach:
- Firmware herunterladen: Die aktuelle Egzumer-Firmware gibt es auf GitHub. Es gibt verschiedene Varianten — mit und ohne Spectrum Analyzer, mit oder ohne Messenger.
- USB-Kabel anschließen: Der UV-K5 wird per USB-C (oder bei älteren Versionen per Kenwood-Stecker mit USB-Adapter) mit dem Computer verbunden.
- Flash-Tool starten: Es gibt webbasierte Flash-Tools, die direkt im Browser laufen — kein Treiber nötig, kein Installationsaufwand.
- Firmware übertragen: Ein Klick, 30 Sekunden warten, fertig.
Wichtig: Die Original-Firmware lässt sich jederzeit wieder aufspielen. Das Risiko, das Gerät zu „bricken“, ist minimal — der Bootloader bleibt bei jedem Flash erhalten.
Hardware-Varianten
Mittlerweile gibt es mehrere Versionen des UV-K5:
- UV-K5: Das Original mit Kenwood-kompatiblem Antennenanschluss (SMA female).
- UV-K5(8): Mit mehr Speicherkanälen (ab Werk).
- UV-K6: Leicht modifizierte Version, gleicher Chipsatz.
- UV-5R Plus: Ähnliche Plattform, ebenfalls Firmware-kompatibel.
Alle Varianten basieren auf dem BK4819-Transceiver-Chip und sind mit der Custom-Firmware kompatibel. Die Community empfiehlt generell den UV-K5(8) als beste Basis.
Der Spectrum Analyzer im Detail
Das Killer-Feature für viele Funkamateure ist der Spectrum Analyzer. Er zeigt auf dem kleinen Display eine Echtzeit-Darstellung des Funkspektrums — ähnlich wie bei einem SDR, nur direkt auf dem Handfunkgerät. Man sieht sofort, wo Aktivität herrscht, kann Störquellen identifizieren und die Bandaktivität beobachten, ohne einen Computer mitzuschleppen.
Natürlich ersetzt dieser Analyzer keinen professionellen Messempfänger. Die Dynamik ist begrenzt, die Auflösung gering. Aber für einen schnellen Überblick im Feld ist er Gold wert — besonders für SOTA- und POTA-Aktivierer, die wissen wollen, was auf dem Band los ist.
Rechtliche Hinweise
Ein wichtiger Punkt: Das Senden ist ausschließlich auf den zugelassenen Amateurfunk-Bändern mit gültiger Amateurfunklizenz erlaubt. Der erweiterte Empfangsbereich der Custom-Firmware ist in den meisten Ländern legal, solange nur empfangen wird. Das Senden außerhalb der Amateurfunk-Bänder ist selbstverständlich verboten.
In Österreich gelten die Bestimmungen des Telekommunikationsgesetzes. Das Abhören bestimmter Frequenzen (etwa Polizei-BOS) kann je nach Rechtsordnung eingeschränkt sein. Hier gilt: Informiert euch über die lokale Rechtslage.
Stärken und Schwächen
Stärken:
- Unschlagbarer Preis (20-30 Euro)
- Aktive Community und regelmäßige Firmware-Updates
- Spectrum Analyzer als Alleinstellungsmerkmal
- Breitbandempfang nach Firmware-Mod
- USB-C und einfaches Flashen
Schwächen:
- Sendeleistung nur 4-5 Watt (typisch für die Preisklasse)
- Audio-Qualität beim Senden mittelmäßig
- Empfänger-Großsignalfestigkeit begrenzt
- Verarbeitungsqualität dem Preis entsprechend
- Keine offiziellen Zulassungen für alle Märkte
Für wen eignet sich der UV-K5?
Der UV-K5 ist kein Ersatz für ein hochwertiges Handfunkgerät wie ein Yaesu FT-70D oder Icom ID-52. Wer ein zuverlässiges Alltagsgerät mit gutem Empfänger und starkem Sender sucht, sollte weiterhin auf etablierte Marken setzen.
Aber als Zweitgerät, Experimentierplattform oder Einstiegsgerät ist der UV-K5 kaum zu schlagen. Wer gerne bastelt, Firmware modifiziert und mit Funktechnik experimentiert, bekommt für 25 Euro ein erstaunlich vielseitiges Werkzeug. Und wenn das Gerät auf dem nächsten SOTA-Gipfel ins Geröll fällt — bei dem Preis ist es kein Drama.
Die Community als Treiber
Was den UV-K5 wirklich besonders macht, ist nicht die Hardware — es ist die Community. Hunderte Entwickler und Bastler arbeiten an Firmware-Varianten, Hardware-Mods und Dokumentation. Auf Reddit, GitHub und in Telegram-Gruppen wird intensiv getauscht und entwickelt. Es gibt 3D-Druck-Modelle für Gehäuse, Anleitungen für Hardware-Mods und sogar Firmware-Varianten mit speziellen Features für bestimmte Einsatzszenarien.
Dieser Community-Ansatz erinnert an die Anfänge des Amateurfunks, als Funkamateure ihre Geräte selbst bauten und modifizierten. Der UV-K5 ist gewissermaßen das Arduino des Handfunks — günstig, offen und endlos erweiterbar.
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