Der Einstieg in den Amateurfunk beginnt in Österreich mit einer wichtigen Entscheidung: Welche Lizenzklasse soll es sein? Das österreichische System kennt drei Bewilligungsklassen — Klasse 1, Klasse 3 und Klasse 4. Jede bietet unterschiedliche Möglichkeiten in Bezug auf Frequenzen, Sendeleistung und internationale Anerkennung. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede und hilft dir bei der Wahl.
Das österreichische Lizenzsystem im Überblick
In Österreich regelt die Amateurfunkverordnung (AFV) gemeinsam mit der Frequenznutzungsverordnung (FNV) Anlage 4 den Zugang zum Amateurfunkdienst. Die Fernmeldebehörde vergibt nach bestandener Prüfung die Amateurfunkbewilligung. Die drei Prüfungskategorien unterscheiden sich im Umfang und decken jeweils drei Fachgebiete ab:
- Rechtliche Bestimmungen (in allen Klassen voll)
- Technische Grundlagen (voll in Klasse 1, vereinfacht in Klasse 3 und 4)
- Betriebstechnik und Fertigkeiten (voll in Klasse 1 und 4, vereinfacht in Klasse 3)
Die Prüfungsgebühr beträgt 71 Euro pro Prüfungskategorie, die Ausstellung des Zeugnisses 21 Euro. Prüfungen finden mehrmals jährlich statt — seit 1. Jänner 2020 kann man sich unabhängig vom Wohnort bei jeder Prüfungsstelle anmelden.
Klasse 3 — Die nationale Einstiegsklasse
Die Klasse 3 ist die einfachste und niederschwelligste Lizenzklasse. Sie bietet einen schnellen Einstieg in den Amateurfunk, beschränkt sich aber auf den lokalen UKW-Betrieb.
Frequenzen und Leistung
- 2 m (144–146 MHz)
- 70 cm (430–440 MHz)
- Maximale Sendeleistung: 100 Watt PEP (Leistungsstufe A)
- Kein Zugang zu Kurzwelle, 6 m oder Mikrowellenbändern
- Höhere Leistungsstufen sind nicht verfügbar
Prüfung (Prüfungskategorie 3)
- Rechtliche Bestimmungen — voll
- Technische Grundlagen — vereinfacht
- Betriebstechnik — vereinfacht
Dies ist die einfachste aller drei Prüfungen und ideal für alle, die schnell QRV werden wollen.
Wichtige Einschränkungen
- Nur in Österreich gültig — keine internationale Anerkennung (kein CEPT, kein CEPT Novice)
- Selbstbau und Modifikation von Sendern ist nicht erlaubt — nur handelsübliche, unmodifizierte Geräte
- An einer Klubstation unter Aufsicht eines Klasse-1-Inhabers darf man auf weiteren Frequenzen üben
Aufstiegsmöglichkeit
Von Klasse 3 auf Klasse 4: Ergänzungsprüfung im Fach Betriebstechnik (voller Umfang). Von Klasse 3 direkt auf Klasse 1: Ergänzungsprüfung in Betriebstechnik und Technische Grundlagen (jeweils voller Umfang).
Klasse 4 — CEPT-Novice-Lizenz
Die Klasse 4 entspricht der europäischen CEPT-Novice-Lizenz (ECC/REC 05-06). Sie bietet deutlich mehr Möglichkeiten als Klasse 3 — insbesondere den Zugang zu sechs Bändern inklusive Kurzwelle.
Frequenzen und Leistung
- 160 m (1.810–1.950 kHz)
- 80 m (3.500–3.800 kHz)
- 15 m (21.000–21.450 kHz)
- 10 m (28.000–29.700 kHz)
- 2 m (144–146 MHz)
- 70 cm (430–440 MHz)
- Maximale Sendeleistung: 100 Watt PEP (Leistungsstufe A)
- Höhere Leistungsstufen sind nicht verfügbar
Wichtig: Kein Zugang zu 40 m, 20 m, 17 m, 12 m, 30 m, 6 m oder 23 cm. Damit fehlen einige der beliebtesten DX-Bänder.
Prüfung (Prüfungskategorie 4)
- Rechtliche Bestimmungen — voll
- Technische Grundlagen — vereinfacht
- Betriebstechnik — voll
Der Unterschied zur Klasse 3: Die Betriebstechnik wird im vollen Umfang geprüft (inklusive internationaler Betriebsabwicklung, Q-Gruppen, Buchstabiertafel). Dafür bekommt man auch die internationale Anerkennung.
Internationale Anerkennung
Die Klasse 4 wird in allen CEPT-Ländern anerkannt, die die Novice-Empfehlung umgesetzt haben. Du darfst in diesen Ländern unter den dort geltenden Novice-Bedingungen funken — ohne Gastlizenz.
Einschränkungen
- Selbstbau und Modifikation von Sendern ist nicht erlaubt
- Keine höheren Leistungsstufen möglich
Aufstiegsmöglichkeit
Von Klasse 4 auf Klasse 1: Ergänzungsprüfung im Fach Technische Grundlagen (voller Umfang). Das ist der übliche und empfohlene Aufstiegsweg.
Klasse 1 — CEPT-Vollklasse (HAREC)
Die Klasse 1 ist die höchste österreichische Lizenzklasse und entspricht dem internationalen HAREC-Standard (Harmonised Amateur Radio Examination Certificate) gemäß CEPT-Empfehlung T/R 61-02. Sie bietet uneingeschränkten Zugang zu allen Amateurfunkbändern.
Frequenzen
Klasse 1 erlaubt den Betrieb auf allen in Österreich zugelassenen Amateurfunkbändern:
- Kurzwelle: 160 m, 80 m, 60 m, 40 m, 30 m, 20 m, 17 m, 15 m, 12 m, 10 m
- VHF: 6 m (50–54 MHz), 2 m (144–146 MHz)
- UHF: 70 cm (430–440 MHz), 23 cm (1.240–1.300 MHz)
- Mikrowelle: 13 cm, 9 cm, 6 cm, 3 cm und höher
Leistungsstufen
Ein wesentlicher Vorteil der Klasse 1 ist der Zugang zu höheren Sendeleistungen über das Leistungsstufen-System:
| Leistungsstufe | Max. Leistung (PEP) | Voraussetzung |
|---|---|---|
| A | 100 W | Standardleistung nach Prüfung |
| B | 200 W | Antrag bei der Fernmeldebehörde |
| C | 400 W | 1 Jahr störungsfreier Betrieb auf Stufe B am Standort |
| D (High Power) | 1.000 W | 1 Jahr störungsfreier Betrieb auf Stufe B; seit März 2023 auf ausgewählten KW-Bändern; 6,54 €/Monat |
High Power (Leistungsstufe D) ist seit der FNV-Novelle vom 13. März 2023 auf den Bändern 80 m, 40 m, 20 m, 17 m, 15 m, 12 m und 10 m verfügbar. Klasse 3 und 4 haben nur Zugang zu Leistungsstufe A.
Prüfung (Prüfungskategorie 1)
- Rechtliche Bestimmungen — voll
- Technische Grundlagen — voll
- Betriebstechnik und Fertigkeiten — voll
Die Klasse-1-Prüfung ist die umfangreichste und umfasst vertiefte Elektrotechnik, Hochfrequenztechnik, Schaltungstechnik, Antennentechnik, Wellenausbreitung, Messtechnik und EMV.
Besondere Rechte
- Selbstbau und Modifikation von Sendern erlaubt
- CEPT-Lizenz: In über 40 Ländern weltweit ohne Gastlizenz funken
- Zugang zu allen Leistungsstufen (A bis D)
- Betrieb aller Betriebsarten auf allen Bändern
Vergleichstabelle
| Klasse 3 | Klasse 4 | Klasse 1 | |
|---|---|---|---|
| Bänder | 2 m, 70 cm | 160 m, 80 m, 15 m, 10 m, 2 m, 70 cm | Alle Bänder |
| Max. Leistung | 100 W (Stufe A) | 100 W (Stufe A) | 100–1.000 W (Stufe A–D) |
| Selbstbau | Nein | Nein | Ja |
| International | Nein (nur Österreich) | CEPT Novice | CEPT HAREC (weltweit) |
| Technik-Prüfung | Vereinfacht | Vereinfacht | Voll |
| Betriebstechnik | Vereinfacht | Voll | Voll |
| Prüfungsgebühr | 71 € | 71 € | 71 € |
Änderungen durch die FNV-Novelle 2023
Am 13. März 2023 trat eine wichtige Novelle der Frequenznutzungsverordnung in Kraft (BGBl. II Nr. 63/2023), die das Amateurfunk-Spektrum in Österreich deutlich aufgewertet hat:
- High Power (1 kW): Klasse-1-Inhaber können auf ausgewählten KW-Bändern bis zu 1.000 W PEP beantragen
- 40-m-Band: 7.100–7.200 kHz — Leistungsbeschränkung aufgehoben, Amateurfunk hat jetzt Primärstatus
- 160-m-Band: 1.810–1.850 kHz jetzt Primärstatus (max. 200 W); Erweiterung auf 1.850–2.000 kHz
- 6-m-Band: Erweitert auf 50–54 MHz (befristet bis 31.12.2030)
- 70-cm-Band: High Power für EME und Meteorscatter mit Richtantennen möglich
- 23-cm-Band: Stark eingeschränkt auf nur 10 W (war bis 200 W)
- UHF/Mikrowelle: Max. 200 W jetzt erlaubt (war 100 W), außer 10 GHz
Welche Klasse passt zu mir?
Klasse 3 ist ideal, wenn du …
- … schnell und unkompliziert auf Sendung gehen möchtest
- … hauptsächlich an lokalem Funkbetrieb interessiert bist (FM-Relais, DMR, D-Star, C4FM)
- … den Amateurfunk erst ausprobieren willst, bevor du tiefer einsteigst
- … Jugendlicher bist und einen sanften Einstieg suchst
Klasse 4 ist ideal, wenn du …
- … auch auf Kurzwelle funken möchtest (DX auf 80 m, 15 m, 10 m)
- … im europäischen Ausland funken willst (CEPT Novice)
- … einen guten Kompromiss zwischen Aufwand und Möglichkeiten suchst
- … später auf Klasse 1 aufsteigen willst — dann fehlt nur noch die volle Technik-Prüfung
Klasse 1 ist ideal, wenn du …
- … alle Frequenzen nutzen willst (40 m, 20 m, 17 m, 12 m — die besten DX-Bänder!)
- … weltweit funken und an Contesten teilnehmen möchtest
- … höhere Sendeleistung brauchst (bis 1 kW mit High Power)
- … Sender selbst bauen oder modifizieren willst
- … dich intensiv mit Funktechnik beschäftigen möchtest
- … direkt die höchste Klasse anstrebst
Aufstieg zwischen den Klassen
Das österreichische System ist durchlässig — du kannst jederzeit eine Ergänzungsprüfung ablegen:
- Klasse 3 → Klasse 4: Ergänzungsprüfung Betriebstechnik (voll)
- Klasse 4 → Klasse 1: Ergänzungsprüfung Technische Grundlagen (voll)
- Klasse 3 → Klasse 1: Ergänzungsprüfung Betriebstechnik + Technische Grundlagen (beide voll)
Bereits bestandene Prüfungsteile werden angerechnet.
Empfehlung
Wenn du die Zeit und Motivation hast, steige direkt mit Klasse 1 ein. Die CEPT-Vollklasse bietet die größten Möglichkeiten, wird weltweit anerkannt und gibt dir Zugang zu den wichtigsten DX-Bändern (20 m und 40 m), die mit Klasse 3 und 4 nicht verfügbar sind.
Wenn dir die Klasse-1-Prüfung zu umfangreich erscheint, ist Klasse 4 ein hervorragender Kompromiss: Du bekommst sechs Bänder inklusive Kurzwelle und internationale Anerkennung. Der spätere Aufstieg zu Klasse 1 erfordert dann nur noch die volle Technik-Prüfung.
Klasse 3 eignet sich für alle, die möglichst schnell QRV werden wollen und sich vorerst auf den lokalen UKW-Betrieb konzentrieren möchten.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich Morsekenntnisse? Nein, seit 2003 sind Morsekenntnisse für keine Lizenzklasse mehr verpflichtend. CW ist aber eine beliebte Betriebsart, die viele freiwillig erlernen.
Gibt es eine Altersbeschränkung? Nein, in Österreich gibt es kein Mindestalter für die Amateurfunkprüfung.
Kann ich mit Klasse 3 am Relaisbetrieb teilnehmen? Ja, alle UKW-Relais in Österreich arbeiten auf 2 m oder 70 cm und sind mit Klasse 3 nutzbar.
Wie lange dauert die Vorbereitung? Für Klasse 3 oft wenige Wochen, für Klasse 4 einige Wochen mehr (wegen voller Betriebstechnik), für Klasse 1 mehrere Monate. ÖVSV-Kurse helfen bei der Vorbereitung.
Was kostet die Lizenz insgesamt? Prüfung: 71 € + Zeugnis: 21 € + jährliche Frequenznutzungsgebühr. ÖVSV-Mitgliedschaft (optional, aber empfohlen): ca. 65 €/Jahr.
Weiterführende Links
- ÖVSV — Österreichischer Versuchssenderverband
- Fernmeldebüro — Amateurfunkprüfungen
- Fernmeldebüro — High Power Information
- RIS — Amateurfunkverordnung (aktuelle Fassung)
- ÖVSV — FNV-Bandplan (PDF)
- Amateurfunkprüfung in Österreich 2026 — Der komplette Leitfaden
- Amateurfunk als Hobby — Was erwartet mich?
73 — eure oeradio.at-Redaktion
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Informationen zu den Lizenzklassen basieren auf der aktuellen Amateurfunkverordnung (AFV) und der Frequenznutzungsverordnung (FNV) Anlage 4, Stand März 2023. Alle Inhalte wurden von der oeradio.at-Redaktion geprüft.

