Kaum eine Antenne hat in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit bekommen wie die EFHW — die End-Fed Half-Wave Antenne. Ob bei SOTA-Aktivierungen auf Österreichs Gipfeln, bei POTA im Nationalpark oder als unauffällige Gartenantenne: Die EFHW hat sich als eine der populärsten Antennen im Kurzwellen-Amateurfunk etabliert. Doch warum eigentlich? Und was steckt technisch wirklich dahinter?
Die Antwort liegt in der Kombination aus Einfachheit und Effektivität. Eine EFHW besteht im Wesentlichen aus einem Stück Draht und einem kleinen Impedanztransformator — und trotzdem ist sie eine vollwertige Resonanzantenne, die auf mehreren Bändern funktioniert. In diesem Artikel schauen wir uns an, wie die EFHW funktioniert, worauf es beim Bau und Aufbau ankommt und welche Missverständnisse im Umlauf sind.
Was ist eine EFHW?
EFHW steht für End-Fed Half-Wave — eine Antenne, die an einem Ende gespeist wird und deren Länge einer halben Wellenlänge der Grundfrequenz entspricht. Für das 40-Meter-Band (7 MHz) ist der Draht rund 20 Meter lang, für 80 m entsprechend rund 40 Meter.
Im Gegensatz zum klassischen Halbwellendipol, der in der Mitte gespeist wird (dort liegt die Impedanz bei ca. 72 Ω), wird die EFHW an einem Ende gespeist. An den Enden einer Halbwellenantenne befindet sich ein Spannungsmaximum und ein Stromminimum — die Impedanz ist dort sehr hoch. Je nach Aufbauhöhe, Umgebung und Bodenbeschaffenheit liegt sie typischerweise zwischen 1.800 und 5.000 Ω, wobei Simulationen im freien Raum Werte um 2.450 Ω ergeben.
Diese hohe Impedanz muss auf die 50 Ω des Koaxialkabels transformiert werden — und genau das ist die Aufgabe des Impedanztransformators.
Der 49:1-Impedanztransformator (UnUn)
Das Herzstück jeder EFHW ist der UnUn (Unbalanced-to-Unbalanced Transformer). Im Gegensatz zu einem Balun (Balanced-to-Unbalanced) verbindet der UnUn zwei unsymmetrische Systeme: das Koaxialkabel auf der einen und den einzelnen Draht auf der anderen Seite.
Das gängigste Übersetzungsverhältnis ist 49:1. Die Zahl ergibt sich aus dem Quadrat des Windungsverhältnisses: Bei 2 Primärwindungen und 14 Sekundärwindungen ist das Windungsverhältnis 1:7, und 7² = 49. So werden theoretisch 2.450 Ω auf 50 Ω transformiert — ein idealer Wert für viele Praxissituationen.
Aufbau des Transformators
Der Transformator wird auf einen Ringkern aus Ferrit gewickelt. Gängige Kerne sind:
- FT240-43 (Mix 43): Der Standardkern für QRO-Betrieb bis 100 W und darüber. Gute Breitbandigkeit über den gesamten KW-Bereich (3–30 MHz).
- FT140-43: Kompaktere Variante, geeignet für QRP bis ca. 20–30 W. Beliebt für QRP-Portabelbetrieb.
- FT240-52 (Mix 52): Läuft oft kühler auf den oberen Bändern, etwas weniger Induktivität pro Windung.
Über die Primärwicklung (50-Ω-Seite) wird ein kleiner Kompensationskondensator von 100–150 pF (NP0/C0G, Spannungsfestigkeit ≥ 3 kV) geschaltet. Dieser kompensiert die Streuinduktivität des Transformators und verbessert das SWR auf den oberen Bändern deutlich.
Warum nicht 64:1?
Manche Hersteller bieten auch 64:1-Transformatoren (Windungsverhältnis 1:8) an. Dieser transformiert auf höhere Impedanzen (~3.200 Ω) und kann bei Installationen mit besonders hoher Speisepunktimpedanz vorteilhaft sein — etwa wenn der Draht niedrig über dem Boden hängt oder nahe an Gebäuden verläuft. In der Praxis funktioniert 49:1 jedoch für die meisten Aufbauten gut.
Selbstbau vs. Kauf
- Selbstbau: 15–25 EUR für Ferritkern, Draht, SO-239-Buchse und Gehäuse. Mit einem NanoVNA kannst du den Transformator nach dem Wickeln prüfen.
- Kommerzielle Lösungen: 45–200 EUR. Bekannte Hersteller sind QRPguys, MyAntennas, Balun Designs und HFkits.
Tipp zum Testen: Schließe einen Widerstand von ca. 2.700 Ω (z. B. 2K7) zwischen Antennenanschluss und Masse an und miss mit dem SWR-Meter — du solltest ein SWR von unter 1,5:1 sehen.
Mehrbandbetrieb: Harmonische richtig verstanden
Ein großer Vorteil der EFHW: Sie funktioniert nicht nur auf der Grundfrequenz, sondern auch auf ganzzahligen Vielfachen davon — den Harmonischen. Das liegt daran, dass an jedem Vielfachen einer halben Wellenlänge die Enden des Drahts wieder Spannungsmaxima aufweisen, also erneut eine hohe Impedanz vorliegt, die zum Transformator passt.
Eine für 40 m (7 MHz) ausgelegte EFHW von ca. 20 m Länge funktioniert daher auf:
- 40 m (7 MHz) — Grundfrequenz (λ/2): Volle Halbwelle, typisch SWR unter 1,5:1
- 20 m (14 MHz) — 2. Harmonische (1 λ): Der Draht ist eine volle Wellenlänge lang. Oft SWR unter 2:1
- 15 m (21 MHz) — 3. Harmonische (3×λ/2): Sehr gute Anpassung, oft SWR unter 1,5:1
- 10 m (28 MHz) — 4. Harmonische (2 λ): SWR variabel, meist unter 2,5:1
Auf nicht-harmonischen Bändern wie 30 m (10,1 MHz) oder 17 m (18,1 MHz) ist die Antenne nicht resonant — hier brauchst du einen Antennentuner. Auch auf 80 m funktioniert eine 40-m-EFHW nicht, da der Draht dafür zu kurz ist.
Wichtig: Ein niedriges SWR bedeutet nicht automatisch gute Abstrahlung! Gerade bei breitbandigen Transformatoren mit Kompensationskondensator kann ein scheinbar gutes SWR auch dadurch entstehen, dass Energie im Ferritkern verheizt wird. Prüfe im Zweifel mit dem NanoVNA, ob die Antenne tatsächlich resonant ist.
Gegengewicht und Mantelwellensperre
Die EFHW wird oft als „Antenne ohne Gegengewicht“ beworben — das ist eine vereinfachte Darstellung. Physikalisch braucht jede Antenne einen Rückleiter. Bei der EFHW übernimmt das Koaxialkabel (genauer: dessen Außenmantel) diese Rolle — ob du willst oder nicht.
Gegengewicht (Counterpoise)
Die empfohlene Länge für ein Gegengewicht beträgt 0,05 λ (ein Zwanzigstel der Wellenlänge) auf dem niedrigsten Band. Für eine 40-m-EFHW sind das ca. 2 Meter, für 80 m ca. 4 Meter. Dieses kurze Stück Draht wird am Masseanschluss des UnUn befestigt und frei verlegt — es muss nicht gerade sein.
Warum so kurz? Bei 0,05 λ ist die Impedanz am Gegengewicht sehr hoch und der Strom minimal — das System bleibt stabil und rein resistiv.
Mantelwellensperre (Common-Mode Choke)
Ohne Mantelwellensperre fließen Gleichtaktströme auf dem Kabelmantel zurück zum Transceiver. Das führt zu:
- HF im Shack (Störungen, Mikrofon brummt, Computer spinnt)
- Verfälschte SWR-Messung
- Verändertem Abstrahldiagramm
Die Lösung: Eine Gleichtaktdrossel (1:1 Strombalun oder Mantelwellensperre) direkt am UnUn oder maximal 30 cm Kabel entfernt. Alternativ kann die Sperre bei 0,05 λ Kabellänge vom Speisepunkt platziert werden — dort befindet sich ein Strommaximum auf dem Mantel, wo die Drossel am wirksamsten ist.
Drahtmaterial und Aufbau
Geeignete Drähte
- Isolierte Kupferlitze 0,75–1,0 mm²: Ideal für Portabelbetrieb. 20 Meter wiegen nur ca. 150 Gramm.
- Kupferlitze 1,5–2,5 mm²: Für permanente Installationen. Robuster, schwerer.
- Verzinnter oder versilberter Antennendraht: Korrosionsbeständig, etwas teurer.
Aufbauvarianten
- Inverted-L: UnUn bodennah, Draht steigt zunächst vertikal auf (1–3 m), dann horizontal zum Ankerpunkt. Die häufigste Konfiguration — guter Kompromiss aus Flachwinkelstrahlung (DX) und Steilstrahlung (Nahverkehr).
- Sloper: UnUn am oberen Punkt (Baum, Mast), Draht läuft schräg nach unten. Beliebt bei SOTA, da der Draht nur einen Aufhängepunkt braucht.
- Horizontal: Draht waagerecht zwischen zwei Punkten. Wie ein Dipol, aber einseitig gespeist. Mindestens λ/4 Höhe über Grund (10 m für 40-m-Band) für gute DX-Abstrahlung.
- V-Form oder Zickzack: Platzsparend, leichte Einbußen beim Wirkungsgrad, aber praxistauglich.
Hohe Spannungen am Speisepunkt
Ein Punkt, den viele unterschätzen: Am Ende einer Halbwellenantenne treten sehr hohe Spannungen auf. Bei 100 Watt Sendeleistung und einer angenommenen Impedanz von 2.500 Ω errechnet sich die Spannung nach U = √(P × Z) = √(100 × 2500) = ca. 500 Volt. Selbst bei 5 Watt QRP sind es noch über 100 Volt.
Das hat praktische Konsequenzen:
- Kompensationskondensatoren müssen ausreichend spannungsfest sein (≥ 3 kV für 100 W)
- Isolierung an allen Verbindungsstellen muss einwandfrei sein
- Der Draht selbst sollte nicht berührbar sein während des Sendens
- Achtung bei feuchtem Wetter: Herabgesetzte Durchschlagfestigkeit
Portabelbetrieb: Packliste und Tipps
Die EFHW ist die Königin der Portabelantennen — nicht umsonst ist sie die mit Abstand beliebteste Antenne bei SOTA– und POTA-Aktivierungen. Hier die typische Packliste:
- UnUn 49:1 im Gehäuse (~50–80 g)
- 20 m Antennendraht auf Wickelspule (~150 g)
- 2 m Gegengewichtsdraht (~20 g)
- Wurfbeutel mit 15 m Schnur (~100 g)
- 3–5 m Koaxialkabel RG-174 oder RG-316 (~100 g)
- Erdungskabel/Heringe optional
Gesamtgewicht: unter 500 Gramm! Vergleiche das mit einer Vertikalantenne mit Radials oder einer Magnetic Loop mit Drehkondensator.
Aufbautipps
- Höhe ist König: Lieber den Draht hoch hängen als perfekt horizontal spannen. Schon 5 m Aufhängehöhe bringen deutlich mehr als 2 m.
- Abstand halten: Mindestens 2–3 m zu Metallzäunen, Masten und Gebäuden.
- Nicht überspannen: Bei Wind den Draht lieber locker lassen — ein Drahtbruch im Feld ist ärgerlich.
- Sicherheit: Niemals in der Nähe von Hochspannungsleitungen aufbauen!
Leistung und realistische Erwartungen
Mit einer 40-m-EFHW im Inverted-L-Aufbau und 5–10 Watt QRP in SSB oder CW sind auf 20 m und 40 m regelmäßig europaweite Verbindungen möglich. Auf dem 10-Meter-Band geht bei guten Ausbreitungsbedingungen auch interkontinentales DX mit wenig Leistung.
Aber bleib realistisch: Die EFHW ist eine Kompromissantenne — wie jede Drahtantenne. Sie ist kein Ersatz für einen gut aufgebauten Drehbalken auf 15 m Höhe. Ihre Stärke liegt im Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis: Mit minimalem Material und in wenigen Minuten aufgebaut, liefert sie eine vollwertige Resonanzantenne, die erstaunlich gut funktioniert.
Häufige Fehler und Missverständnisse
- „Die EFHW braucht kein Gegengewicht“ — Technisch inkorrekt. Sie braucht weniger Gegengewicht als eine Viertelwellen-Vertikale, aber ganz ohne fließen Gleichtaktströme auf dem Koaxkabel.
- „SWR 1:1 auf allen Bändern“ — Wenn das SWR auf allen Bändern von 80 bis 10 m unter 1,5:1 liegt, wird wahrscheinlich Energie im Transformator verheizt statt abgestrahlt. Ein gewisses SWR auf den Oberwellen ist normal und kein Problem.
- „Die 80-10 m EFHW ist die universelle Lösung“ — 40 m Draht im Garten ist anspruchsvoll, und der Kompromiss auf 8 Bändern gleichzeitig ist erheblich. Besser: Den Draht für 40 m oder 80 m schneiden und auf den harmonischen Bändern arbeiten.
- „Ein 9:1-UnUn geht auch“ — Nein. Ein 9:1-UnUn ist für Langdrahtantennen (Random Wire) konzipiert, nicht für EFHWs. Die Impedanz einer EFHW liegt weit über dem, was ein 9:1-Transformator sinnvoll transformieren kann.
Häufige Probleme und Lösungen
Solltest du Probleme mit deiner EFHW haben, hier die gängigsten Ursachen und Abhilfen:
- Hohes SWR auf der Grundfrequenz: Drahtlänge prüfen. Schon ±50 cm machen einen Unterschied. Schrittweise kürzen (nie zu viel auf einmal!).
- HF im Shack: Mantelwellensperre fehlt oder ist unwirksam. Gegengewichtsdraht ergänzen.
- UnUn wird heiß: Größeren Ferritkern verwenden, Leistung reduzieren, oder Dauerbetrieb (RTTY, FT8) begrenzen. Bei FT8-Betrieb beachten: 100 % Duty Cycle belastet den Kern deutlich stärker als SSB.
- Schlechter Empfang trotz gutem SWR: Antenne zu niedrig, in der Nähe von Störquellen, oder der Transformator ist verlustbehaftet.
- Draht bricht: Dickeren Draht oder flexible Litze verwenden. Zugentlastung am UnUn nicht vergessen.
Bezugsquellen und Kosten
Für den Selbstbau brauchst du im Wesentlichen einen Ferritkern, etwas Lackdraht, einen Kondensator, eine SO-239-Buchse und ein wetterfestes Gehäuse. Alles zusammen kostet 15–25 EUR.
Fertige EFHW-Systeme gibt es von zahlreichen Herstellern:
- QRPguys EFHW Tuner: ~25 USD — minimalistisches Design für QRP
- MyAntennas EFHW-4010: ~90 EUR — 40/20/15/10 m, bis 200 W
- Balun Designs 49:1: ~70–120 USD — nur Transformator, verschiedene Leistungsklassen
- HFkits EFHW Bausatz: ~35 EUR — Bausatz mit Anleitung
In Österreich sind diese Produkte über den Fachhandel oder direkt bei den Herstellern per Versand erhältlich.
Rechtliches in Österreich
Für den Betrieb einer EFHW brauchst du eine gültige Amateurfunklizenz. In Österreich wird diese vom Fernmeldebüro (fb.gv.at) erteilt — nicht von der RTR, wie manchmal fälschlicherweise behauptet wird. Die Prüfung umfasst Technik, Betriebstechnik und Vorschriften.
Eine EFHW darf auf allen für die jeweilige Lizenzklasse freigegebenen KW-Bändern betrieben werden. Besondere Genehmigungen für die Antenne selbst sind nicht erforderlich, solange die allgemeinen Auflagen (Sendeleistung, Frequenzbereiche) eingehalten werden. Zur Frage, ob du eine Antenne am Balkon oder im Garten aufstellen darfst, gibt es einen eigenen Artikel zum Thema Antennen und Mietrecht.
Fazit: Die EFHW verdient ihren Ruf
Die End-Fed Half-Wave Antenne ist aus gutem Grund die beliebteste Portabelantenne im Amateurfunk. Sie vereint geringes Gewicht, einfachen Aufbau und solide Leistung auf mehreren Bändern. Wer die physikalischen Grundlagen versteht — insbesondere die Rolle des Impedanztransformators, die Notwendigkeit einer Mantelwellensperre und die Grenzen des Mehrbandbetriebs — wird mit dieser Antenne viel Freude haben.
Ob als erste Kurzwellenantenne im Garten, als SOTA-Begleiterin auf 2.000 m Seehöhe oder als unauffällige Drahtantenne in der Mietwohnung: Mit 20 m Draht, einem kleinen Transformer und etwas Experimentierfreude bist du auf Kurzwelle QRV.
73 – eure oeradio.at-Redaktion
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