Der Osterhase funkt zurück

SATIREDies ist ein satirischer Beitrag aus der Rubrik Störsender. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Frequenzen oder Vorschriften sind rein zufällig – oder absichtlich übertrieben.

Was passiert, wenn ein unbekannter Operator mit dem Rufzeichen OE0HASE am Osterwochenende auf Kurzwelle auftaucht und kryptische Koordinaten durchgibt? Genau das, was man erwarten würde: absolutes Chaos. Euer Hansl hat recherchiert — mit Schokolade an den Fingern.

Ostersamstag, 03:12 UTC: Ein Hase auf 40 Meter — mitten in der Nacht

Es war die Nacht auf Karsamstag — ja, Karsamstag. Nicht Ostersonntag. Der Hase war einen Tag zu früh dran. Aber wer sich nicht an den Bandplan hält, hält sich offenbar auch nicht an den Kalender. Die meisten OMs lagen jedenfalls längst im Bett, als plötzlich auf 7.055 kHz eine Stimme ertönte, die so gar nicht ins übliche Schema passte:

„CQ CQ CQ de OE0HASE, Oscar Echo Null Hotel Alpha Sierra Echo. QTH: 46.6247 Nord, 14.3050 Ost. Osterei Nummer eins ist versteckt. Over.“

Stille. Dann das vertraute Knacken eines PTT-Schalters irgendwo in Oberösterreich, gefolgt von einem empörten: „Wos wor des?!“

Innerhalb von drei Minuten war der DX-Cluster explodiert. Der erste Spot kam — natürlich — von einem OM aus dem Weinviertel, der grundsätzlich alles spottet, was nicht bei drei auf dem Dachboden ist:

OE0HASE  7055.0  EASTER EGG SPOTTED!!!  0312Z
OE0HASE  7055.0  NEW ONE!!! NOT IN LOG  0313Z
OE0HASE  7055.0  QRZ??? CALLBOOK SAYS N/A  0313Z
OE0HASE  7055.0  FAKE CALL??? OR NEW DXCC???  0314Z

Innerhalb einer Viertelstunde hatten 47 Stationen versucht, OE0HASE zu arbeiten. Drei davon hatten bereits ein Online-Logbuch angelegt.

Die Bandwacht schlägt Alarm

Kaum war der erste Spot draußen, meldete sich auch schon die Fraktion der frequenzüberwachenden Ordnungshüter. Die Bandwacht — jene unermüdliche Institution, die das Spektrum sauberer hält als manche OMs ihre Shacks — hatte natürlich sofort mitgehört.

Günther, seines Zeichens selbsternannter Bandwacht-Beauftragter für den Großraum Amstetten (ein Amt, das er sich 2014 selbst verliehen hat und das seitdem niemand zu widerrufen wagte), war außer sich:

„Des is a klarer Verstoß! OE0HASE — des Rufzeichen gibt’s gar net! I hob scho beim Fernmeldebüro angrufen. Zweimal. Und a E-Mail gschrieben. Mit Anhang. PDF. 14 Seiten.“

Günther hatte auch bereits eine Peillinie erstellt, die von seinem QTH in Richtung Südosten zeigte. Dass seine Peilantenne seit 2019 auf den Nachbarsgarten zeigt, weil dort eine Plasma-Fernseher-Störung herkommt, hat ihn dabei nicht weiter irritiert.

05:00 UTC: OE0HASE gibt neue Koordinaten durch

Pünktlich um 05:00 UTC — der Hase hielt sich offenbar an einen nächtlichen Fahrplan — tauchte die mysteriöse Station erneut auf. Diesmal auf 145.500 MHz, der Anruffrequenz im 2-Meter-Band:

„CQ de OE0HASE. Osterei Nummer zwei: 47.0707 Nord, 15.4395 Ost. Frohe Ostern, 73.“

Der DX-Cluster bekam einen kollektiven Herzinfarkt:

OE0HASE  145500.0  NOW ON VHF!!! CONFIRMED!!!  0500Z
OE0HASE  145500.0  WORKS SPLIT??? QSX???  0501Z
OE0HASE  145500.0  NEED FOR SOTA??? NEW REF???  0501Z
OE0HASE  145500.0  IS THIS A NEW ACTIVATION???  0502Z

Die SOTA-Aktivierer waren mittlerweile in heller Aufregung. Die Koordinaten deuteten auf einen Gipfel in der Steiermark hin. Drei OMs aus Graz hatten bereits die Wanderschuhe angezogen, bevor jemand anmerkte, dass die Koordinaten mitten in einem Einkaufszentrum lagen.

Die fünf Phasen der Osterhasen-Verarbeitung

Was nun folgte, war ein Lehrstück in angewandter Amateurfunk-Psychologie. Die verschiedenen Archetypen der Funklandschaft reagierten erwartungsgemäß:

Der DX-Jäger (Helmut, OE6-Land, 327 DXCC-Entitäten bestätigt) war fassungslos. Ein neues Rufzeichen, das er nicht im Log hatte? Undenkbar. Er rief auf allen verfügbaren Frequenzen, obwohl OE0HASE klar ein österreichisches Rufzeichen war und damit definitiv kein neues DXCC. Aber man weiß ja nie. „Vielleicht wird der Osterhase von der IARU als eigene Entität anerkannt“, murmelte er hoffnungsvoll in seinen Bart.

Der QRP-Mann (Werner, irgendwo im Innviertel, 5 Watt und ein Draht im Apfelbaum) hatte OE0HASE natürlich als Erster gehört. QRP-Leute hören immer alles zuerst — sie erzählen es nur drei Wochen später beim Stammtisch, weil sie gerade beschäftigt waren, ihr selbstgebautes Stehwellenmessgerät zu kalibrieren. Werners Kommentar im OE-Rundspruch-Forum: „Hob eam ghört. Mit 5 Watt. Aus dem Apfelbaum. Geht si aus.“

Der Stammtisch (OV Villach-Land, Gasthaus Zum Goldenen Dipol, jeden zweiten Donnerstag) hatte bereits eine Sondersitzung einberufen. Tagesordnungspunkt 1: „OE0HASE — Bedrohung oder Bereicherung?“ Tagesordnungspunkt 2: „Kasnocken oder Kasnudeln?“ Beides wurde mit der gleichen Ernsthaftigkeit diskutiert. Das Protokoll umfasst 17 Seiten.

Der APRS-Enthusiast versuchte sofort, OE0HASE über das APRS-Netzwerk zu tracken. Das Symbol: ein Hase. Genauer gesagt hatte jemand in der APRS-Symboltabelle unter „Overlay R“ (für Rabbit) tatsächlich ein passendes Icon gefunden. Die APRS-Spur zeigte eine Route, die verdächtig nach einem hoppelnden Hasen aussah — mit Stopps an exakt sechs Koordinaten quer durch Österreich.

Das Fernmeldebüro ermittelt

Noch vor dem Frühstück hatte die Sache eine offizielle Dimension erreicht. Das Fernmeldebüro — jene Behörde, die sonst hauptsächlich damit beschäftigt ist, Störmeldungen von Amateurfunkern über LED-Netzteile vom Diskonter zu bearbeiten — hatte eine Anfrage erhalten. Nicht eine. Siebenunddreißig.

Der zuständige Sachbearbeiter, nennen wir ihn Hofrat Mag. Ing. Dipl. Dr. Frequenzhuber (Name von der Redaktion geändert, Titel vermutlich nicht), stand vor einem Dilemma: Es war Ostersamstag. Er hatte frei. Seine Frau hatte Verwandte eingeladen. Und jetzt sollte er einen Osterhasen peilen?

Die offizielle Stellungnahme, die am Dienstag nach Ostern per E-Mail verschickt wurde, las sich wie folgt:

„Die Fernmeldebehörde hat Kenntnis von den Vorfällen am 4. und 5. April erlangt. Eine Zuordnung des Rufzeichens OE0HASE konnte in der Rufzeichendatenbank nicht verifiziert werden. Weitere Ermittlungsschritte werden nach Abschluss der Osterfeiertage evaluiert.“

Übersetzt aus dem Behördendeutsch: „Wir haben das auch gehört, aber es war Ostern und die Verwandten waren da.“

Die Expedition: Ein OM aus Kärnten zieht los

Während die einen noch schliefen, die anderen schon meldeten und die dritten die Angelegenheit auf den Dienstag nach Ostern verschoben, tat einer das, was Funkamateure im besten Fall auszeichnet: Er wurde aktiv. Hiasl hatte die nächtlichen Signale live mitgehört — wer seit 40 Jahren Funkamateur ist, schläft mit einem Ohr am Empfänger.

Hiasl — nennen wir ihn einfach Hiasl, weil er tatsächlich so heißt — ist ein pensionierter Fernmeldetechniker aus Villach, der seinen Ruhestand damit verbringt, mit einem umgebauten Bundesheerfunkgerät und einem Rucksack voller Draht auf Berge zu steigen. Die erste Koordinate von OE0HASE (46.6247 N, 14.3050 O) lag am Stadtrand von Villach. Quasi um die Ecke.

„I geh holt amol schaun“, sagte Hiasl in der Morgendämmerung zu seiner noch schlafenden Frau. Die Sonne war kaum aufgegangen, aber ein Funkamateur wartet nicht auf Tageslicht.

Ausgerüstet mit GPS, Handfunkgerät und einer gesunden Portion Kärntner Sturheit machte sich Hiasl auf den Weg. Die Koordinaten führten ihn an den Rand eines kleinen Waldstücks, etwa 200 Meter von einem Wanderweg entfernt. Und dort, zwischen zwei Fichten, auf einem bemoosten Baumstumpf, fand er es.

Der Fund

Auf dem Baumstumpf lag ein goldenes Schokoladen-Osterei. Daneben: ein kleiner Dipol — sauber aufgebaut, etwa einen halben Meter lang, offenbar für 70 Zentimeter abgestimmt. Der Dipol war mit einem kurzen Stück RG-58 an ein kleines Kästchen angeschlossen, das verdächtig nach einem Raspberry Pi in einer wetterfesten Box aussah. Ein Timer. Ein kleiner Sender. Und eine QSL-Karte.

Die QSL-Karte war liebevoll gestaltet: Ein gezeichneter Osterhase mit Kopfhörern und Mikrofon, daneben ein kleiner Beam auf einem Hügel aus bunten Eiern. Auf der Rückseite stand in sauberer Handschrift:

QSO confirmed. Frequency: Easter. Mode: Chocolate. RST: 599+Schokolade.
73 de Osterhase, OE0HASE
„Wer suchet, der funkt.“

Hiasl tat, was jeder vernünftige Funkamateur getan hätte: Er aß das Schokoladei. Dann fotografierte er alles. Dann aß er noch ein Stück Schokolade, das hinter dem Baumstumpf lag (Reserveei, offenbar für den Fall, dass der Erstfinder Hunger hatte). Dann rief er auf dem Villacher Relais an und meldete den Fund.

Das Relais war für die nächsten 45 Minuten blockiert.

Die große Frage: Wer war OE0HASE?

Natürlich wollte jetzt jeder wissen, wer hinter der Aktion steckte. Die Theorien überschlugen sich:

  • Der ÖVSV als PR-Aktion? (Abgelehnt — zu kreativ.)
  • Ein gelangweilter Ingenieur mit Zugang zu einem 3D-Drucker? (Möglich, aber wer hat an Ostern Zeit für so etwas? Oh, warte.)
  • Die IARU als Nachwuchswerbung? (Wurde diskutiert, aber die Formulare dafür wären noch nicht durch die Gremien gewesen.)
  • Einfach ein OM mit Humor und zu viel Freizeit? (Die wahrscheinlichste und gleichzeitig schönste Erklärung.)

Die wetterfeste Box wurde übrigens nie geöffnet. Hiasl hat sie stehen lassen — „Weil’s so schön war“, wie er sagte. Am Ostermontag war sie verschwunden. An ihrer Stelle lag ein weiteres Schokoladei und eine zweite QSL-Karte. Diesmal mit dem Vermerk: „Tnx fer QSO. See you next Easter. 73.“

Was wir daraus lernen

Manchmal, liebe Mitfunker, passiert in unserem Hobby etwas, das uns daran erinnert, warum wir das eigentlich machen. Nicht wegen der DXCC-Zähler. Nicht wegen der Bandpläne. Nicht wegen der 14-seitigen Beschwerden ans Fernmeldebüro. Sondern weil irgendwo da draußen jemand einen kleinen Dipol an einen Baumstumpf montiert, ein Schokoladei daneben legt und mit einem Augenzwinkern „CQ de OE0HASE“ in den Äther schickt.

Günther aus Amstetten hat übrigens trotzdem seine Beschwerde eingereicht. Sie wurde vom Fernmeldebüro „zur Kenntnis genommen“. Das Schokoladei, das ihm jemand anonym in den Briefkasten gelegt hat, hat er nach eigener Aussage „unter Protest gegessen“.

Frohe Ostern, liebe Gemeinde. Und wenn ihr über die Feiertage ein seltsames Signal auf dem Band hört — vielleicht nicht gleich die Bandwacht anrufen. Vielleicht einfach mal das Rufzeichen notieren, die Koordinaten ins GPS eingeben und schauen, ob am Ende nicht ein Schokoladei auf euch wartet.

In diesem Sinne: 73, gut Funk, und mögen eure Eier immer aus Schokolade und eure Antennen immer resonant sein.

Frohe Ostern wünscht das oeradio.at-Redaktionsteam.


73 de Hansl Hohlleiter, OE0HHL


Transparenzhinweis

Dieser Artikel ist Satire und wurde als Oster-Sonderausgabe von Hansl Hohlleiter verfasst — dem KI-Satireredakteur von oeradio.at, basierend auf Claude (Anthropic). Kein Osterhase wurde bei der Erstellung dieses Artikels gestört. Frohe Ostern!

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