Mann am Konferenztisch mit Papierstapeln und Gantt-Diagramm

Der FUNKTionär — Wie Eberhard Ehrenamt das Hobby verwaltete, ohne es jemals auszuüben

Lesezeit: 6 Min.
SATIREDies ist ein satirischer Beitrag aus der Rubrik Störsender. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Frequenzen oder Vorschriften sind rein zufällig – oder absichtlich übertrieben.

Eine Störsender-Satire von Hansl Hohlleiter

Eberhard Ehrenamt, OE0EBA, ist stellvertretender Schriftführer des Ortsverbands, Beisitzer im Landesverband, Mitglied der Technischen Kommission (beratend, ohne Stimmrecht), und seit drei Jahren kommissarischer Verantwortlicher für die Relaiskoordination im Bezirk — eine Position, die er selbst geschaffen hat und deren Notwendigkeit außer ihm niemand erkennt. Eberhards Visitenkarte — ja, er hat eine — listet vier Funktionen auf. Sein Rufzeichen steht ganz unten. In kleiner Schrift.

Eberhard funkt nicht. Das muss man so klar sagen, weil er selbst es nie so klar sagen würde. Fragt man ihn, ob er aktiv ist, antwortet er: „Ich bin gerade so eingebunden in die Vereinsarbeit, da bleibt leider wenig Zeit für den operativen Betrieb.“ Operativer Betrieb. So nennt Eberhard das, was andere „funken“ nennen. Er hat eine Sprache entwickelt, die jede einfache Tätigkeit in einen Verwaltungsakt verwandelt. Ein QSO ist für ihn ein „bilateraler Funkverkehrsvorgang„. Eine Antenne ist eine „Abstrahlinfrastruktur„. Und wenn jemand am Fieldday den Grill anwirft, ist das die „Verpflegungslogistik„.

Eberhards Shack existiert technisch gesehen. Es gibt einen Raum in seinem Haus, in dem ein Transceiver steht. Ein IC-7300, originalverpackt, gekauft vor vier Jahren bei einem Sonderangebot, das er nicht ablehnen konnte. Die Schutzfolie ist noch auf dem Display. „Ich warte auf die richtige Antennensituation„, sagt Erwin. Die richtige Antennensituation wartet seit vier Jahren. Der Transceiver hat exakt null Betriebsstunden. Aber er steht in Eberhards Inventarliste des Ortsverbands. Als „Referenzgerät für Schulungszwecke„.

Was Eberhard kann, und das muss man ihm lassen, ist organisieren. Er organisiert Sitzungen. Er organisiert Tagesordnungen für Sitzungen. Er organisiert Besprechungen zur Vorbereitung von Sitzungen. Er hat einmal eine Sitzung einberufen, um zu besprechen, ob die Sitzungsfrequenz von monatlich auf alle drei Wochen erhöht werden sollte. Der Antrag wurde abgelehnt — mit einer Stimme Mehrheit. Eberhards Stimme dagegen. Er wollte wöchentlich.

Was viele nicht wissen: Eberhard ist die rechte Hand von Fridolin Seilschaft, dem wahren Strippenzieher im Landesverband. Aber das ist eine andere Geschichte — die erzählt Hansl ein andermal.

Eberhards wichtigstes Dokument ist die Geschäftsordnung. Er hat sie selbst verfasst, überarbeitet und in eine dritte Auflage gebracht. Zweiunddreißig Seiten. Der Ortsverband hat elf Mitglieder. Paragraph sieben regelt das Abstimmungsverfahren bei Uneinigkeit über die Getränkebestellung bei der Jahreshauptversammlung. Paragraph zwölf definiert die Zuständigkeiten des „Beauftragten für digitale Kommunikation“ — eine Rolle, die Eberhard ebenfalls selbst besetzt. Seine digitale Kommunikation besteht darin, dass er die Rundmails in CC statt BCC verschickt und einmal im Quartal das Passwort der Vereins-Webseite ändert, ohne es jemandem mitzuteilen.

In Sitzungen sitzt Eberhard immer am Kopf des Tisches. Nicht weil er Vorsitzender wäre — das ist Friedl, ein pensionierter Lehrer, der die Position seit fünfzehn Jahren innehat und vor allem deshalb Vorsitzender geblieben ist, weil sich niemand sonst die Arbeit antun will. Eberhard sitzt am Kopfende, weil er als Erster kommt und den Platz besetzt. Er bringt Ausdrucke mit. Immer. Tagesordnung, Protokoll der letzten Sitzung, Anwesenheitsliste. Die Anwesenheitsliste hat er eingeführt, nachdem einmal nur drei Leute gekommen sind. Seither kommen manchmal vier.

Eberhard hat auch eine Meinung zum Nachwuchs. Er ist dafür. Grundsätzlich. Theoretisch. Er hat einmal einen „Aktionsplan Jugendarbeit“ entworfen — acht Seiten, drei Phasen, ein Gantt-Diagramm. Phase eins: Bedarfserhebung. Phase zwei: Konzeptentwicklung. Phase drei: Umsetzung. Der Aktionsplan ist seit zwei Jahren in Phase eins. Die Bedarfserhebung besteht aus einem Fragebogen, den Eberhard entworfen, aber nie verteilt hat, weil „zuerst die datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen geklärt werden müssen„.

Auf Fielddays steht Eberhard neben dem Zelt und überwacht. Er funkt nicht, er loggt nicht, er baut nicht auf. Er steht da mit einer Klemmbrett-Mappe und prüft, ob alles „ordnungsgemäß“ abläuft. Letztes Jahr hat er den Aufbau einer Vertikal unterbrochen, weil der Erdspieß nicht in der von ihm genehmigten Position stand. Die genehmigte Position war drei Meter weiter links. Der Unterschied: keiner. Aber die Genehmigung — die war wichtig.

Eberhards Frau Margit hat ihn einmal gefragt, warum er eigentlich beim Amateurfunkverein ist, wenn er nie funkt. Eberhard hat sie angeschaut, als hätte sie gefragt, warum der Papst in der Kirche ist, wenn er nie die Bänke putzt. „Jemand muss den Laden am Laufen halten„, hat er gesagt. Margit hat genickt. Was sollte sie auch sagen. Der Laden läuft. Er läuft nur eben im Leerlauf.

Was Eberhard nicht sieht — und vielleicht nicht sehen will: Die anderen funken trotz ihm, nicht wegen ihm. Sie treffen sich auf der QRG, nicht in seinen Sitzungen. Sie bauen Antennen im Garten, nicht in seinen Gantt-Diagrammen. Sie aktivieren Gipfel, während Eberhard Protokolle schreibt. Der Verein lebt — aber nicht in den zweiunddreißig Seiten seiner Geschäftsordnung. Er lebt auf den Bändern. Wo Eberhard nie ist.

Eberhards Führungsstil folgt dem Prinzip des Beamtenmikado: Wer sich zuerst bewegt, verliert. Gibt es ein Problem — eine defekte Relaisstation, einen Konflikt zwischen Mitgliedern, eine Beschwerde über die Vereins-Webseite —, wartet Eberhard ab. Nicht Tage. Wochen. Monate. Irgendwann löst sich das Problem von selbst, weil jemand anderer die Initiative ergreift. Oder es löst sich gar nicht, aber dann war es offensichtlich kein echtes Problem. Eberhard nennt das Priorisierung durch natürliche Selektion.

Abends, wenn Eberhard die Sitzungsunterlagen in seinen Aktenordner heftet — er hat sieben davon, chronologisch sortiert, mit Farbcode —, denkt er manchmal: Ohne mich würde hier gar nichts funktionieren. Und in gewisser Weise hat er Recht. Ohne ihn würde es keine Geschäftsordnung geben, keine Anwesenheitsliste, keinen Aktionsplan Jugendarbeit in Phase eins. Es würde weniger Struktur geben, weniger Ordnung, weniger Papier. Und wahrscheinlich mehr Funk.


Hansls Fazit: Eberhard Ehrenamt ist nicht böse. Er ist nicht mal unsympathisch. Er ist einfach ein Mensch, der irgendwann gemerkt hat, dass ihm Organisation mehr liegt als Betrieb — und der seither das eine für das andere hält. Der Amateurfunk hat viele Erwins. Und er braucht sie sogar, in Maßen. Aber wenn die Verwaltung zum Selbstzweck wird und die Sitzung wichtiger ist als die QRG, dann hat der Verein ein Problem. Nicht weil zu wenig organisiert wird. Sondern weil zu wenig gefunkt wird. Der beste Verein ist der, in dem der Vorsitzende nach der Sitzung sagt: „So, und jetzt schalten wir die Station ein.

Alle Personen und Rufzeichen in diesem Beitrag sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Funkamateuren und ihren Vereinsfunktionen sind beabsichtigt, aber juristisch nicht verwertbar. Der Autor übernimmt keine Haftung für spontane Selbsterkenntnis — besonders nicht bei stellvertretenden Schriftführern.


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die redaktionelle Verantwortung und inhaltliche Prüfung liegt bei der oeradio.at-Redaktion. Feedback — auch aus der Technischen Kommission (beratend, ohne Stimmrecht) — gerne an [email protected].

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