Es war ein ganz normaler Sonntagmorgen. Gustl Großsignal, OE0GGS, saß vor seinem Laptop und konfigurierte sein Handfunkgerät. Zum dritten Mal diese Woche. Warum es wieder nicht funktionierte, wusste er nicht genau — irgendetwas funktionierte wieder nicht. Wie üblich.
Nebenbei wartete das Stationsgerät auf ein Firmware-Update. Und der Portable auch. Gustl aktualisiert konsequent. Was danach anders ist, weiß er meistens nicht — aber aktuell ist aktuell.
Dann kam die erste WhatsApp-Nachricht.
„Gustl, hast du das schon gelesen?“
Gustl hatte nichts gelesen. Gustl liest grundsätzlich wenig, außer Bedienungsanleitungen — und auch die nur bis zur Stelle, wo es kompliziert wird.
„Was soll ich gelesen haben?“
„Na, den Artikel. Über dich.“
Gustl runzelte die Stirn. Über ihn? Gustl ist kein Mensch, der in der Zeitung steht. Gustl steht höchstens im SOTAdata — theoretisch. Praktisch steht er dort nicht, weil er das Loggen vergisst. Aber das ist eine andere Geschichte.
Er legte das Handfunkgerät zur Seite. Der Codeplug war sowieso noch nicht fertig.
In den nächsten Stunden sprach jeder zweite OM, mit dem Gustl in Kontakt kam, dasselbe Thema an. Und das waren — das sei der Vollständigkeit halber erwähnt — nicht allzu viele.
Alle ohne Link. Alle mit demselben Hinweis: „Schau mal auf oeradio.at nach.“
Gustl schaute nach.
Nichts.
Er suchte nochmal. Nichts. Er fragte seinen Sohn, ob er vielleicht falsch sucht. Der Sohn schaute. Auch nichts. „Papa, da ist kein Artikel.“
„Aber so viele Leute haben mir gesagt, dass es einen gibt.“
„Dann ist er weg.“
Gustl lehnte sich zurück. Einen Artikel. Über ihn. Der weg ist. Den er nie gelesen hat. An einem Sonntagmorgen.
Er griff zum Funkgerät und rief auf dem Relais: „Hat jemand diesen Artikel gespeichert?“
Stille.
Natürlich Stille. Es ist ja immer Stille, wenn Gustl ruft. Außerdem hatte er irgendetwas an der Konfiguration verbockt. Das fiel ihm erst eine Stunde später auf.
Gustl überlegte kurz. Dann öffnete er ChatGPT und tippte: „Schreib mir eine Beschwerde-Mail an die Redaktion, aber höflich.“ ChatGPT lieferte prompt einen dreiseitigen Entwurf. Gustl betrachtete ihn stolz. Als Hansl Hohlleiter ihm zwei Minuten später erklärte, dass man bei Satire keine Beschwerde-Mail schreiben muss, war die Antwort wie immer: „Das hab ich komplett übersehen.“
Er wandte sich wieder oeradio.at zu. Suchte nochmal. Fand nichts über sich — aber dafür einen interessanten Beitrag über Antennenanalyzer.
„Hansl, ist das der Artikel über mich?“
„Gustl. Das ist ein Bericht über Antennentuner.“
„Ah. Könnte aber auch passen.“
Beide Geräte meldeten: Update abgeschlossen. Gustl schaute sie an. Irgendwas würde schon wieder anders sein. Was genau — keine Ahnung.
Das Handfunkgerät war übrigens immer noch nicht fertig konfiguriert.
Aber wisst ihr was? Ohne die Gustls dieser Welt wäre der Amateurfunk nur eine Ansammlung von verbitterten Technikern, die sich gegenseitig die Rapporte korrigieren. Die Gustls bringen die Freude. Die Begeisterung. Den heiligen Ernst, mit dem man einen verschwundenen Artikel sucht, den man nie gelesen hat.
Also, Gustl: Weitermachen. Weiter konfigurieren. Weiter suchen. Weiter auf dem Relais rufen, auch wenn keiner antwortet.
Irgendwann findet sich der Artikel schon wieder.
Vermutlich genau dann, wenn der Anytone endlich funktioniert.
73 de Hansl Hohlleiter, OE0HHL — der den Artikel natürlich gespeichert hat. Aber ihn nicht schickt. Weil manche Dinge besser als Legende sterben. Und weil Gustl sowieso gerade mit dem Codeplug beschäftigt ist.
Transparenzhinweis
Dieser Artikel ist Satire. Gustl Großsignal und sein Rufzeichen OE0GGS sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder funkenden Personen sind rein zufällig — aber statistisch unvermeidlich, weil in jedem Ortsverband mindestens ein Gustl sitzt.

