Die fertige 5-Band Vertical Groundplane im Garten von OE8RMJ mit Kärntner Bergpanorama

Experimental 5-Band Vertical Groundplane – Vier Latten für ein Halleluja

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Gastbeitrag von Jürgen, OE8RMJ

Wer hier abkürzen und die Vorgeschichte überspringen will, kann direkt bei „Das Experiment“ weiterlesen.

Prolog

Ich habe meine Lizenz seit April 2025. Frisch und voller Neugier auf das weite Feld, das da vor mir lag, wollte ich, angespitzt von den Unterhaltungen auf OE8XNK, schon bald wissen, was es denn mit dieser ominösen Kurzwelle so auf sich hätte, die, unerreichbar vom FT-70D, irgendwo da draußen im Äther zutiefst mystische und geheimnisvolle Dinge tun müsse. Dachte ich.

Die am leichtesten zu bauende Kurzwellenantenne ist ein Drahtdipol, so heißt es, und so hab ich einige selbstgestrickte davon an die Dachpfette gehängt, aber obwohl alle brav ihre Arbeit getan haben, waren sie doch zu tief unten, um – außer ausnahmsweise – über Europa hinauszukommen. Höher als 6,5 m war das Ding beim besten Willen nicht zu bekommen.

In einem Gespräch in der Runde kam dann eines Tages die Rybakov zur Sprache – eine Vertikalantenne mit Impedanztrafo, die mit ATU alles von 40 bis 10 Meter abdeckt. Meine Neugier war geweckt, sie war rasch gebaut, und die ersten Tests verliefen überraschend positiv. Leider war das Ding voll ausgefahren zu hoch (und wackelig) für meine Gartenzwecke, aber die Vorurteile gegen Vertical Groundplanes waren schon mal ausgeräumt.

Also beschäftigte ich mich ein wenig mit der Materie – eine Art Fächerdipol mit resonanten Drähten, aber halt vertikal aufgespannt, wäre die Idee. Bald stolperte ich über das Prinzip der DX-Commander von M0MCX, und ab da ging die Reise los…


Das Experiment

Die Anforderungen waren schnell klar: 20/17/15/12/10 m ohne Tuner, mit der Option, einen Draht für 40 bzw. 80 m bei Bedarf als Inverted L dazuzuhängen, und dabei nicht höher bauend als unbedingt notwendig. Platz ist in meinem Garten leider eher knapp.

Und: die Kosten sollten sich so niedrig wie möglich bewegen; ich wollte das Konzept an meinem QTH erproben und dabei nicht unnötig Geld verbrennen.

Gesamtansicht des selbstgebauten Lattenmasts vor dem Aufrichten
Der selbstgebaute Lattenmast – bereit zum Aufrichten

Eine Einschlaghülse und ein 2-m-Steher 7×7 waren von der Zaunreparatur vom Vorjahr noch da (und hatten auch schon als Abspannpunkt für die Dipole gedient), und ein paar Latten lagen auch noch rum. Flugs war daraus ein Mast mit etwa 5,5 m Höhe zusammengeschraubt, um den unten mittels vier Spax ein Ring aus Edelstahl-Lochband angebracht wurde; Durchmesser grob zwischen 20 und 25 cm. Das würde die Speisung für die Strahler abgeben.

Der Lattenmast liegend am Boden mit sichtbarem Edelstahl-Speisering und Drahtseilklemmen
Speisering aus Edelstahl-Lochband und Strahler-Anschlüsse im Detail

Die Strahler selbst wurden aus 0,75 mm² Installationslitze geschnitten und vorerst provisorisch auf um ca. 60 Grad versetzt in den Mast geschraubte Haken aufgespannt. Auch am Speisering wurden ca. 60 Grad eingehalten, so dass eine Position frei blieb, wo bei Bedarf noch der oben erwähnte Draht für 40/80 angeschlossen werden könnte.

Als Mantelwellensperre wurde ein 1:1 Strombalun auf einem bewährten FT240-43 Ringkern gewickelt und mit einem wasserdichten Kunststoffgehäuse mit zwei Schraubkontakten versehen.

Speisepunkt mit Edelstahl-Lochband-Ring, Strombalun und Radials
Der Speisepunkt: Lochband-Ring, Strombalun im Gehäuse und die abgehenden Radials

Dann wurde das Radial-Netz gebastelt. Auch hier kam 0,75 mm² Installationslitze zur Anwendung. Aus Platzgründen konnten die Radials nur 2 m lang gemacht werden, dafür gab’s 20 davon in 4er-Paketen, ausgelegt rund um die Einschlaghülse. Auch die Einschlaghülse wurde an den Schirmkontakt angeschlossen.

Zu guter Letzt wurde das Ganze versuchsweise aufgerichtet, Radials und der Speisering an den Strombalun angeschlossen und die Drahtlängen angepasst, bis das SWR auf allen Bändern auf 1:2 oder niedriger war. Das genügte mir für einen ersten Test. Anzumerken ist, dass die Drahtlängen allesamt deutlich geringer ausfielen als errechnet. Vermutlich eine Auswirkung der sich gegenseitig beeinflussenden Drähte.


Der Test

Die fertige 5-Band Vertical Groundplane im Garten von OE8RMJ mit Kärntner Bergpanorama
Die fertige 5-Band Vertical Groundplane – vier Latten, ein paar Drähte und ein Traum von DX

Seit 21.03. ist die Antenne in der Luft. Betrieb war berufsbedingt nicht immer zu den besten Zeiten möglich. Dennoch wurden innerhalb der ersten Woche QSOs mit allen Kontinenten bis auf Ozeanien und die Antarktis geführt – und das mit einer Antenne, die im Wesentlichen aus Baumarkt-Latten und Installationslitze besteht.

Nahaufnahme der Vertical Groundplane mit Strahlerdrähten und Kärntner Bergen
Nahaufnahme: Die Strahlerdrähte laufen vom Mast zu den Abspannhaken

DX-Verbindungen

Eine Auswahl der in der ersten Woche gearbeiteten Stationen über die selbstgebaute Vertical Groundplane:

Highlights:

  • Nordamerika: AB1F, AD9DU, W2GLH (USA) – auf 15 m und 17 m
  • Südamerika: PP5KE (Brasilien) – auf 20 m
  • Afrika: ZS1WC (Südafrika) auf 10 m, TY5AD (Benin) auf 15 m
  • Asien: 7Z1IS (Saudi-Arabien) auf 10 m
  • Karibik: J88IH (St. Vincent) auf 17 m
  • Europa: Spanien, Griechenland, Italien, Frankreich, Irland, Schottland, England, Kosovo, Russland – vorwiegend 20 m

Alle fünf Bänder (20, 17, 15, 12, 10 m) kamen zum Einsatz. Besonders erfreulich: die DX-Verbindungen nach Südafrika und Saudi-Arabien auf 10 m sowie Brasilien auf 20 m zeigen, dass die Antenne trotz ihrer bescheidenen Bauweise durchaus ernstzunehmendes DX-Potenzial hat.


Materialaufwand

Ich hatte einiges von dem Material schon da und daher einfach verwendet; ich schreibe dennoch, sofern es sich nicht um Centbeträge handelt, einen repräsentativen Neupreis hin.

Antenne

MaterialPreis (ca.)
20 m Installationslitze 0,75 mm² für die Radials12,–
20 m Installationslitze 0,75 mm² für die Strahler12,–
5 Drahtseilklemmen5,–
5 Haken 120 mm zum Abspannen der Strahler10,–
Etwas Kordel/Schnur zum Abspannenaus der Küche gemopst
4 mm Kabelschuhe zum Anschließen4,–
Einschlaghülse 70×705,–
Steher 7×7×20015,–
3 Latten20,–
Rest Edelstahl-Lochband2,–
4 Schrauben für das Lochbandaus dem Keller gemopst

Mantelwellensperre

MaterialPreis (ca.)
Ringkern FT240-4316,–
Gehäuse5,–
N-Buchse5,–
1 m Lautsprecherkabelwar vorhanden
2 × 4 mm Schrauben und Flügelmutternaus dem Keller gemopst

Gesamtkosten bei Neukauf aller Komponenten: ca. 111,– Euro. Wer wie ich schon einiges herumliegen hat, kommt deutlich günstiger weg.


Fazit

Vier Latten, ein Steher, ein paar Meter Draht und ein Ringkern – mehr braucht es nicht, um auf fünf Bändern DX zu arbeiten. Die Antenne ist kein High-End-Produkt und wird es auch nie sein, aber sie beweist eindrucksvoll, dass man mit einfachsten Mitteln, einem kleinen Budget und ein bisschen Experimentierfreude erstaunlich weit kommt. Wer sich nicht traut, den ersten Draht in die Luft zu hängen: Einfach machen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein SWR über 3 – und selbst das lässt sich beheben.

73 de Jürgen, OE8RMJ


Der Nachbau der hier beschriebenen Antenne erfolgt auf eigene Gefahr. Bitte beachte unseren Haftungsausschluss.

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