Wenn das Polarlicht bis nach Mitteleuropa herunterreicht, öffnet sich für UKW-Funkamateurinnen und -Funkamateure eine der spektakulärsten Ausbreitungsarten überhaupt: Aurora. Plötzlich sind auf 2 m Verbindungen über 1.000 km und mehr möglich – mit einem unverwechselbar rauen, zischenden Klang. Dieser Artikel erklärt, wie Aurora-Ausbreitung funktioniert, wie man sie arbeitet und woran man ein Event rechtzeitig erkennt.
Wie Aurora-Ausbreitung funktioniert
Bei einem geomagnetischen Sturm dringen energiereiche Elektronen entlang der Erdmagnetfeldlinien in die Ionosphäre ein und ionisieren die E-Schicht in rund 100–120 km Höhe. Dort entstehen feldlinienparallele Plasma-„Vorhänge“ – dieselbe Struktur, die wir als Polarlicht sehen.
Entscheidend: VHF-Signale werden an diesen Vorhängen nicht wie an einem Spiegel reflektiert, sondern zurückgestreut (Backscatter). Deshalb ist Aurora stark richtungsabhängig. Warum vor allem 6 m und 2 m? Gestreut wird bevorzugt an Strukturen von etwa einer halben Wellenlänge Größe – je höher die Frequenz, desto kleiner die nötige Struktur und desto schwächer das Echo: am stärksten auf 6 m (50 MHz), gut auf 2 m (144 MHz), nur noch selten und schwach auf 70 cm, darüber praktisch nie. Und: Sichtbares Polarlicht ist ein starker Hinweis, aber keine Garantie – Radio-Aurora kann auch ohne sichtbares Leuchten auftreten.

Nach Norden zielen – nicht zum Partner
Die wichtigste Betriebsregel: Beide Stationen richten ihre Antennen auf den auroralen Vorhang im Norden – nicht direkt aufeinander. Man dreht die Yagi grob nach Norden und schwenkt dann um Nord herum (Nordwest bis Nordost), bis das Signal am lautesten ist. Aus Österreich liegt die beste Peilung praktisch immer zwischen Nordwest und Nordost. Das optimale Heading verschiebt sich während des Events, weil das Auroraoval wandert – regelmäßiges Nachdrehen lohnt sich. Eine drehbare Yagi ist hier klar im Vorteil.

Der raue Aurora-Klang
Aurora-Signale klingen unverwechselbar. Die schnell bewegte Ionisation verschmiert das Signal durch Doppler-Verbreiterung: SSB wird heiser und „whooshy“, auf 2 m oft nur noch ein rauer Flüsterton. CW verliert seinen reinen Ton und wird zu einem zischenden „PFFFT“ statt einem sauberen „BEEP“. Deshalb ist CW oberhalb von 144 MHz praktisch Pflicht – schmalbandig und robust. Gib eher langsam und zieh die Zeichen etwas auseinander. Im Rapport hängt man traditionell ein „A“ an (z. B. „59A“), um die aurorale Verzerrung zu kennzeichnen; der Tonwert entfällt dabei.
So klingt Aurora-Rückstreuung auf 6 m in SSB und CW:
Auslöser: Kp-Index, Stürme, Sonnenzyklus
Aurora wird von geomagnetischen Stürmen ausgelöst. Als grobe Schwelle gilt: Ab etwa Kp 5 wird es interessant, zuverlässige 2-m-Aurora braucht meist Kp 6 oder mehr. Die NOAA-Sturmskala läuft parallel (G1 = Kp 5 bis G5 = Kp 9) – je höher, desto weiter reicht das Oval nach Süden.
Die stärksten Stürme kommen von koronalen Massenauswürfen (CMEs), die ein bis drei Tage nach dem Ereignis auf der Sonne eintreffen; schnelle Sonnenwindströme aus koronalen Löchern liefern häufig schwächere, dafür wiederkehrende Stürme (~27-Tage-Rhythmus). Entscheidend ist ein südwärts gerichtetes Magnetfeld im Sonnenwind (Bz negativ). Wir sind derzeit gut dran: Sonnenzyklus 25 hat sein Maximum um Oktober 2024 erreicht, erhöhte Aktivität hält 2025–2026 an. Statistisch häufen sich Auroren um die Tagundnachtgleichen (Frühjahr und Herbst). Beste Tageszeiten: später Nachmittag/früher Abend (stark, aber stark verzerrt) und ein zweites Fenster um bzw. nach Mitternacht (schwächer, dafür sauberer).
Aurora-DX aus Österreich
Je nördlicher, desto besser: Skandinavien, Schottland, das Baltikum und Norddeutschland arbeiten Aurora regelmäßig, Mitteleuropa seltener und nur bei stärkeren Stürmen. Innerhalb Österreichs ist der Norden prinzipiell besser platziert als der Süden. Typische Reichweiten auf 2 m liegen bei rund 800 bis 2.300 km; typische Partner sind Stationen aus Skandinavien (SM, LA, OH, OZ), Norddeutschland (DL), den Niederlanden (PA) und Polen (SP). Schon eine bescheidene Station – eine 4-Element-Yagi und 50 W – kann bei gutem Event Verbindungen fahren.
Wo im Band? Aurora spielt sich am unteren, schwachsignalseitigen Bandende ab: CW etwa 144.050–144.100 MHz, SSB traditionell knapp darüber; auf 6 m CW rund 50.09–50.12 und SSB 50.13–50.20 MHz. Gerufen wird „CQ AURORA“ (auch „CQ AUR“). QSOs kurz halten – die Antennen bleiben ja nach Norden gedreht. Guter Frühwarnindikator: 6 m geht vor 2 m in Aurora. Wer auf 50 MHz „AU“-Spots sieht, sollte 2 m im Auge behalten.
Auroral-E: der schnellere Bruder
Bei sehr starken Stürmen kann die klassische (verzerrte) Aurora in Auroral-E übergehen. Der Ton ist dann sauber, SSB und sogar FT8 sind nutzbar, und die Distanzen werden deutlich größer (bis über 5.000 km). Im DX-Cluster taucht das als „AUE“ auf – ein eigener, „schnellerer“ Modus, der eher einem auroralen Sporadic-E gleicht als der klassischen Rückstreuung.
Woran du ein Event erkennst – und nützliche Werkzeuge
Vier Zeichen: (1) 6 m öffnet zuerst, (2) sichtbares Polarlicht im Norden, (3) steigender Kp und eine scharfe Magnetometer-Auslenkung, (4) der unverwechselbar raue Klang selbst. Hilfreiche Werkzeuge:
- DXMaps – Echtzeit-VHF-Karte mit Aurora-Filter
- NOAA SWPC Aurora-30-Minuten-Prognose und planetarer Kp-Index
- SpaceWeatherLive – Kp/Aurora inkl. Alerts
- AuroraWatch UK – Magnetometer-Alarme
- ON4KST – VHF/UHF-Chat für Skeds
- Deutschsprachig: DARC-Funkwetterlexikon
Wie das Prinzip im Überblick funktioniert, fasst dieses Video zusammen:
Fazit
Aurora gehört zu den aufregendsten UKW-Erlebnissen: seltene, große Distanzen, ein einzigartiger Klang und ein direkter Draht zum Weltraumwetter. Man braucht keine Superstation – eine drehbare Yagi, etwas CW-Übung und den Blick auf den Kp-Index. Wie Berge und Täler die UKW-Ausbreitung sonst noch prägen, zeigt unser Beitrag zur Alpenpropagation. Beim nächsten großen Sturm heißt es: Antenne nach Norden, CW-Taste bereit – und auf das Zischen aus dem Norden hören.
73 – eure oeradio.at-Redaktion
Bildnachweis
Titelbild: US National Park Service (gemeinfrei). Aurora-Vorhänge: U.S. Air Force / Joshua Strang (gemeinfrei). Aurora von der ISS: NASA (gemeinfrei).
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die fachlichen Angaben wurden gegen mehrere unabhängige Quellen (Weltraumwetter-Dienste, Amateurfunk-Referenzen) geprüft. Fehler sind nie ausgeschlossen; Frequenzen und Bandpläne bitte vor dem Betrieb im aktuellen IARU-R1-Bandplan gegenprüfen. Fragen oder Korrekturen? Schreib uns an [email protected].





