Österreich ist ein Binnenland mit acht Nachbarn – und für Funkamateure ist das ein Geschenk. Wer im Westen, Süden oder Norden des Landes wohnt, hat die Grenze oft in Sichtweite. Mit einer gültigen OE-Lizenz und ein bisschen Vorbereitung kann man legal von Deutschland, Italien oder Slowenien aus funken, Gipfel an Dreiländerecken aktivieren und auf VHF/UHF Verbindungen über Staatsgrenzen hinweg fahren. Dieser Beitrag erklärt die CEPT-Grundlagen, die richtige Rufzeichenführung und gibt Praxistipps für den portablen Grenzbetrieb.
CEPT: Funken im Ausland ohne Extra-Antrag
Die Grundlage für grenzüberschreitenden Betrieb ist die CEPT-Empfehlung T/R 61-01. Sie erlaubt Inhabern einer entsprechenden nationalen Amateurfunklizenz, in allen teilnehmenden CEPT-Ländern vorübergehend zu funken, ohne dort eine eigene Lizenz oder Genehmigung beantragen zu müssen. Die österreichische Bewilligung (Klasse 1 entspricht der CEPT-Klasse) genügt – man nimmt sie schlicht mit. Für den Erwerb einer dauerhaften ausländischen Lizenz gibt es zusätzlich das HAREC-Zertifikat (T/R 61-02), das die Prüfung international anerkennt.
Österreichs acht Nachbarn decken praktisch alle relevanten CEPT-Präfixe ab: Deutschland (DL), Tschechien (OK), Slowakei (OM), Ungarn (HA), Slowenien (S5), Italien (I), Schweiz (HB9) und Liechtenstein (HB0). Wer das Dokument seiner Lizenz (am besten zweisprachig bzw. mit CEPT-Vermerk) und einen Lichtbildausweis dabeihat, ist auf der sicheren Seite. Eine ausführliche Übersicht zum Auslandsbetrieb und zur CEPT-Regelung folgt demnächst in einem eigenen Beitrag.

Das Rufzeichen richtig führen
Im CEPT-Raum gilt die Präfix-Schreibweise: Man stellt dem eigenen Rufzeichen den Landeskenner des Gastlandes voran, getrennt durch einen Schrägstrich. Aus dem österreichischen Beispielrufzeichen OE8ABC wird damit:
- in Deutschland: DL/OE8ABC
- in Italien: I/OE8ABC
- in Slowenien: S5/OE8ABC
- in der Schweiz: HB9/OE8ABC
Für portablen Betrieb darf zusätzlich ein /P angehängt werden (z. B. S5/OE8ABC/P). Am Mikrofon nennt man das volle Rufzeichen mindestens beim Verbindungsaufbau und in den vorgeschriebenen Abständen. Wichtig: Es ist der Präfix des Gastlandes, der vorangestellt wird – nicht der eigene als Suffix. Diese eine Regel sauber zu beherrschen erspart auf dem Band viele Rückfragen.
Gipfel-QSOs an den Dreiländerecken
Die spannendste Spielwiese für Grenzfunk sind die Berge. Am Dreiländereck Peč (1.508 m) in den Karawanken stoßen Österreich, Italien und Slowenien zusammen – man kann buchstäblich in drei Ländern gleichzeitig stehen. Ähnlich reizvoll: das Dreiländereck OE/DL/I im Westen, der Dobratsch über Villach mit freiem Blick nach Süden, oder der Großglockner als alpines Highlight. Solche Standorte sind ideal für SOTA (Summits on the Air) – wer von einem Grenzgipfel aktiviert, sammelt nicht nur Punkte, sondern fährt oft mit einem Schlag QSOs in mehrere Länder.
Wie eine SOTA-Aktivierung von der Planung bis zum ersten QSO abläuft, zeigt dieses Einsteiger-Video anschaulich:
Die Grundlagen für österreichische Gipfel – Wertung, Referenzen und Ausrüstung – behandeln wir ausführlich in SOTA in Österreich: Funken von Gipfel zu Gipfel. Für die passende Antenne lohnt ein Blick auf Die beste Portabelantenne für SOTA und POTA.
VHF/UHF: Sichtverbindung schlägt Grenze
Auf 2 m und 70 cm zählt vor allem die Line-of-Sight. Von einem freien Gipfel aus reicht das Signal optisch weit ins Nachbarland – Staatsgrenzen interessieren die Funkwellen nicht. Genau deshalb sind exponierte Alpenstandorte für VHF/UHF-DX so wertvoll: Wo im Tal nach wenigen Kilometern Schluss ist, sind vom Grat aus problemlos Verbindungen nach Friaul, Slowenien oder Bayern möglich. Wie Berge die Ausbreitung im Detail beeinflussen – von Abschattung bis Beugung an Kämmen – beleuchtet unser Beitrag Alpenpropagation: Wie Berge VHF/UHF-Ausbreitung beeinflussen.
Tipp: Vorher die Relaislandschaft des Gastlandes anschauen. Über lokale Umsetzer in Italien oder Slowenien kommt man schnell mit Stationen in Kontakt, die einem wertvolle Hinweise zu Frequenzen und Gepflogenheiten geben.
Praxis: So gelingt der Grenzbetrieb
- Lizenz mitführen. Original (oder beglaubigte Kopie) mit CEPT-Vermerk plus Lichtbildausweis – manche Länder kontrollieren stichprobenartig.
- Bandpläne beachten. Es gilt der IARU-Region-1-Bandplan, aber das Gastland kann einzelne Segmente abweichend regeln (etwa 4 m / 70 MHz: in Slowenien sekundär nutzbar, in Italien nicht).
- Leistungsgrenzen einhalten. Maßgeblich ist das Limit des Gastlandes, nicht das österreichische. In Deutschland sind je nach Klasse deutlich höhere Leistungen erlaubt, andernorts weniger – im Zweifel konservativ fahren.
- Keine Voranmeldung nötig. Für den vorübergehenden CEPT-Betrieb in DL, I und S5 ist keine vorherige Anmeldung erforderlich.
- Standort respektieren. Naturschutzgebiete, Almflächen und Gipfelkreuze sind kein Antennenmast-Gelände – portabel und rückstandslos arbeiten.
Ein kompakter Überblick, was an Ausrüstung und Vorbereitung wirklich gebraucht wird, gibt dieses Video für den Einstieg in den portablen Betrieb:
Fazit
Grenzüberschreitender Funkbetrieb ist einfacher, als viele denken: CEPT macht den Antragsdschungel überflüssig, die Rufzeichenregel ist in fünf Minuten gelernt, und die Alpengipfel an OE/DL/I/S5 liefern Standorte, von denen Funkamateure in flacheren Ländern nur träumen. Wer das nächste Mal mit dem Rucksack Richtung Grenze wandert, sollte das Handfunkgerät einpacken – das schönste DX liegt manchmal nur einen Grat entfernt.
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