Amateurfunk und Naturerlebnis – das Programm World Wide Flora & Fauna (WWFF) vereint beides auf einzigartige Weise. Wer gerne portabel funkt und gleichzeitig Österreichs wunderschöne Schutzgebiete erkunden möchte, findet in WWFF das perfekte Betätigungsfeld. Von den Hohen Tauern über das Gesäuse bis zu den Donau-Auen: In ganz Österreich warten OEFF-Referenzen darauf, aktiviert zu werden. Dieser Artikel erklärt alles, was du für den Einstieg brauchst.
Was ist WWFF?
Das World Wide Flora & Fauna-Programm (WWFF) wurde ins Leben gerufen, um Funkamateure weltweit zu motivieren, aus geschützten Naturgebieten – Nationalparks, Naturreservaten, Landschaftsschutzgebieten und ähnlichen Arealen – Funkbetrieb zu machen. Die Idee: Durch die Aktivierung dieser Gebiete wird das Bewusstsein für den Naturschutz gestärkt, und gleichzeitig entsteht ein spannendes Funkdiplom-Programm für Aktivierer und Jäger (Hunter) gleichermaßen.
WWFF ist ein gemeinnütziges, weltweites Programm, das von einem internationalen Team koordiniert wird. Weltweit sind über 36.000 geschützte Gebiete (sogenannte Protected Flora & Fauna Areas, kurz PFF) in der WWFF-Datenbank registriert. Jedes teilnehmende Land hat dabei sein eigenes Kürzel: Für Österreich lautet es OEFF (OE Flora & Fauna).
Die magische Zahl 44: Was eine gültige Aktivierung ausmacht
Das zentrale Element bei WWFF ist die 44-QSO-Regel: Damit eine Aktivierung als gültig für die WWFF-Aktivierer-Diplome anerkannt wird, müssen mindestens 44 Funkverbindungen (QSOs) aus dem Schutzgebiet geloggt werden. Diese Zahl ist nicht zufällig gewählt – sie symbolisiert die vier Buchstaben von WWFF und hat sich als anspruchsvolle, aber machbare Hürde etabliert.
Wichtig zu wissen: Die 44 QSOs müssen nicht bei einem einzigen Besuch erreicht werden. Mehrere Besuche desselben Referenzgebiets können zusammengezählt werden. Ein QSO mit demselben Rufzeichen auf einem anderen Band oder in einer anderen Betriebsart zählt als separates QSO. Und für die Hunter (Jäger) gilt: Jedes QSO mit einer Aktivierungsstation zählt – unabhängig davon, ob der Aktivierer am Ende die 44 erreicht.
Der empfohlene CQ-Ruf lautet: „CQ WWFF“, „CQ Flora Fauna“ oder einfach „CQ 44“. So wissen andere Stationen sofort, dass du an einer WWFF-Aktivierung teilnimmst.
OEFF: Österreichs Flora & Fauna-Referenzen
Das österreichische WWFF-Programm wird vom Amateurfunkclub Heidenreichstein (AFCH) koordiniert. Die österreichischen Referenzen tragen das Format OEFF-xxxx (z. B. OEFF-0001 für den Nationalpark Hohe Tauern).
Österreich verfügt über eine beeindruckende Vielfalt an Schutzgebieten, die als WWFF-Referenzen registriert sind. Dazu gehören:
- 6 Nationalparks: Hohe Tauern (OEFF-0001), Neusiedler See – Seewinkel, Donau-Auen, Kalkalpen, Gesäuse und Thayatal
- Über 40 Naturparks: Von den Steirischen Eisenwurzen über den Naturpark Dobratsch in Kärnten bis zum Tiroler Lechtal
- Hunderte Naturschutzgebiete: Natura-2000-Flächen, Landschaftsschutzgebiete und Europaschutzgebiete in allen neun Bundesländern
Die vollständige Liste aller OEFF-Referenzen ist auf der Website des AFCH unter afch.at/wwff sowie in der WWFF-Datenbank unter wwff.co/directory einsehbar.
Die sechs Nationalparks als WWFF-Highlights
Österreichs sechs Nationalparks sind die Kronjuwelen des OEFF-Programms und bieten hervorragende Bedingungen für Portabelbetrieb:
Nationalpark Hohe Tauern
Mit 1.856 km² ist er nicht nur Österreichs größter, sondern auch ältester Nationalpark. Die Aktivierung lässt sich hervorragend mit SOTA verbinden – zahlreiche Gipfel innerhalb des Parkgebiets sind als SOTA-Referenzen registriert. Höhenlagen bieten freie Sicht und damit exzellente Ausbreitungsbedingungen auf Kurzwelle und UKW.
Nationalpark Kalkalpen
Österreichs größter Waldnationalpark in Oberösterreich beherbergt UNESCO-Welterbe-Buchenwälder. Die Abgeschiedenheit bedeutet wenig QRM (Störungen), aber auch eingeschränkten Mobilfunkempfang – ideal für Funkamateure, die echte Outdoor-Erlebnisse suchen.
Nationalpark Gesäuse
Österreichs jüngster Nationalpark in der Steiermark (seit 2002) rund um die wilde Enns bietet spektakuläre Berglandschaft. SOTA-Gipfel und WWFF-Referenz lassen sich hier perfekt kombinieren.
Nationalpark Donau-Auen
Zwischen Wien und Bratislava gelegen, ist dieser Auwald-Nationalpark besonders gut erreichbar und damit ein idealer Einstieg für WWFF-Neulinge. Über 100 Vogelarten können hier beobachtet werden – Naturerlebnis pur.
Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel
Das UNESCO-Welterbe an der ungarischen Grenze mit seinen Salzlacken und Schilfgürteln bietet flaches Gelände – perfekt für Drahtantennen. Die offene Landschaft sorgt für hervorragende Abstrahlung.
Nationalpark Thayatal
Österreichs kleinster Nationalpark (ca. 14 km²) an der tschechischen Grenze. Klein, aber fein – die Mäander der Thaya bieten idyllische Standorte für eine gemütliche WWFF-Aktivierung.
WWFF + POTA + SOTA: Die dreifache Aktivierung
Ein großer Vorteil von WWFF ist die Kombinierbarkeit mit anderen Outdoor-Funkprogrammen. Viele österreichische Schutzgebiete sind gleichzeitig als POTA-Referenzen (Parks on the Air) registriert, und zahlreiche Gipfel innerhalb der WWFF-Gebiete sind SOTA-Referenzen (Summits on the Air).
Das bedeutet: Mit einer einzigen Portabelaktion kannst du potenziell drei Programme gleichzeitig bedienen. Du loggst deine QSOs einmal und reichst das ADIF-Log anschließend bei WWFF, POTA und SOTA ein. Die Website cqparks.net bietet eine praktische Kreuzreferenz-Suche, mit der du herausfinden kannst, welche Gebiete sowohl WWFF- als auch POTA-Referenzen haben.
Ein konkretes Beispiel: Du aktivierst einen Gipfel im Nationalpark Gesäuse. Der Gipfel hat eine SOTA-Referenz (z. B. OE/ST-xxx), der Nationalpark hat die OEFF-Referenz und möglicherweise auch eine POTA-Referenz. Du machst 44 QSOs und sammelst Punkte in drei Programmen – Effizienz trifft Naturerlebnis!
Ausrüstung für WWFF-Aktivierungen
Da WWFF-Aktivierungen immer portabel aus der Natur stattfinden, ist die richtige Ausrüstung entscheidend. Hier sind die wichtigsten Empfehlungen:
Transceiver
- KW-QRP-Transceiver: Geräte wie der Icom IC-705 (10 W), Yaesu FTX-1, Elecraft KX2/KX3 oder der (tr)uSDX als Budget-Variante
- KW-Mittelklasse: Yaesu FT-891 (100 W) oder Icom IC-7300 für Aktivierungen mit dem Auto
- UKW-Handfunkgerät: Für schnelle QSOs über lokale Relais und Direktverbindungen auf 2 m/70 cm
Antennen
- End-Fed Half-Wave (EFHW): Leicht, schnell aufgebaut, multibandtauglich – der Klassiker für Portabelbetrieb
- Linked Dipol: Etwas aufwändiger, aber mit besserer Abstrahlung
- Teleskop-Vertikalstrahler: Ideal für flaches Gelände wie den Neusiedler See
- Teleskopmast (6–10 m): GFK-Masten von SOTAbeams oder DX-Wire für optimale Antennenhöhe
Stromversorgung
- LiFePO4-Akku: 4,5 Ah bis 12 Ah – leicht, langlebig, ideal für Tagesaktivierungen
- Solarpanel: Ein faltbares 20–50-W-Panel verlängert die Betriebszeit bei Ganztagesaktivierungen erheblich
- Autobatterie: Für Aktivierungen, bei denen das Auto in der Nähe parkt
Zubehör
- Logbuch: Papierlogbuch als Backup, Smartphone oder Tablet mit Logging-App (z. B. VK port-a-log, Ham2K POLO oder HAMRS)
- Kopfhörer: Gegen Wind- und Naturgeräusche unverzichtbar
- Wetterschutz: Regenplane oder kleines Tarp – österreichisches Bergwetter ist unberechenbar
- Sitzgelegenheit: Klapphocker oder Isomatte – 44 QSOs dauern ihre Zeit!
Praktische Tipps für eine erfolgreiche WWFF-Aktivierung
Vor der Aktivierung
- Referenz prüfen: Stelle sicher, dass dein gewähltes Gebiet tatsächlich eine gültige OEFF-Referenz hat. Die WWFF-Datenbank unter wwff.co/directory ist die offizielle Quelle.
- Ankündigung (Alert): Kündige deine Aktivierung im Voraus auf der WWFF-Website oder über wwff.co/agenda an. So wissen potenzielle Hunter, wann und wo du QRV bist.
- Spotting: Nutze die WWFF-Spotline (spots.wwff.co) oder den DX-Cluster, um dich selbst zu spotten. Das bringt in kürzester Zeit viele Anrufer.
- Zeitpunkt wählen: Wochenenden – besonders der WWFF Activity Day (jeden ersten Samstag im Monat) – bringen die meisten QSOs. Unter der Woche ist es ruhiger, aber die regelmäßigen WWFF-Hunter sind immer auf der Suche.
Während der Aktivierung
- Mehrere Bänder nutzen: Beginne auf 20 m (14 MHz) für europaweite und DX-Verbindungen, wechsle dann auf 40 m (7 MHz) für kürzere Distanzen. 15 m und 10 m sind dank des Sonnenfleckenmaximums von Solar Cycle 25 derzeit hervorragend.
- Betriebsarten variieren: SSB (Sprechfunk) bringt die meisten QSOs pro Stunde. CW (Telegrafie) ist effizienter mit QRP. FT8 kann helfen, die 44 zu erreichen, wenn die Bedingungen schwierig sind.
- WWFF-Referenz durchgeben: Nenne bei jedem QSO deine OEFF-Nummer, z. B.: „Mein Standort ist OEFF-0001, Nationalpark Hohe Tauern.“
- Geduld haben: 44 QSOs klingen nach viel, sind aber an einem guten Tag in 2–4 Stunden machbar.
Nach der Aktivierung
- Log im ADIF-Format exportieren: Jede gängige Logging-Software (HAMRS, N1MM+, Log4OM, WSJT-X) kann ADIF-Dateien erstellen.
- Log einreichen: Sende dein ADIF-Log an den österreichischen WWFF-Koordinator oder lade es über das WWFF-LogSearch-System hoch. Die Datei sollte nach dem Schema Rufzeichen@OEFF-xxxx_JJJJMMTT.adi benannt werden.
- POTA/SOTA parallel einreichen: Dasselbe ADIF-Log kann auch bei pota.app und bei SOTA (sotadata.org.uk) eingereicht werden.
Registrierung und Einstieg
Der Einstieg in WWFF ist unkompliziert und kostenlos:
- Schritt 1 – Registrierung: Erstelle ein Konto auf wwff.co (Klick auf „Register“). Verwende als Benutzernamen dein Rufzeichen – andere Benutzernamen werden abgelehnt.
- Schritt 2 – Profil ausfüllen: Gib dein Rufzeichen, dein DXCC (OE = 206) und deinen Kontinent (EU) ein.
- Schritt 3 – Referenz wählen: Suche in der WWFF-Datenbank nach einer OEFF-Referenz in deiner Nähe.
- Schritt 4 – Aktivierung planen: Erstelle einen Alert auf der WWFF-Agenda-Seite und wähle Datum, Uhrzeit und Frequenzen.
- Schritt 5 – Funken und loggen: Aktiviere das Gebiet und logge mindestens 44 QSOs.
- Schritt 6 – Log einreichen: Exportiere dein Log als ADIF und reiche es beim WWFF-LogSearch ein.
Als Logging-Software für den Portabeleinsatz empfiehlt sich die Freeware Fast Log Entry (FLE) von DF3CB, die speziell für WWFF-Aktivierungen optimiert ist und ADIF-Dateien mit den richtigen WWFF-Feldern (MY_SIG und MY_SIG_INFO) exportiert.
OEFF-Diplome und WWFF-Awards
Sowohl für Aktivierer als auch für Hunter gibt es attraktive Diplome:
Für Aktivierer
- WWFF Activator Award: Für die Aktivierung von WWFF-Referenzen weltweit (Stufen nach Anzahl der aktivierten Referenzen)
- OEFF-Aktivierer-Diplom: Herausgegeben vom AFCH für Aktivierungen österreichischer Referenzen
Für Hunter
- WWFF Hunter Award: Ab 44 bestätigten verschiedenen WWFF-Referenzen weltweit, mit Aufstockungen in 44er-Schritten bis 396, danach in 100er-Schritten ab 444
- OEFF-Hunter-Diplom: Für den Nachweis von Verbindungen mit Stationen in österreichischen Schutzgebieten (verschiedene Stufen)
Alle OEFF-Diplome werden vom AFCH ausgestellt. Sie sind sowohl für lizenzierte Funkamateure als auch für SWLs (Kurzwellenhörer) erhältlich. Verbindungen werden ab dem 1. Jänner 2009 anerkannt.
Der Naturschutzgedanke: Mehr als nur Funkbetrieb
WWFF versteht sich ausdrücklich als Programm, das den Naturschutz fördert. Die Grundidee: Indem Funkamateure in Schutzgebieten aktiv werden, erleben sie die Natur hautnah und tragen das Bewusstsein für den Wert dieser Gebiete in die Amateurfunk-Community.
Dabei gelten selbstverständlich strenge Regeln zum Schutz der Natur:
- Leave No Trace: Hinterlasse keinen Müll, beschädige keine Pflanzen und störe keine Tiere. Nimm alles wieder mit, was du mitgebracht hast.
- Wege nicht verlassen: In Kern- und Ruhezonen vieler Nationalparks ist das Verlassen der markierten Wege verboten. Informiere dich vorab über die Regeln des jeweiligen Schutzgebiets.
- Antennen naturschonend aufbauen: Verwende Bäume als Antennenstützen nur mit geeigneten Wurfleinen – keine Nägel, keine Schrauben, keine Beschädigungen.
- Brutzeiten beachten: In sensiblen Gebieten (z. B. Neusiedler See – Seewinkel) können saisonale Betretungsverbote gelten.
- Genehmigungen einholen: Manche Schutzgebiete erfordern eine Voranmeldung oder Genehmigung für den Aufenthalt abseits der Wege. Kontaktiere im Zweifelsfall die Nationalparkverwaltung.
Viele WWFF-Aktivierer nutzen ihre Aktivierungen auch, um auf den Wert der Schutzgebiete aufmerksam zu machen – sei es durch QSL-Karten mit Naturmotiven, Social-Media-Beiträge oder einfach durch Gespräche mit neugierigen Wanderern, die oft fasziniert sind, wenn sie eine Funkstation mitten in der Natur entdecken.
WWFF-Community in Österreich
Die österreichische WWFF-Community ist aktiv und wachsend. Der Amateurfunkclub Heidenreichstein (AFCH) organisiert regelmäßig das Internationale WWFF & COTA-OE Treffen in Heidenreichstein (Niederösterreich), bei dem sich Aktivierer und Hunter aus ganz Europa treffen, Erfahrungen austauschen und gemeinsame Aktivierungen durchführen.
Darüber hinaus gibt es auf der WWFF-Website aktive Foren, eine Spotline für Echtzeit-Aktivierungen und regelmäßige Activity-Monate (z. B. den WWFF Activity Month im August), in denen besonders viele Stationen aktiv sind.
Wichtige Links und Ressourcen
- WWFF International: wwff.co – Globale Website mit Datenbank, Regeln und Awards
- WWFF-OE (AFCH): afch.at/wwff – Österreichisches WWFF-Programm, OEFF-Referenzverzeichnis und Diplome
- WWFF LogSearch: wwff.co/logsearch – Online-Logsuche und Log-Upload
- WWFF Spotline: spots.wwff.co – Echtzeit-Spots aktiver WWFF-Stationen
- CQParks.net: cqparks.net – Kreuzreferenz WWFF/POTA
- Fast Log Entry (FLE): df3cb.com/fle – Empfohlene Logging-Software für WWFF
- WWFF Global Rules: wwff.co (Downloads) – Offizielles Regelwerk (aktuell Version 5.10)
Fazit: Raus in die Natur, rauf auf die Frequenz!
WWFF bietet eine wunderbare Möglichkeit, das Hobby Amateurfunk mit Naturerlebnis zu verbinden. Österreichs Vielfalt an Nationalparks, Naturparks und Schutzgebieten macht unser Land zu einem der spannendsten WWFF-Länder Europas. Ob du nun als Aktivierer mit dem Rucksack durch das Gesäuse wanderst oder als Hunter vom heimischen Shack aus OEFF-Referenzen sammelst – WWFF bereichert den Amateurfunk um eine Dimension, die über reine Funktechnik hinausgeht.
Also: Transceiver einpacken, OEFF-Referenz aussuchen, und ab in die Natur. Die 44 warten auf dich!
73 – eure oeradio.at-Redaktion
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