PMR und CB-Funk: Funken ohne Lizenz – so geht Jedermann-Funk

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Nicht jeder hat eine Amateurfunklizenz – und das ist völlig in Ordnung. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Funkkommunikation praktisch, sinnvoll oder sogar lebensrettend sein kann: auf der Wanderung in den Bergen, beim Skifahren mit der Familie, bei der Organisation von Veranstaltungen, auf dem Campingplatz, im Konvoi auf der Autobahn – oder eben im Ernstfall, wenn das Handynetz ausfällt. Genau dafür gibt es den Jedermann-Funk: PMR446 und CB-Funk, lizenzfrei und für alle nutzbar.

Dieser Artikel richtet sich an alle, die sich für Funk interessieren – ob mit oder ohne Lizenz. Wir stellen die beiden wichtigsten lizenzfreien Funkdienste in Österreich vor, erklären die technischen Grundlagen, zeigen typische Einsatzszenarien und geben konkrete Geräteempfehlungen.

PMR446: Klein, günstig und überall dabei

PMR446 (Private Mobile Radio auf 446 MHz) ist der meistverbreitete lizenzfreie Funkdienst in Europa. Die kleinen Handfunkgeräte passen in jede Jackentasche und sind ab 20 Euro im Doppelpack zu haben. Keine Anmeldung, keine Prüfung, keine Gebühren – Gerät auspacken, einschalten, loslegen.

So funktioniert PMR446

PMR arbeitet im UHF-Bereich bei 446 MHz und bietet 16 analoge sowie 16 digitale Kanäle. Die maximale Sendeleistung beträgt 0,5 Watt ERP – genug für lokale Kommunikation, aber kein Weitfunk. Die Geräte nutzen FM-Modulation und unterstützen meist CTCSS/DCS-Codes (oft als „Subcodes“ oder „Privacy Codes“ vermarktet), mit denen sich Gruppen auf demselben Kanal voneinander akustisch trennen können. Wichtig: Das ist keine Verschlüsselung – jeder auf dem Kanal kann mithören.

Seit 2018 dürfen PMR-Geräte auch abnehmbare Antennen haben – ein Fortschritt gegenüber den früher vorgeschriebenen Festantennen. Die Frequenzen reichen von 446,00625 MHz (Kanal 1) bis 446,19375 MHz (Kanal 16 digital), mit 12,5 kHz Kanalabstand analog und 6,25 kHz digital.

Reichweite: Erwartung vs. Realität

Die Verpackung verspricht „bis zu 10 km Reichweite“ – in der Praxis sieht es so aus:

  • In der Stadt: 500 Meter bis 2 Kilometer – Gebäude, Vegetation und Hindernisse schlucken das UHF-Signal schnell.
  • Auf freiem Feld: 3 bis 5 Kilometer bei guter Sichtverbindung.
  • In den Bergen: Bei Sichtverbindung zwischen zwei Gipfeln durchaus 8 bis 10 Kilometer möglich – die alpine Topografie kann helfen oder schaden.
  • Im Gebäude: Betonwände dämpfen stark, 2–3 Stockwerke sind aber meist kein Problem.

Typische Einsatzszenarien

PMR446 ist vielseitiger als man denkt:

  • Wandern und Bergsteigen: Wenn die Gruppe sich aufteilt, bleibt man per PMR in Kontakt – auch dort, wo es kein Handynetz gibt. Gerade in Österreichs Bergen gibt es noch viele Funklöcher.
  • Skifahren: Auf der Piste das perfekte Kommunikationsmittel für Familien. Kinder und Eltern können sich absprechen, ohne teure Handytarife zu verbrauchen.
  • Camping und Outdoor: Vom Zelt zur Sanitäranlage, vom Stellplatz zum See – PMR macht’s möglich.
  • Veranstaltungen: Dorffeste, Sportevents, Vereinsaktivitäten – PMR ist günstig und einfach für die Koordination von Helfern.
  • Baustellen und Landwirtschaft: Kurze Abstimmungen zwischen Traktor und Hof, zwischen Bagger und Polier.
  • Nachbarschaftskommunikation: In ländlichen Gebieten oder Siedlungen kann PMR eine einfache Alternative zum Telefon sein.
  • Notfallvorsorge: Wenn Handynetze ausfallen (Blackout, Naturkatastrophe), ist PMR sofort einsatzbereit – kein Netz nötig, keine Infrastruktur erforderlich.

Geräteempfehlungen

Der PMR-Markt bietet für jeden Geldbeutel etwas:

  • Einsteiger (20–40 €): Motorola TLKR T80, Retevis RT628 – solide Basisgeräte, oft im Doppelpack.
  • Mittelklasse (60–90 €): Midland G9 Pro, Kenwood PKT-23E – robustere Bauweise, bessere Audioqualität, längere Akkulaufzeit.
  • Profi (100–160 €): Hytera PD365 (digital), Motorola XT420 – wasserdicht, langlebig, professionelle Features.

Tipp für Notfallvorsorge: Achte auf Geräte mit AA-Batterie-Adapter. Akkus sind im Alltag praktisch, aber wenn der Strom tagelang ausfällt, sind handelsübliche Batterien Gold wert.

CB-Funk: Der Klassiker mit mehr Reichweite

CB-Funk (Citizen Band) ist der Veteran unter den Jedermann-Funkdiensten. In den 1970er- und 1980er-Jahren eine regelrechte Subkultur – mit eigener Sprache, eigenen Codes und einer lebendigen Community. Heute ist CB ruhiger geworden, aber keineswegs tot. Im Gegenteil: Für bestimmte Anwendungen ist CB dem moderneren PMR klar überlegen.

So funktioniert CB-Funk

CB arbeitet im 11-Meter-Band um 27 MHz – also im Kurzwellenbereich. In Europa stehen 40 Kanäle zur Verfügung, mit einer maximalen Sendeleistung von 4 Watt AM bzw. 12 Watt PEP bei SSB (Einseitenbandmodulation). FM-Betrieb ist ebenfalls erlaubt.

Wichtige Kanäle:

  • Kanal 9 (27,065 MHz): Internationaler Notrufkanal – sollte freigehalten werden.
  • Kanal 19 (27,185 MHz): Der klassische Trucker-Kanal, oft gut besucht.
  • Kanäle 1–8, 10–18, 20–40: Für allgemeine Kommunikation, regional unterschiedlich genutzt.

Der große Vorteil: Reichweite

Hier zeigt CB seine Stärken. Die längere Wellenlänge von etwa 11 Metern hat gegenüber dem UHF-Signal von PMR handfeste Vorteile:

  • Bessere Durchdringung: Kurzwellensignale dringen besser durch Gebäude, Vegetation und Geländehindernisse als UHF.
  • Größere Bodenwellenreichweite: Mit guter Antenne sind 10 bis 20 Kilometer auf der Bodenwelle realistisch.
  • Überreichweiten möglich: Bei günstigen atmosphärischen Bedingungen (sporadische E-Schicht) kann das CB-Signal plötzlich Hunderte oder sogar Tausende Kilometer weit getragen werden – ein faszinierendes Naturphänomen!

In der Praxis bedeutet das: Wo PMR nach 2 Kilometern Schluss macht, funkt CB noch locker weiter. Gerade in ländlichen Gebieten, in den Tälern Österreichs oder bei Konvois auf der Autobahn ist CB nach wie vor erste Wahl.

Typische Einsatzszenarien

  • Fahrzeugkonvois: Ob Wohnmobil-Reise, Oldtimer-Ausfahrt oder Motorradtour – CB im Auto ist der Klassiker. Eine Magnetfußantenne auf dem Dach, ein kleines Mobilgerät am Armaturenbrett, und die ganze Kolonne ist verbunden.
  • Land- und Forstwirtschaft: Auf großen Flächen, wo PMR nicht mehr reicht, spielt CB seine Reichweite aus.
  • Fernfahrer und Berufskraftfahrer: Auch 2026 nutzen viele LKW-Fahrer CB auf Kanal 9 oder 19 – für Staumeldungen, Warnungen und den Plausch auf langer Strecke.
  • Outdoor und Expeditionen: Auf mehrtägigen Touren, bei Jagdgesellschaften oder alpinen Einsätzen bietet CB mehr Reserve als PMR.
  • Notfallkommunikation: Kanal 9 ist der internationale Notrufkanal – in einer Krise eine reale Option, um Hilfe zu erreichen.
  • Hobby und Nostalgie: CB hat eine treue Fangemeinde. Viele genießen den unkomplizierten Austausch auf dem Band, ohne die Formalitäten einer Amateurfunklizenz.

Geräte und Antennen

CB-Geräte gibt es in drei Kategorien:

  • Handfunkgeräte (70–120 €): Albrecht AE 31H, Midland Alan 42 DS – kompakt, mit eingebauter Antenne, ideal für unterwegs. Die Reichweite ist mit der kurzen Antenne begrenzt, aber immer noch besser als PMR.
  • Mobilgeräte (90–200 €): President Bill II, Albrecht AE 6110, Midland Alan 48 Plus – für den Einbau im Fahrzeug. Mit einer guten Magnetfußantenne auf dem Dach erreicht man hier die volle CB-Reichweite.
  • Stationäre Nutzung: Mit einer Ground-Plane-Antenne (z.B. Sirio Performer 5000, ab ca. 40 €) auf dem Dach oder Balkon und einem 12-V-Netzteil wird das Mobilgerät zur Basisstation.

Tipp: Bei CB-Funk macht die Antenne den Unterschied. Investiere lieber in eine gute Antenne als in ein teures Gerät – eine ordentliche Antenne verdoppelt die Reichweite eines günstigen Funkgeräts.

Rechtliche Grundlagen in Österreich

Sowohl PMR446 als auch CB-Funk sind in Österreich vollständig lizenzfrei und anmeldefrei nutzbar. Die rechtliche Basis bildet die Frequenznutzungsverordnung, die auf europäischen CEPT-Regelungen basiert.

Was erlaubt ist:

  • Nutzung zugelassener Geräte mit CE-Kennzeichen
  • Private und gewerbliche Nutzung (z.B. auf Baustellen, bei Events)
  • Betrieb ohne Rufzeichen – man darf sich aber einen Spitznamen oder „Handle“ geben

Was nicht erlaubt ist:

  • Umbauten, Leistungserhöhungen oder Nutzung nicht zugelassener Frequenzen
  • Störung anderer Funkdienste
  • Verwendung von Geräten ohne CE-Kennzeichen

PMR oder CB – was passt besser?

Die Wahl hängt vom Einsatzzweck ab:

  • Für kurze Distanzen und Einfachheit: PMR446. Klein, leicht, günstig, kinderleicht zu bedienen.
  • Für größere Reichweiten: CB-Funk. Überall dort, wo PMR an seine Grenzen stößt.
  • Für Familien und Freizeit: PMR – die Geräte sind so einfach, dass auch Kinder sie bedienen können.
  • Für Fahrzeuge und Konvois: CB – mit Magnetfußantenne die beste Wahl.
  • Für Notfallvorsorge: Idealerweise beides. PMR für die lokale Kommunikation, CB für größere Distanzen.

Vergleich auf einen Blick

  • Frequenz: PMR 446 MHz (UHF) | CB 27 MHz (Kurzwelle)
  • Leistung: PMR 0,5 W | CB 4 W AM / 12 W SSB
  • Reichweite: PMR 0,5–5 km | CB 5–20 km
  • Kanäle: PMR 16+16 | CB 40
  • Kosten Einstieg: PMR ab 20 € | CB ab 70 €
  • Portabilität: PMR sehr hoch | CB mittel (Handy) bis gering (Mobil)
  • Lizenz nötig: Nein | Nein

Jedermann-Funk und Amateurfunk: Kein Widerspruch

Wer mit PMR oder CB anfängt, entdeckt vielleicht die Faszination Funk – und möchte irgendwann mehr. Der Amateurfunk bietet mit seiner Lizenz deutlich mehr Möglichkeiten: höhere Sendeleistungen, mehr Frequenzbänder, weltweite Verbindungen, Experimente mit Antennen und Betriebsarten, digitale Modi wie WSPR oder DMR, und eine aktive Community. Viele heutige Funkamateure haben mit CB-Funk angefangen!

Aber auch umgekehrt gilt: Als Funkamateur lohnt es sich, ein paar PMR-Geräte im Shack zu haben. Für die Familie, für Nicht-Lizenzierte im Freundeskreis, für die Wandergruppe oder für den Notfall. Jedermann-Funk und Amateurfunk sind keine Konkurrenz, sondern ergänzen sich ideal.

Tipps für den Einstieg

  1. PMR-Doppelpack kaufen – ab 20 Euro geht’s los. Einfach mal ausprobieren, auf einer Wanderung oder im Urlaub.
  2. Kanal und Subcode absprechen – damit ihr euch innerhalb der Gruppe findet und nicht von anderen gestört werdet.
  3. Kurz und klar sprechen – Taste drücken, kurz warten, dann sprechen. Name sagen, Botschaft, fertig. Kein Dauermonolog.
  4. Batterie-Reserve einpacken – wer in die Berge geht, nimmt Ersatzbatterien mit.
  5. CB für Fortgeschrittene – wer mehr will, steigt auf CB um. Magnetfußantenne aufs Auto, Mobilgerät rein, und die Reichweite vervielfacht sich.
  6. Amateurfunk als nächster Schritt – wenn die Faszination wächst, ist die Amateurfunkprüfung der logische nächste Schritt.

Fazit

PMR446 und CB-Funk sind lebendige, praktische und völlig legale Kommunikationsmittel, die jeder ohne Lizenz nutzen kann. Ob beim Wandern, Skifahren, auf der Baustelle, im Konvoi oder bei der Notfallvorsorge – Jedermann-Funk ist nützlicher als die meisten denken. Und wer einmal die Faszination erlebt hat, auf einer Bergtour per Funk mit der Familie in Kontakt zu bleiben, während das Handy „kein Netz“ zeigt – der versteht, warum Funk auch im Zeitalter des Smartphones seinen Platz hat.

73 – eure oeradio.at-Redaktion


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die Redaktion hat alle Inhalte überprüft und redaktionell bearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung können vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten sein — wir freuen uns über Hinweise und Korrekturen per E-Mail an [email protected].

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