Er hat die Lizenz seit einem Jahr, ein Equipment-Arsenal wie eine DXpedition und fragt trotzdem jeden zweiten Tag, wie man ein Relais öffnet. Willkommen in der Welt von Gustl Großsignal, OE8GGS — dem Mann, der den Amateurfunk nicht versteht, aber dafür umso teurer betreibt.
Die Lizenz: April 2025 — der Wahnsinn: sofort
Gustl hat im Frühling 2025 die Amateurfunkprüfung bestanden. CEPT Klasse 1, wohlgemerkt. Nicht die kleine. Die große. Die, bei der man theoretisch wissen sollte, was ein CTCSS-Ton ist. Theoretisch.
Denn Gustl hat — und das ist dokumentiert — drei Monate nach der Prüfung gefragt, wie man beim Anytone den Empfangs-CTCSS einstellt. Der Mann hat eine Klasse-1-Lizenz. Er hat in der Prüfung vermutlich die richtige Antwort angekreuzt. Und dann sofort wieder vergessen. Wie ein Goldfisch mit Amateurfunkrufzeichen.
Aber gut, kann passieren. Anfänger halt. Jeder fängt mal an. Das Problem ist nur: Gustl fängt jeden Tag neu an.
Der Steckdosenfunker: IC-7760 für den, der kein Relais aufbekommt
Wer neu im Amateurfunk ist, kauft sich einen Baofeng, eine Teleskopantenne und sammelt erste Erfahrungen. Wer Gustl Großsignal ist, kauft sich einen ICOM IC-7760. Listenpreis: irgendwo zwischen „gebrauchter Kleinwagen“ und „Anzahlung für eine Eigentumswohnung“. Dazu einen IC-705 fürs Portable, einen Anytone D878UVII Plus, einen zweiten Anytone fürs Auto, einen DMR-Hotspot, eine Diamond-Vertikalantenne, eine Yagi, eine Moxon, eine RH-770 und vermutlich noch drei Antennen, die er im Keller vergessen hat.
Das Equipment ist da. Das Verständnis nicht. Gustl ist das, was man in Fachkreisen einen Steckdosenfunker nennt: Er steckt alles ein, schaltet alles an, und wenn es nicht funktioniert, schreibt er eine WhatsApp-Nachricht. Vorzugsweise an den einen OM im Ort, der den Fehler macht, freundlich zu antworten.
„Sag mal, mit welcher Software konfigurierst du den IC-705?“ — Die Standard-Software von ICOM, Gustl. Die, die auf der ICOM-Website steht. Die, die buchstäblich „IC-705 CS“ heißt. Die einzige, die es gibt.
„Ah okay, danke!“
Bis zur nächsten Frage vergehen im Schnitt 72 Stunden.
Die Methode: Stell dich dumm, dann wichtle
Jetzt könnte man meinen, Gustl sei einfach ein netter Kerl, der sich schwer tut. Aber so einfach ist es nicht. Denn Gustl hat ein System. Und das geht so:
Phase 1: Die Hilflosigkeit. Gustl fragt. Laut. Öffentlich. In jeder WhatsApp-Gruppe, in jedem Klub-Abend, auf jeder Frequenz. „Wie geht das? Ich kenn mich da nicht aus. Bin ja noch Anfänger.“ Die Stimme ist dabei so, wie wenn ein Golden Retriever sprechen könnte: freundlich, leicht verwirrt, mit großen Augen.
Phase 2: Die Offenbarung. Zwei Wochen später postet Gustl in dieselbe WhatsApp-Gruppe ein Bild seines Contest-Zertifikats. „Hab da mal mitgemacht, war ganz okay!“ Platz 47 von 52 Teilnehmern. In der Kategorie „Single Operator, Low Power, Mixed, Assisted, Overlay Newcomer, Bezirk Wels, nur Dienstage“. Aber immerhin: ein Zertifikat. Mit seinem Rufzeichen drauf. Gerahmt.
Phase 3: Die Bescheidenheit. „Naja, für einen Anfänger ganz okay, oder?“ Und alle nicken. Weil man bei Gustl immer nickt. Weil die Alternative wäre, ihm zu erklären, dass „Platz 47 von 52″ kein Grund für eine Siegesfeier ist. Aber das tut man nicht, weil Gustl dann wieder in Phase 1 wechselt und fragt, wie man ein Contest-Log hochlädt.
SOTA: Der junge Hund am Gipfel
Gustl macht SOTA. Also, Gustl geht auf Berge und funkt von oben. Theoretisch. Praktisch sieht das so aus: Gustl wandert auf einen Gipfel, baut seine Yagi auf, hält sie frei Hand (ohne Stativ, versteht sich), und freut sich wie ein Schneekönig, wenn er drei QSOs zusammenbringt.
„Mein Angstgegner Reinberg ist geschafft!“ — Gustl, der den Reinberg aktiviert hat. Einen bewaldeten Hügel. Mit Forstweg. Und Bankerl. Nicht mal eine Hütte. Der Mount Everest des oberösterreichischen Amateurfunks.
Aber die Freude ist echt. Gustl freut sich über jede Aktivierung wie ein Kind am Weihnachtsmorgen. Und das ist ja auch schön. Wirklich. Wäre nur nett, wenn er danach nicht in drei WhatsApp-Gruppen gleichzeitig posten würde: „War heute SOTA, hat super funktioniert!“ — inklusive vier Fotos, die alle dasselbe zeigen: einen Mann mit einer Antenne auf einem Hügel, bei dem die Hälfte der Verbindungen „nicht optimal“ waren. Original-Zitat.
Dass sein SOTA-Konto bei SOTAdata übrigens null Einträge zeigt — geschenkt. Loggen ist was für Leute, die es ernst meinen. Gustl meint es ernst, aber nur bis zur WhatsApp-Nachricht.
Die Morgenrunde: Gustl unter Senioren
Gustl funkt gerne in der Morgenrunde. Jeden Tag, pünktlich, zwischen Pensionisten, die seit 1978 lizenziert sind und deren Durchschnittsalter über dem des Inventars im Technischen Museum liegt. Gustl liebt das. Weil in der Morgenrunde niemand fragt, warum ein Mann mit Klasse-1-Lizenz nicht weiß, wie ein Relais funktioniert. In der Morgenrunde reicht es, „Guten Morgen“ zu sagen und den Wetterbericht vom Fenster abzulesen.
Und Gustl redet. Und redet. Über das Wetter. Über seine Antenne. Über sein neues Kabel. Über den Hund. Über das Kabel vom Hund. Die OMs in der Runde lassen ihn reden, weil sie sowieso gerade Kaffee trinken und weil Gustl die Durchschnittsage der Runde um 30 Jahre senkt, was statistisch gesehen gut fürs Hobby ist.
CQ auf 2 Meter: Die Stille des Traunviertels
Gustls tragischster Moment kommt regelmäßig am Abend, wenn er auf 2m sein CQ in die oberösterreichischen Hügel ruft. Und wartet. Und nochmal ruft. Und wartet. Und dann auf einer anderen Frequenz ruft. Und wartet.
Nichts.
Dabei hat er alles richtig gemacht. Naja, fast. Letztens hatte er am Grünberg-Speicher versehentlich die Frequenz vom Lichtenberg einprogrammiert. Drei Wochen lang. Ist ihm nicht aufgefallen. „Jetzt ist mir auch klar, warum sich auf einmal jemand gemeldet hat.“ Ja, Gustl. Das war der Lichtenberg. Du hast ins falsche Tal gefunkt.
Ein anderes Mal konnte er das Krippenstein-Relais nicht öffnen. Empfang ging, Senden nicht. Problem: Die Konfiguration war beim letzten Firmware-Update kaputtgegangen. Gustls Analyse: „Irgendwas muss ich mir verstellt haben.“ Richtig. Irgendwas. Immer.
QRPP-Runde: Gustl redet mit
Weil ein Steckdosenfunker mit IC-7760 natürlich auch bei den QRPP-Runden mitmacht. Fünf Watt. Manchmal weniger. Der IC-7760 kann runterregeln, und Gustl regelt brav runter und ist dann stolz, dass er mit „ganz wenig Leistung“ gehört wird. Dass fünf Watt an einer Vertikalantenne auf 40m in Oberösterreich ungefähr so viel Reichweite haben wie ein lauter Zuruf vom Balkon, stört nicht. Es geht ums Dabeisein. Und darum, danach in die WhatsApp-Gruppe zu posten: „Heute QRPP mitgemacht! Signal war super!“
Das Signal war nicht super, Gustl. Das Signal war 5/3. Aber 5/3 ist für Gustl super, weil alles, was nicht 0/0 ist, ein Erfolg ist. Und damit hat er irgendwie sogar recht.
ChatGPT als Funkpartner
Der Höhepunkt war, als Gustl vorschlug, eine eigene App für SOTA-Logging zu entwickeln. Mit Offline-Funktion. Und ADIF-Export. Die Mockups hat er sich von ChatGPT zeichnen lassen. Drei Screenshots, stolz präsentiert. Als man ihm sagte, dass es HAMRS gibt — eine App, die exakt das tut, was er beschrieben hat — war die Antwort: „Ah, darüber bin ich noch nicht gestolpert.“
Gustl ist über vieles noch nicht gestolpert. Über die ICOM-Website zum Beispiel. Über den CTCSS-Ton 88,5. Über den Unterschied zwischen Grünberg und Lichtenberg. Und über die Tatsache, dass man eine Yagi mit einem Stativ verwendet und nicht freihändig, wie eine Wünschelrute.
Die unbequeme Wahrheit
Gustl Großsignal ist harmlos. Gustl ist nett. Gustl stellt Fragen, die man mit fünf Minuten Google beantworten könnte, aber er fragt lieber einen Menschen, weil er gerne redet. Gustl postet seine Contest-Zertifikate nicht aus Arroganz, sondern aus echter Freude. Gustl stellt sich nicht dumm — Gustl ist enthusiastisch, und Enthusiasmus sieht manchmal aus wie Ahnungslosigkeit.
Und genau das ist das Problem. Denn Gustl ist nicht einer. Gustl ist hunderte. In jedem Ortsverband sitzt ein Gustl. In jeder Morgenrunde redet ein Gustl. In jeder WhatsApp-Gruppe postet ein Gustl sein Zertifikat für Platz 47. Und in jedem DX-Cluster ruft ein Gustl verzweifelt CQ — und keiner antwortet.
Aber wisst ihr was? Ohne die Gustls dieser Welt wäre der Amateurfunk nur eine Ansammlung von verbitterten Technikern, die sich gegenseitig die Rapporte korrigieren. Die Gustls bringen die Freude. Die Begeisterung. Den heiligen Ernst, mit dem man auf Platz 47 stolz sein kann.
Also, Gustl: Weitermachen. Weiter fragen. Weiter posten. Weiter auf 2m rufen, auch wenn keiner antwortet.
Irgendwann wird sich schon jemand melden.
Vermutlich mit der Frage, ob du den CTCSS-Ton eingestellt hast.
73 de Hansl Hohlleiter, OE0HHL — der einzige OM, der Gustl immer zurückruft. Nicht aus Mitleid. Sondern weil danach garantiert eine lustige WhatsApp-Nachricht kommt.
Transparenzhinweis
Dieser Artikel ist Satire. Gustl Großsignal und sein Rufzeichen OE8GGS sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder funkenden Personen sind rein zufällig — aber statistisch unvermeidlich, weil in jedem Ortsverband mindestens ein Gustl sitzt. Kein Amateurfunker wurde bei der Erstellung dieses Artikels beleidigt (nur liebevoll durch den Kakao gezogen). Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Alle Inhalte wurden redaktionell geprüft.

