Eine satirische Betrachtung über lokale Größenwahn-Syndrome im Amateurfunkvereinsalltag.
Es gibt Vereine. Und es gibt Ortsstellen. Der Unterschied? Genau – keiner. Zumindest wenn man die Ortsstelle fragt. Es gibt natürlich auch Ortsstellen, die als Vereine organisiert sind und großartige Arbeit leisten – aber um die geht es hier nicht.
Die Ortsstelle als souveräner Staat
Du machst die Amateurfunkprüfung. Du willst dazugehören. Also trittst du dem Verein bei – dem großen, dem offiziellen. Bei der Anmeldung wirst du gefragt: „Welche Ortsstelle?“ Du nennst die nächstgelegene. Oder du bist schon vorher dort gelandet – über das lokale Relais, den Stammtisch, den Funkfreund von nebenan.
Egal wie du dort hinkommst: Ab jetzt bist du nicht einfach Vereinsmitglied. Du bist Mitglied der Ortsstelle. Und die Ortsstelle – das wirst du bald merken – sieht sich nicht als Untergruppe eines Vereins. Sondern als eigenständige Republik mit eigener Außenpolitik.
Die Ortsstelle hat einen „Ortsstellenleiter“. Der hat Visitenkarten. Die Ortsstelle hat „Sitzungen“. Die Ortsstelle hat „Beschlüsse“. Die Ortsstelle hat sogar ein eigenes Logo – in Anlehnung an den richtigen Verein, aber mit einem extra Blitz, weil man sich ja abheben muss.
Was die Ortsstelle nicht hat: eine eigene Rechtspersönlichkeit, ein eigenes Konto, eigene Satzungen und – das ist der springende Punkt – irgendeine Form von tatsächlicher Autorität.
Aber das stört niemanden. Am wenigsten den Ortsstellenleiter.
Die Klubfunkstelle: Mein Schatz!
Das Herzstück jeder selbstbewussten Ortsstelle ist die Klubfunkstelle. OE8XYZ steht am Shack. Die Antenne dreht sich majestätisch auf dem Dach. Der Ortsstellenleiter zeigt sie her wie einen Neuwagen.
Was er dabei gerne verschweigt: Die Klubfunkstelle gehört dem Verein. Dem richtigen. Die Lizenz läuft über den Verein. Die Versicherung läuft über den Verein. Die Antennengenehmigung läuft über den Verein. Aber gefühlt gehört sie natürlich der Ortsstelle. Und wer sie benutzen darf, entscheidet – richtig – der Ortsstellenleiter. Persönlich. Nach Sympathie.
Wer beim letzten Grillfest die falsche Meinung über Vertikalantennen geäußert hat, muss sich hinten anstellen. Oder kommt gar nicht mehr rein. Hausrecht, sagt der Ortsstellenleiter. Dass es nicht sein Haus ist – geschenkt.
Mitglieder ausschließen: Ein Hobby im Hobby
Das Schönste an einer Ortsstelle, die sich für einen Verein hält, ist die Vollversammlung. Einmal im Jahr trifft man sich. Es gibt Kaffee, Kuchen, und eine Tagesordnung, die aussieht wie die eines multinationalen Konzerns.
Und dann kommt der spannende Teil: Es wird abgestimmt. Über Anträge. Über Budgets (die nicht existieren). Und gelegentlich: über den Ausschluss eines Mitglieds.
Ja, du hast richtig gelesen. Eine Ortsstelle – eine Untergruppe ohne Rechtspersönlichkeit – beschließt, ein Mitglied auszuschließen. Aus was genau, ist unklar. Aus der Ortsstelle? Das ist kein Verein. Aus dem Verein? Dazu hat die Ortsstelle keine Befugnis. Aus der WhatsApp-Gruppe? Möglich, aber dafür braucht man keine Vollversammlung.
Trotzdem wird abgestimmt. Mit erhobenen Händen. Feierlich. Der Betroffene bekommt einen Brief. Auf dem steht kein Vereinsbriefkopf – denn den darf die Ortsstelle nicht verwenden – sondern ein selbstgebasteltes Dokument in Comic Sans. „Wir teilen Ihnen mit, dass die Ortsstelle XY in ihrer Sitzung vom…“
Rechtlich hat das ungefähr denselben Stellenwert wie ein Kettenbrief. Aber es fühlt sich für den Ortsstellenleiter verdammt gut an.
Die graue Eminenz
Hinter jedem aufgeblasenen Ortsstellenleiter steht ein Mitglied, das seit dreißig Jahren internationale Funkvereinserfahrung hat und eigentlich alles steuert – der Elmer. Er will nicht Ortsstellenleiter sein – das wäre unter seiner Würde. Aber er flüstert. Er lenkt. Er hat die Telefonnummern. Er weiß, wer wann was gesagt hat. Er zeichnet alles auf der QRG auf und meldet!
Wenn du in die Ortsstelle kommst und dich fragst, warum alle um einen bestimmten OM einen Bogen machen, dann hast du ihn gefunden. Er ist nicht böse. Er ist einflussreich. Und er nutzt diesen Einfluss mit der Subtilität eines Vorschlaghammers.
Will jemand Neues in den Vorstand? „Ich hab da mal mit ein paar Leuten gesprochen…“ Will jemand die Klubfunkstelle modernisieren? „Das haben wir schon 1994 in DL probiert, das funktioniert nicht.“ Will jemand einen Fieldday organisieren? „Bei meinem Rücken?“
Die graue Eminenz ist das institutionelle Gedächtnis der Ortsstelle. Leider erinnert sie sich nur an Dinge, die ihr nützen.
Der Realitätscheck
Liebe Ortsstellen: Ihr seid super. Wirklich. Ihr bringt Leute zusammen, ihr organisiert Fielddays (manchmal), ihr pflegt Relais (manchmal), und ihr seid der erste Anlaufpunkt für neue Funkamateure vor Ort.
Aber: Ihr seid kein Verein. Ihr könnt niemanden ausschließen. Die Klubfunkstelle gehört nicht euch. Und der Ortsstellenleiter ist kein Bürgermeister.
Alles, was ihr wirklich braucht, ist ein bisschen Demut, ein funktionierendes Relais und – natürlich – einen Elmer.
Hamspirit.
73 de Hansl Hohlleiter, OE0HHL
Da Ortsstellenleiter – Das Lied
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[Verse 1]
I bin da Chef vo da Ortsstell
I hob des Sogen do
Mei Klubfunkstell, mei Antenn
Mei Shack, mei Studio
Wer eini will, der frogt mi zerscht
I prüf des gonz genau
Und wer beim Grillfest z’laut wor
Den schick i wieder z’Haus
[Refrain]
Mia san a Verein im Verein
Der kane is, oba kane sogt nein
Mia stimmen ob und schließen aus
Im klansten Funkverein vo gonz Österreich
[Verse 2]
I hob Visitenkortn
Und an Stempel no dazua
Mei Vollversammlung dauert
Vo ocht bis in da Fruah
Da Elmer sitzt im Eck
Und flüstert vor sich hin
Er waß wos 94 wor
Und wos seither net ging
[Refrain]
Mia san a Verein im Verein
Der kane is, oba kane sogt nein
Mia stimmen ob und schließen aus
Im klansten Funkverein vo gonz Österreich
[Bridge]
ZVR-Zohl hobma kane
Sotzungen? Brauch ma net
Oba Hausrecht, des hobma
Ah wenn’s Haus uns net ghört
[Letzter Refrain]
Mia san a Verein im Verein
Der kane is, oba kane sogt nein
Doch anes is uns wirklich wichtig:
73 – und Hamspirit sowieso!
Musik generiert mit Suno AI. Text: oeradio.at-Redaktion & Claude (Anthropic).
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Die redaktionelle Verantwortung und inhaltliche Prüfung liegt bei der oeradio.at-Redaktion. Alle dargestellten Szenarien sind fiktiv und satirisch gemeint.

