CubeSats für Funkamateure: Kleine Satelliten, große Möglichkeiten

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Ein 10 cm großer Würfel, der mit 27.000 km/h über den Himmel zieht – und du kannst über ihn funken. CubeSats haben den Amateurfunksatellitenverkehr demokratisiert: Wo früher riesige Budgets und jahrelange Entwicklung nötig waren, ermöglichen heute Universitäten, Schulen und Amateurfunk-Organisationen weltweit eigene Satellitenmissionen. In diesem Artikel erfährst du, welche CubeSats aktuell aktiv sind, wie du sie empfängst und über sie funkst – auch mit bescheidener Ausrüstung.

Was sind CubeSats?

Der CubeSat-Standard wurde 1999 an der California Polytechnic State University entwickelt. Eine Einheit (1U) misst exakt 10 × 10 × 10 cm und wiegt maximal 1,33 kg. Größere Satelliten werden als 2U, 3U oder 6U bezeichnet – einfach mehrere Würfel aneinandergereiht. Die standardisierte Bauform ermöglicht günstige Starts als „Mitfahrgelegenheit“ auf größeren Raketen.

Für Funkamateure sind CubeSats besonders interessant, weil viele von ihnen Amateurfunk-Transponder tragen: FM-Repeater für einfache Sprachkommunikation, lineare Transponder für SSB und CW, oder digitale Nutzlasten wie APRS-Digipeater. Manche Satelliten senden Telemetriedaten, die jeder mit einem einfachen SDR-Empfänger dekodieren kann.

Aktive Satelliten mit Amateurfunk-Transpondern

Die Welt der Amateurfunksatelliten ist überraschend lebendig. Hier ein Überblick über die wichtigsten aktuell aktiven Satelliten – vom Oldtimer bis zum Neuling:

FM-Repeater-Satelliten – Der einfachste Einstieg

SO-50 (SaudiSat-1C) – Gestartet im Jahr 2002 (!) und immer noch aktiv: der dienstälteste FM-Amateurfunksatellit im Orbit. Uplink auf 145,850 MHz (CTCSS 67,0 Hz zur Aktivierung), Downlink auf 436,795 MHz. Ein verlässlicher Klassiker für den Einstieg.

SO-124 (HADES-R) – Gestartet am 14. Januar 2025, gebaut von AMSAT-EA (Spanien). Aktiv seit Februar 2025 mit FM-Repeater auf 145,925 MHz (Uplink) und 436,885 MHz (Downlink). Zusätzlich Unterstützung für digitale Betriebsarten einschließlich APRS.

SO-125 (HADES-ICM) – Der zweite spanische Satellit, gestartet am 14. März 2025. Ein SDR-basierter FM- und Digital-Repeater auf 145,875 MHz (Uplink) und 436,666 MHz (Downlink).

ISS Cross-Band-Repeater – Die Internationale Raumstation verfügt über ein Kenwood TM-D710GA, das als FM-Repeater arbeitet: Uplink 437,800 MHz, Downlink 145,800 MHz. Aktiv, wenn keine geplanten ARISS-Schulkontakte stattfinden. Das ARISS-Programm feiert übrigens 25 Jahre ununterbrochenen Amateurfunkbetrieb auf der ISS!

Lineare Transponder – SSB und CW aus dem Orbit

AO-7 (AMSAT-OSCAR 7) – Die Legende. Gestartet am 15. November 1974, ist AO-7 der älteste noch funktionierende Satellit überhaupt – nicht nur im Amateurfunk, sondern von allen Satelliten im Orbit! 1981 „gestorben“ durch einen Batteriefehler, 2002 auf wundersame Weise wieder zum Leben erwacht, als eine defekte Batteriezelle sich öffnete. Wechselt je nach Sonnenbeleuchtung zwischen Mode A (2m hoch / 10m runter) und Mode B (70cm hoch / 2m runter). Täglich werden Kontakte über AO-7 geloggt.

RS-44 (DOSAAF-85) – Russischer Satellit in einer hohen elliptischen Umlaufbahn (1175 × 1511 km). Das bedeutet lange Überflüge und große Footprints. Linearer inverting Transponder: Uplink 145,935–145,995 MHz, Downlink 435,610–435,670 MHz. Einer der beliebtesten SSB/CW-Satelliten.

AO-73 (FUNcube-1) – Gebaut von AMSAT-UK, seit 2013 im Orbit und noch immer aktiv im 24/7-Transponderbetrieb. Linearer Transponder: Uplink 435,150–435,130 MHz LSB, Downlink 145,950–145,970 MHz USB. Zusätzlich sendet er Telemetriedaten auf 145,935 MHz (BPSK, 1200 Baud), die mit der FUNcube-Dashboard-Software dekodiert werden können.

QO-100 (Es’hail-2) – Der Star am Amateurfunkhimmel: der weltweit einzige geostationäre Amateurfunksatellit auf 25,9° Ost. Rund um die Uhr erreichbar, von Brasilien bis Indien. Schmalbandtransponder (250 kHz) für SSB/CW/Digital auf 2,4 GHz hoch / 10,5 GHz runter, plus ein 8-MHz-Breitbandtransponder für DATV. Kein CubeSat, aber der wichtigste Bezugspunkt im Satellitenfunk.

Digitale Satelliten und Digipeater

KNACKSAT-2 – Der thailändische CubeSat wurde am 3. Februar 2026 von der ISS ausgesetzt und ist aktiv. Er arbeitet als APRS-Digipeater auf 145,825 MHz mit 9600 bps FSK/AX.25. Zu 98% in Thailand gebaut – ein beeindruckendes Projekt der King Mongkut’s University.

ISS APRS-Digipeater – Auf 145,825 MHz arbeitet an Bord der ISS ein APRS-Digipeater, der Positionsmeldungen und Kurznachrichten weiterleitet. Eine faszinierende Möglichkeit, APRS-Pakete über die Raumstation zu senden.

Geplante Missionen: Was kommt als Nächstes?

Die Pipeline an geplanten Amateurfunksatelliten ist vielversprechend:

AMSAT GOLF-TEE – Ein 3U-CubeSat mit ausklappbaren Solarpanels, Lageregelung und einem V/U-Lineartransponder. Nachdem NASA die Startgelegenheit über das CubeSat Launch Initiative (CSLI) im Juli 2025 zurückgezogen hat, sucht AMSAT eigenständig nach einer Startmöglichkeit. Der Bau läuft weiter.

futureGEO – Das ambitionierteste Projekt: AMSAT-DL und die ESA planen einen Nachfolger für QO-100 mit erweitertem Footprint bis Nordamerika. Zwei Transponder auf 5,6 GHz hoch / 10 GHz runter sind vorgesehen – 250 kHz Schmalband und 1 MHz Breitband. Die ESA hat 250.000 EUR für eine Machbarkeitsstudie bereitgestellt. Geplanter Workshop auf der HAM RADIO 2026 in Friedrichshafen. Zeithorizont: ca. 2029–2030.

JAMSAT „Blueberry JAM“ – Die japanische AMSAT-Organisation entwickelt einen Open-Source-Multimode-Transponder für CubeSats. Ziel: Einsatz auf bis zu 10 Raumfahrzeugen. Das Engineering Model soll Mitte 2026 fertig sein.

ESA Fly Your Satellite! – Im Rahmen dieses ESA-Programms bauen europäische Studenten CubeSats, die auf UHF senden. Funkamateure sind eingeladen, die ersten Signale nach dem Start zu empfangen – ein toller Einstieg in den Satellitenempfang.

CubeSats empfangen und tracken

Um einen Satelliten zu arbeiten, musst du wissen, wann er über deinen Standort fliegt. Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen (LEO) umkreisen die Erde in etwa 90 Minuten – ein Überflug dauert typischerweise 5 bis 15 Minuten.

Tracking-Software

  • GPredict (Linux/Windows/macOS, kostenlos) – Der Allrounder: Tracking, Überflugvorhersage, Rotorsteuerung und automatische Doppler-Korrektur per CAT
  • SatPC32 (Windows) – Speziell für Satellitenfunk entwickelt, mit Karten, Rotorsteuerung und Radio-Interface
  • N2YO.com – Echtzeit-Tracking im Browser, keine Installation nötig
  • Look4Sat (Android, kostenlos) – Open-Source-App mit 5000+ Satelliten, Überflugvorhersage und Polardiagramm
  • ISS Detector (Android/iOS) – Einfache App, die 5 Minuten vor einem Überflug warnt

Alle Programme benötigen aktuelle TLE-Daten (Two-Line Elements) – Bahndaten, aus denen die Satellitenposition berechnet wird. Die wichtigste Quelle ist CelesTrak, ergänzt durch die AMSAT Keplerian Elements.

Doppler-Korrektur

Bei 27.000 km/h Orbitalgeschwindigkeit verursachen LEO-Satelliten eine erhebliche Doppler-Verschiebung – mehrere kHz während eines Überflugs. Bei FM-Satelliten reicht es, die Frequenz in 5-kHz-Schritten manuell nachzuführen. Bei SSB/CW-Satelliten ist kontinuierliches Nachstimmen nötig – hier hilft Tracking-Software wie GPredict oder SatPC32, die den Transceiver per CAT automatisch korrigiert.

Antennen: Vom Gummiwurst bis zur Tracking-Station

Die gute Nachricht: Du brauchst keine riesige Antenne, um CubeSats zu empfangen oder über sie zu funken. Es gibt verschiedene Stufen:

Stufe 1: Handfunkgerät mit Stummelantenne

Ja, es funktioniert tatsächlich! Mit einem einfachen Handfunkgerät (z.B. Baofeng UV-5R oder Kenwood TH-D72) und der mitgelieferten Antenne kannst du starke FM-Satelliten wie SO-50 und den ISS-Repeater bei Überflügen nahe am Zenit empfangen und arbeiten. Ein Upgrade auf eine Nagoya NA-771 Antenne verbessert die Ergebnisse deutlich.

Stufe 2: Tragbare Richtantenne (empfohlen für Einsteiger)

Die Arrow II Antenna (ab 132 USD) ist die beliebteste Satellitenantenne für Einsteiger: eine Dualband-Handheld-Yagi mit 3 Elementen für 2m und 7 Elementen für 70cm auf einem gemeinsamen Boom. Leicht genug, um sie während eines Überflugs von Hand nachzuführen. Mit dieser Antenne werden die meisten FM- und viele SSB-Satelliten problemlos erreichbar.

Stufe 3: Omnidirektionale Feststation

Wer nicht jedes Mal mit der Antenne dem Satelliten hinterherlaufen möchte, installiert eine Eggbeater-Antenne: zirkular polarisiert, omnidirektional für Überflüge über Kopf, ohne Nachführung. Zwei Ganzwellenschleifen in Quadratur erzeugen ein halbkugelförmiges Strahlungsdiagramm nach oben. Kann für etwa 50 EUR pro Band als Selbstbau realisiert werden.

Stufe 4: Vollständige Tracking-Station

Die Königsklasse: Yagi-Antennen auf einem Azimut/Elevations-Rotor (z.B. Yaesu G-5500DC, ca. 800–1000 USD). Separate oder kreuzpolarisierte Yagis für 2m und 70cm, gesteuert von Software wie SatPC32 oder GPredict. Damit sind auch schwache Satelliten und SSB-Betrieb komfortabel möglich.

Frequenzen und Betriebsarten

Amateurfunksatelliten nutzen hauptsächlich das 2-Meter- und 70-Zentimeter-Band:

FM-Transponder (einfachster Einstieg)

FM-Satelliten arbeiten als Crossband-Repeater im Weltraum. Typischerweise wird auf 2m hochgesendet und auf 70cm empfangen (oder umgekehrt). Du brauchst ein Dualband-Handfunkgerät mit Vollduplex-Fähigkeit – oder zwei separate Geräte. Wichtig: Bei manchen Satelliten (z.B. SO-50) muss ein CTCSS-Ton mitgesendet werden, um den Transponder zu aktivieren.

Lineare Transponder (SSB/CW)

Lineare Transponder übersetzen ein ganzes Frequenzband vom Uplink zum Downlink. Mehrere QSOs können gleichzeitig stattfinden – wie auf einem regulären Band, nur im Weltraum. Die meisten sind „invertierend“ (LSB rein wird USB raus). Der Trick: Wenn du den Downlink auf eine Station abstimmst und stabil hältst, stimmt der Uplink automatisch.

Telemetrie empfangen

Auch ohne Sendelizenz kannst du Satelliten empfangen! Viele CubeSats senden Telemetriedaten (Batterispannung, Temperatur, Solarpanel-Strom) als BPSK- oder FSK-Signal. Mit einem RTL-SDR und Software wie SatDump, FUNcube Dashboard oder FoxTelem kannst du diese Daten dekodieren. Das SatNOGS-Netzwerk ermöglicht es dir sogar, eine eigene automatisierte Bodenstation zu betreiben und Telemetriedaten zur globalen Datenbank beizutragen.

AMSAT: Die Organisation dahinter

Hinter den meisten Amateurfunksatelliten steht die AMSAT (Radio Amateur Satellite Corporation), gegründet 1969 in Washington D.C. Es gibt nationale Ableger weltweit:

  • AMSAT-NA – Die Original-Organisation. Baut die Fox-Serie und das GOLF-Programm, betreibt die Live OSCAR Satellite Status Page
  • AMSAT-DL – Der deutsche Ableger. Verantwortlich für AO-40, die Bodenstation Bochum und das futureGEO-Projekt
  • AMSAT-OE – Der österreichische Ableger, aktiv im QO-100-Betrieb und bei DXpeditionen
  • AMSAT-UK – Das FUNcube-Projekt und exzellente Einsteiger-Anleitungen
  • AMSAT-EA – Spanien, baut die HADES-Serie (SO-124, SO-125)

So steigst du ein

Der Einstieg in den Satellitenfunk ist einfacher als die meisten denken. Hier ein konkreter Fahrplan:

  1. Tracking-App installieren: Look4Sat oder ISS Detector auf dem Smartphone – sofort weißt du, wann der nächste Satellit über deinen Standort fliegt.
  2. Zuhören: Mit einem Handfunkgerät oder RTL-SDR die Downlink-Frequenz eines FM-Satelliten (z.B. SO-50 auf 436,795 MHz) empfangen. Du wirst QSOs hören!
  3. Erster eigener Kontakt: Mit einem Dualband-Handfunkgerät den Uplink senden und gleichzeitig den Downlink empfangen. Kurze Durchgänge – Rufzeichen, Locator, Rapport – das war’s.
  4. Antenne verbessern: Eine Arrow II oder vergleichbare Handheld-Yagi kaufen oder bauen. Damit werden auch schwächere Satelliten erreichbar.
  5. Community beitreten: AMSAT-OE oder AMSAT-DL Mitglied werden, die AMSAT Status Page regelmäßig besuchen und eigene Beobachtungen melden.

Fazit

CubeSats haben den Satellitenfunk revolutioniert. Vom 50 Jahre alten AO-7, der einfach nicht sterben will, über die neuen spanischen HADES-Satelliten bis zum geostationären QO-100 – die Auswahl an Amateurfunksatelliten war noch nie so groß. Und mit dem futureGEO-Projekt steht möglicherweise eine neue Ära bevor.

Das Beste daran: Du brauchst keine Spezialausrüstung. Ein Handfunkgerät und eine freie App reichen für den Anfang. Wenn dann das erste SSB-Signal über RS-44 aus deinem Lautsprecher kommt – ein Signal, das gerade den Weltraum durchquert hat – ist der Funke übergesprungen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Nützliche Links

73 – eure oeradio.at-Redaktion


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Alle Fakten wurden nach bestem Wissen geprüft — für aktuelle technische Details empfiehlt es sich, die verlinkten Originalquellen zu konsultieren.

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