Ein dreckiger Eisberg, 130 Meter lang, 50 Meter breit und 16 Meter hoch. Und die halbe Amateurfunkwelt dreht durch.
Die Besatzung der Polarstern – Deutschlands schwimmender Stolz, ein Forschungseisbrecher des Alfred-Wegener-Instituts aus Bremerhaven – hat im Weddellmeer etwas gefunden, das die Welt nicht gebraucht hat: Eine Insel. Namenlos, auf keiner Seekarte verzeichnet, bisher nur als „Gefahrenzone“ markiert. 130 Meter lang. 50 Meter breit. Ein Felsen im Packeis, der aussieht wie ein dreckiger Eisberg.
Die Wissenschaftler haben das Ding per Drohne vermessen, mit dem Echolot abgetastet und dokumentiert. Sehr professionell. Sehr deutsch. Dann sind sie weitergefahren.
Was sie nicht wussten: In dem Moment, in dem die Pressemeldung online ging, war in den DX-Clustern bereits die Hölle los.
DXCC Entity #341: Der Wahnsinn beginnt
Innerhalb von drei Stunden nach Veröffentlichung der Nachricht hatte das ARRL DXCC Committee siebzehn E-Mails, vier eingeschriebene Briefe und einen handgeschriebenen Antrag auf Anerkennung als neues DXCC Entity auf dem Tisch. Einer davon kam aus einem OV in Franken. Mit Stempel.
Die Argumentation war so kreativ wie vorhersehbar: Die Insel liegt im Antarktischen Vertragsgebiet. Kein Land kann Souveränität beanspruchen. Kein Land vergibt ein Rufzeichenpräfix. Ergo: neues Entity. „Es ist de facto ein unregiertes Territorium mit eigenständiger geographischer Identität“, schrieb einer der Antragsteller, vermutlich beim dritten Glas Rotwein.
Dass die Insel kleiner ist als der Parkplatz vor dem Baumarkt, stört niemanden. Sealand hat auch nur 550 Quadratmeter, und da wollten auch schon Leute Amateurfunk machen.
Dagegen war Bouvet ein Kindergeburtstag
Bouvet Island. Nummer 10 auf der DXCC Most Wanted List. 3Y0J hat 2023 rund 715.000 Dollar verbrannt, um dort ein paar Tage zu funken. Die neue 3Y0K-Expedition für 2026 kommt auf 1,7 Millionen. Eins Komma Sieben. Millionen. Dollar.
Aber Bouvet hat wenigstens einen Namen. Ein Rufzeichenpräfix. Eine Geschichte. Und eine Küste, an der man theoretisch anlegen kann, wenn gerade kein Sturm mit 200 km/h bläst – was ungefähr so oft vorkommt wie ein sachliches Gespräch auf 3.740.
Die neue Insel hat: nichts. Keinen Namen, kein Präfix, keine Landefläche, keinen Schutz vor den Elementen und keinerlei Infrastruktur. Aber das macht nichts. Denn wo andere Hindernisse sehen, sehen DXpeditionäre eine Fundraising-Gelegenheit.
Die Sponsoren schlagen Alarm
Noch bevor die Insel einen Namen hat, gibt es bereits drei konkurrierende GoFundMe-Kampagnen, eine Patreon-Seite und ein Spendenformular, das verdächtig nach 2006 aussieht. Gesamtvolumen nach 48 Stunden: 43.000 Dollar. Wohin das Geld fließt? Gute Frage. „Logistik und Planung“, steht auf einer der Seiten. Auf einer anderen: „Wir brauchen ein antarktisches Landungsboot, einen Generator und 14 Monobander.“
Die Northern California DX Foundation – die bei 3Y0J schon 100.000 Dollar auf den Tisch gelegt hat – hat vorsorglich ein Statement veröffentlicht: „Wir beobachten die Situation.“ Was übersetzt heißt: „Bitte hört auf, uns E-Mails zu schicken.“
Ein DX-Cluster-Regular hat bereits kalkuliert, dass eine seriöse DXpedition auf die Insel – mit Schiff, Hubschrauber-Backup, 20 Operatoren und vier Containern voll Equipment – rund drei Millionen Dollar kosten würde. Dagegen ist Bouvet ein Betriebsausflug.
Der Präfix-Krieg
Und dann die Rufzeichenfrage. Wer vergibt ein Rufzeichen für eine Insel, die keinem Land gehört? Normalerweise regelt das der Antarktisvertrag – aber der regelt Funkbetrieb nicht explizit. Die Insel liegt in der Nähe von Joinville Island, das vom britischen Antarktisterritorium beansprucht wird. Gleichzeitig beansprucht Argentinien das Gebiet. Und Chile auch. Drei Länder, null Zuständigkeit, ein Felsen.
In den DX-Foren werden bereits Präfixe gehandelt wie Kryptowährungen:
- VP8/ANT – weil die Briten sowieso alles beanspruchen
- LU/Z – weil Argentinien findet, das Weddellmeer ist eigentlich eine Bucht von Buenos Aires
- CE9/X – weil Chile bei Antarktis-Debatten grundsätzlich mitmacht
- DP0 – weil die Deutschen die Insel gefunden haben und die Polarstern sowieso cooler ist als jeder Kreuzer
- XX9ICE – ein Vorschlag aus einem Discord-Server, der vermutlich nicht ernst gemeint war, aber 47 Upvotes hat
Die IARU hat noch nichts gesagt. Die ITU hat noch nichts gesagt. Die ARRL hat gesagt, man werde die Situation „evaluieren“. Was übersetzt bedeutet: Es wird ein Subcommittee gegründet, das in zwei Jahren ein Whitepaper veröffentlicht, das niemand liest.
Das Expeditions-Casting
Drei DXpeditions-Teams haben bereits Interesse angemeldet. Eines davon besteht aus erfahrenen Antarktis-Veteranen mit nachgewiesener Logistik-Kompetenz. Die anderen zwei bestehen aus jeweils einem OM mit einem IC-705, einer Wishlist und einem Instagram-Account mit 200 Followern.
In einem Amateurfunkforum wurde bereits diskutiert, ob man nicht einfach einen Ballon mit einem FT8-Transceiver über der Insel abwerfen könnte. „Zählt als Aktivierung“, argumentierte der Verfasser. „Wenn der Ballon den Felsen berührt, ist die Station auf der Insel.“ Die Diskussion lief 14 Seiten, bevor ein Moderator sie geschlossen hat.
Ein anderer hat vorgeschlagen, die Insel einfach zu kaufen. Auf den Hinweis, dass man Antarktis-Territorium nicht kaufen kann, antwortete er: „Dann halt leasen.“
Die unbequeme Wahrheit
Niemand spricht es aus, also mach ich es: Die Insel wird in zwanzig Jahren nicht mehr da sein. Der Permafrost taut, die Antarktis verliert Eis in einem Tempo, das selbst Klimaforscher überrascht, und ein 130-Meter-Felsen im Weddellmeer ist nicht gerade Gibraltar. Es ist buchstäblich ein dreckiger Eisberg, der zu langsam schmilzt, um als solcher durchzugehen.
Aber das interessiert niemanden. Denn das DXCC-Programm kennt keine Verfallsdaten. Wenn die Insel in den nächsten drei Jahren als Entity anerkannt wird, zählt sie für immer. Selbst wenn sie 2045 ein Korallenriff in zwei Metern Wassertiefe ist.
Und genau das ist der Punkt, an dem aus Hobby Wahnsinn wird: Dreieinhalb Millionen Dollar, um auf einem schmelzenden Felsen im schlimmsten Wetter der Welt ein paar tausend CQ-Rufe in den Äther zu blasen – damit irgendein OM in seiner Excel-Tabelle eine Zahl von 339 auf 340 ändern kann.
Ist das verrückt? Ja.
Werden sie es trotzdem machen? Natürlich.
Willkommen im Amateurfunk.
73 de Hansl Hohlleiter, OE0HHL
Quellen
- Der Standard: Expeditionsteam entdeckt Insel, die auf keiner Seekarte verzeichnet war
- Alfred-Wegener-Institut (AWI) – Polarstern-Expedition
- ARRL DXCC Program
- Club Log DXCC Most Wanted List
- 3Y0K Bouvet Island DXpedition
Transparenzhinweis
Dieser Artikel ist Satire. Die Entdeckung der Insel durch die Polarstern-Expedition im Weddellmeer ist real (Quelle: Alfred-Wegener-Institut, Februar 2026). Alles andere – DXpeditionspläne, GoFundMe-Kampagnen, Präfix-Vorschläge, Ballon-Aktivierungen und die Idee, eine antarktische Insel zu leasen – ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, DX-Foundations oder Subcommittees sind rein zufällig, aber statistisch wahrscheinlich. Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Alle Inhalte wurden redaktionell geprüft.

