SOTA meets Star Wars – May the 4th be with you!

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Seit inzwischen gut einem Jahr streife ich nun als SOTA-Aktivistin durch Kärntens Wälder, Hügel, Wiesen und Berge – ausgerüstet mit Funkgerät, Antenne, altertümlichem Papierlog und gelegentlich mehr Optimismus als Orientierungssinn. Doch erst jetzt entdeckte ich beim Stöbern auf der SOTA-Datenplattform einen kleinen und unscheinbaren Button: die Liste der verfügbaren Badges.

Bislang habe ich diese Auszeichnungen ungefähr so bewusst wahrgenommen, wie ein Stormtrooper seine Trefferquote. Doch diesmal bleibe ich hängen. Zwischen allerlei unterschiedlichen Challenges springt mir plötzlich ein Badge ins Auge: der „Star Wars Day“. Zuerst verstehe ich nur Bahnhof. „May the 4th?“ Hä? Steht in ein paar Tagen an? Bis dann recht zögerlich doch der berühmte Jedi-Geistesblitz einschlägt: „May the Force be with you!“ Natürlich! Der 4. Mai! Die Macht! Und dann lese ich weiter: Bei fünf Aktivierungen winkt das legendäre Badge „Obi Wan“.

Eine Frau, ein Ziel – wäre doch gelacht, wenn das nicht hinzubekommen wäre. Und in diesem Moment gibt es kein Zurück mehr. Oder wie Meister Yoda sagen würde: „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“

Nun fällt der 4. Mai heuer zwar auf einen Montag, aber mit Homeoffice-Beginn um 0600 Küchenzeit und Zeitausgleich ab Mittag erscheint mein Plan plötzlich völlig realistisch – zumindest in jener Parallelwelt, in der Amateurfunker*innen ihre Zeitplanung machen. Fünf von mir bisher unbezwungene SOTA-Hügel rund um Klagenfurt sollten doch jedenfalls machbar sein. Soweit der Plan.

Schon am späten Vormittag sehe ich den Spot von Dominik OE8DLE am Falkenberg aufleuchten. Offenbar kämpft er dort gerade heldenhaft gegen die dunkle Seite der Funkstille an. An einem Montagvormittag sind schließlich alle OMs und YLs brav in der Arbeit – oder schlimmer noch: in diversen Online-Meetings. Aber jedenfalls ein weiterer, der diesen hohen SOTA-Feiertag ordentlich zu würdigen weiß und seine etwas verlängerte Mittagspause nicht mit Mittagessen verschwendet. Man könnte fast sagen: „Help me, Obi-Wan Kenobi, you’re my only hope.“

Ich lasse in der QRL abrupt alles liegen und stehen, sprinte mit dem Handfunkgerät in den Garten und unterstütze mit einem schnellen Chaser-QSO die Aktivierung. Zusammenhalt bei SOTA ist schließlich stärker als jeder läppische Todesstern.

Planet 1: Hammerberg

Punkt 1200 startet dann meine eigene Mission. Erster Planet, sprich, erster Gipfel: der „Hammerberg“. Ein dicht bewaldeter Hügel mit vermeintlich kurzem Aufstieg, aber wie so oft gilt: Der wahre Gegner ist nicht der Berg, sondern der unmarkierte Weg dorthin.

Am Gipfel angekommen freue ich mich sofort über ein Summit2Summit-QSO mit Slavko S53XX, der bereits am „Minichoutz“ QRV ist. Hier bleibt nur zu sagen: „Die Macht ist stark in diesem hier“, denn er ist einer der aktivsten Bergfunker in der Umgebung.

Nach einigen flotten QSOs auf KW und UKW geht es gleich zügig weiter – schließlich lautet die Devise heute ja nicht „gemütlicher Funkwandertag“, sondern vielmehr „Der Aufstieg Skywalkers in Fast Forward“.

Planet 2: Gracarca am Klopeinersee

Nächster Halt: die „Gracarca“ am Klopeinersee. Die Kurzwelle liefert rasch ausreichend Verbindungen und auch ein paar UKW QSOs sind drinnen. Fast höre ich Han Solo schon sagen: „Flieg locker, Chewie!“

Planet 3: Kitzelsberg

Weiter geht’s zum „Kitzelsberg“. Auch hier wird die KW aufgebaut und es gelingt sogar eine Bodenwellenverbindung mit OE7NMI/P in seinem Feriendomizil nahe Eisenkappel. Die Aussicht auf den Klopeinersee ist derart schön, dass ich gerne die Seele hätte baumeln gelassen, doch die Zeit drängt bereits wie ein imperialer Countdown.

Planet 4: Koschitz

Also weiter zur nahegelegenen „Koschitz“. Diesmal warten doch einige Höhenmeter entlang eines schönen Kreuzwegs. Endlich oben angekommen sehe ich… den Wald vor lauter Bäumen nicht. Viele Bäume. So viele Bäume, dass selbst ein Ewok sagen würde: „Jetzt reicht’s aber langsam“. Da ja noch ein fünfter Berg geplant ist, verzichte ich diesmal mutig auf den Aufbau der Kurzwelle und versuche mein Glück auf UKW, hoffend, dass in Kärnten abends doch wer auf der Direktfrequenz QRV ist. Doch die Verbindungen laufen zäher als „Jabba the Hutt“ nach einem All-inclusive-Buffet. Ganze 30 Minuten dauert es, bis endlich die erforderlichen vier QSOs im Log stehen. Offenbar sind die meisten bereits beim wohlverdienten Abendessen oder (ich hoffe nicht) vielleicht auch schon in Carbonit eingefroren – wer weiß.

Glücklicherweise lässt auch der legendäre SOTA-Meister OE8KKK von sich hören, jener, der zu Beginn der SOTA-Ära in der Umgebung so ziemlich jeden Berg das erste Mal befunkt hat – eine Ehre, die uns Spätberufenen auf ewig verwehrt bleiben muss. Aber die Zeit drängt und zum gemütlichen Ratschen bleibt heute leider mal wieder keine Zeit. Also schnell wieder hinunter und weiter Richtung „Skarbin“.

Planet 5: Skarbin – Die Dagobah-Höhle

Der Aufstieg dort ist kurz, aber die Anfahrt zieht sich deutlich. Als ich schließlich am mir unbekannten Ort ankomme, hat bereits die Dämmerung eingesetzt. Vor mir: ein tief dunkler dichter Fichtenwald. Hinter mir: meine langsam schwindende Motivation.

Und so stehe ich da wie Luke vor der Dagobah-Höhle und frage mich: „Was ist da drin?“ Und Meister Yoda antwortet sanft: „Nur das, was du mitnimmst“. In meinem Fall: Stirnlampe, Funkgerät, einen Handyakku mit nur noch 10 % und ein mulmiges Gefühl im Bauch.

So stehe ich nun grübelnd da und plötzlich ertönt ein dumpfes, lautes Röhren. Ich zucke zusammen. Mein erster Gedanke: Darth Vader oder ein anderer Sith-Lord der Kommune? Ich schaue um mich und entdecke dann ein zierliches, süßes Rehlein unschuldig auf der Wiese stehen, das – ich kann es zunächst nicht glauben –dieses schier unheimliche Geräusch wohl verursacht hat. Wenige Sekunden später antwortet ein weiteres Röhren aus einem anderen Waldstück und auch ein drittes aus einer anderen Ecke lässt nicht lange auf sich warten.

Weiterhin unschlüssig am Waldrand stehend, höre dem befremdlichen Lärmen der Tiere zu und mir wird langsam klar: Ich bin offenbar mitten in einer sehr privaten „Hormon-Funkrunde“ der heimischen Rehwelt gelandet – und die Tierchen des Waldes arbeiten dabei mit deutlich mehr Leistung als auf 2 m FM jemals erlaubt wäre. Das einzelne Rehlein auf der Wiese wirkt dabei zunächst noch entzückend harmlos – quasi die Padawan-Stufe der Partnersuche. Doch die Antworten aus dem finsteren Wald erklingen in derart tiefer Tonlage, dass selbst Darth Vader kurz respektvoll nicken würde.

Und so entwickelt sich die Szene binnen weniger Minuten zu einem regelrechten Pile-up der Gefühle. Von links röhrt es, von rechts antwortet es, an anderer Stelle knackt es verdächtig im Unterholz – und ich stehe meinerseits verunsichert direkt in der Mitte, so wie eine leicht überforderte Contest-Managerin auf einer äußerst biologischen Frequenz.

Nun beginne ich endgültig zu überlegen: Es ist inzwischen doch ziemlich dunkel und mein Handy steht kurz vor Order 66. Vor meinem inneren Auge beginnt meine Phantasie krisenhaft Purzelbäume zu schlagen, und so sehe ich mich schon orientierungslos durch den finsteren Wald irren, während die heimische Polizei mit kompetenten Suchhunden eine groß angelegte Rettungsaktion startet und irgendwo im Hintergrund die Imperiale Marschmusik läuft.

Diese Schmach will ich nun wirklich nicht riskieren, zumal mir Wolfgang OE8GWQ, seines Zeichens hochrangiges Exekutivorgan des Landes, doch am letzten Gipfel das vierte punktebringende QSO gesichert hat. Nö… und so meldet sich schließlich doch die helle Seite der Macht: „Dein Fokus bestimmt deine Realität.“ Und diese Realität lautet: Der fünfte Berg muss heute nun wirklich nicht mehr sein…

In diesem Sinne genieße ich noch kurz die schöne Dämmerung und würdige den spektakulären Liebestaumel der sonst so friedlich anmutenden Waldbewohner*innen, bevor ich schließlich vernünftig den Rückzug antrete.

Im Dunkeln zuhause angekommen merke ich erst, wie erledigt ich bin, beantworte noch ein paar besorgte WhatsApps von OMs und YLs und falle schließlich müde mit einem Schmunzeln ins Bett.

Das Badge-Drama

Man möchte meinen, die Geschichte findet nun ein Ende – aber nein, denn am nächsten Tag folgt dann noch eine winzige Tragödie in meinem imperialen Star-Wars-Universum: Beim Loggen stelle ich nach dem zweiten Berg fest: kein neues Badge. Huch. Nach dem dritten ebenfalls nichts. Oh. Und dann die ernüchternde Erkenntnis: Man erhält wohl pro Jahr nur einen Stufenaufstieg beim Star-Wars-Badge.

Ja, ich bin ein bisschen enttäuscht, aber egal, ich nehme es ein weiteres Mal mit Humor. Immerhin bin ich meinem persönlichen Ziel, die Kärntner Heimat mit Funk zu erkunden, vier weitere Berge nähergekommen – und das ist immerhin schon mal was. Oder, wie es Meister Yoda wohl abschließend sagen würde: „Geduld du haben musst, meine SOTA-Funkerin“ und „Viel zu lernen du noch hast.“

In diesem Sinne: Möge die Macht mit Euch sein! 73 de OE8YYY, Christina

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