Mein allererstes SOTA QSO hatte ich mit Michael OE5HKT am Buschberg OE/NO-207 auf 491m am 14. Juni 2025. Arnold OE1IAH nahm mich und einige andere Frischlizensierte an diesem Tag unter seine Fittiche, und es ging uns allen gleich. Jeder zitterte und stotterte sich durch die QSOs und war danach schweißgebadet.
Heute, am 1. Februar 2026 starte ich um einiges selbstsicherer mit Christina OE8YYY meine 48. SOTA-Aktivierung. Wir stapfen im Schnee gut gelaunt um 8 Uhr 31 vom Parkplatz neben dem Alpengasthof Malle in Zell-Pfarre dem Freiberg (Setice) OE/KT-106 entgegen. 3 Stunden liegen vor uns, und bislang wurde er erst von 5 Funkern aktiviert, sagt uns Sotlas.

Christina und ich haben uns auch gesucht und gefunden. Wir haben beide im Frühjahr 2025 ziemlich zeitgleich unsere CEPT1 Lizenzprüfung abgelegt und ergänzen uns perfekt. Sie ist die Ruhe in Person, und ich renne und rede wie ein aufgescheuchtes Hendl. So möchte Christina gemütlich und genüsslich wandern, und mich treibt mein ADHS voran. Zuerst aber verlaufen wir uns schon nach 200 Metern. Wer kommt denn auch auf die Idee, einen Wanderweg zwischen zwei Zäunen mit einem Abstand von 80cm entlanglaufen zu lassen.



Nach dieser ersten Irritierung kommen wir am zwar breiten aber extrem vereisten Wanderweg kaum voran. Er ist spiegelglatt und damit die Herausforderung noch etwas größer ist, ist das Eis zusätzlich von einer hauchdünnen Schneeschicht bedeckt. Christina will ihre neuen Wanderschuhe gründlich testen und legt extra nicht ihre Grödeln an. Ich habe von meinen billigen Hofer-Spikes nur mehr eines, da das andere seit 2 Wochen irgendwo am Dreimarkstein OE/ST-127 im Schnee steckt. Funfakt: Christinas Wanderschuhe haben gleich viel gekostet wie mein frisch, auf Willhaben erworbenes ICOM ID-52, das ich heute natürlich auch gründlich weiter teste.



Das Wetter lässt zu wünschen übrig. Es hat Minusgrade, und es ist neblig. Trotzdem ist der Aufstieg kurzweilig und lustig. Wir rutschen, reden und lachen viel und verscheuchen offensichtlich damit auch gleich alle Tiere, denn Anblick haben wir keinen. Der Nebel wird zwischenzeitlich noch dichter und der Schnee zusehends höher. Der Pessimist in mir sagt, dass wir auch am Gipfel mitten im Nebel stecken werden. Christina ist vom Gegenteil überzeugt. Der Weg wird etwas steiler und langsam setze ich mich etwas von Christina ab. Der Weg war anfangs ausgetreten, die Spuren derer, die vor uns den Freiberg auf 1923m raufwateten, werden jedoch immer weniger. Nach 2 ½ Stunden blinzelt auf einmal die Sonne durch den Nebel, es wird heller und ich rufe zu Christina zurück, dass sie recht hatte.

Weiter geht der Anstieg, jetzt sind nur noch Spuren von einer einzigen Person im Schnee. In diese 30-50cm tiefen Löcher trete ich auch dankbar, denn das Spuren ist wirklich anstrengend, und wir haben insgesamt 1000hm zu bewältigen. 100hm vor dem Gipfel – ich liebe die Outdooractive-App – enden plötzlich auch die letzten Spuren mit einem Tritt in ein 70cm tiefes Loch. Ich starre kurz auf die unberührte, wunderschöne, weiße Schneefläche vor mir und checke in der Outdooractive-App, wo ich jetzt überhaupt hingehen muss. Bislang mussten wir kaum auf Markierungen achten, da Spuren vorhanden waren.
Jetzt ist mein Ehrgeiz erst so richtig geweckt, und ich setze Schritt für Schritt in den tiefen Schnee. Einmal sinke ich so tief und fest ein, zuerst mit dem einen Bein, dann auch noch mit dem anderen, dass mich kurz die Panik ergreift. Robbend schaffe ich es wieder heraus und arbeite mich weiter voran. Gut, dass ich ein bisschen Vorsprung auf Christina habe, denn für diese Passage brauche ich gefühlt ewig und keuche vor Anstrengung.
Zwischendurch frage ich mich tatsächlich, was ich da eigentlich mitten im Winter den Berg hochrampend mache. Andererseits habe ich mit dem Südtiroler OE1JLN eben festgestellt, dass wir hier alle „slightly strange“ sind und dass ich in guter Gesellschaft bin. Der Amateurfunk ist wirklich ein wunderbarer bunter Haufen von außergewöhnlichen Leuten, und ich habe bislang davon sicher erst einen Bruchteil kennengelernt. Was ich mittlerweile weiß, sitzen die einen am Berg oder im Park und aktivieren und testen ihr Material. Manche mehr, manche weniger und manche auch 46 Berge in 3 Wochen auf Sardinien wobei 1 Woche davon sogar krank, gell Julian OE1JLN?
Andere funken offensichtlich am Gleitschirm fliegend und weiß Gott wo überall über die Jahrzehnte hindurch, wie Funker-Urgestein Martin OE8KKK. Wieder andere (oder passen einige in jede Kategorie?) sitzen in ihrem Shack (den Dachboden verkabelt und das Dach verantennt), der technisch keine Wünsche offen lässt und wo man gar nicht wissen möchte, was alles gekostet haben mag. Sie basteln, löten, testen, bauen, entwickeln Apps und Tools und erweitern und verbessern ständig ihre (für mich) technischen Wunderwerke.
Da ich technisch selber besonders tiefbegabt bin, nehme ich sehr dankbar jegliche Hilfe in dieser Hinsicht an. In der Eisvogelgasse im Club in Wien habe ich das erste Mal in meinem Leben etwas gelötet, und ich bin fasziniert von Funkern wie Kurt OE1KBC, durch deren Engagement und unendliche Leidenschaft für den Amateurfunk immer neue Funker und Funkerinnen Teil der Funkerwelt werden. Das gleiche trifft auf Gerhard OE6PGM zu. Ohne ihn hätte ich jetzt weder eine Lizenz noch ein Handfunkgerät im Rucksack. Mit ihm gemeinsam habe ich auch meinen Hausberg in Kärnten, den Mödringberg OE/KT-354 erstaktivieren dürfen. Hier wiederum war mein erstes QSO mit Matthias OE8MPR, der mittlerweile zu einem guten Funkerfreund geworden ist, genauso wie Michi OE8YML, der für Christina und mich sogar eine KW Antenne gebastelt und sie uns geschenkt hat. Seitdem ich stolze Besitzerin des ICOM ID-52 bin, darf ich auch Alex OE8HAM fragen, der hierzu professionellste Auskunft geben kann.
Der letzte „Gupf“ ist steiler und der Schnee dadurch weniger tief. Aufatmend geht es wieder leichter voran, und als ich das Gipfelkreuz sehe, kann mich nichts mehr halten. Ich drehe mich noch einmal kurz um, suche und sehe Christina weiter unten. Ich höre sie fluchen und bin stolz auf sie, wie sie sich durch den Schnee nach oben kämpft.


Am Gipfel ist es eine Spur windiger, und die Sonne will sich leider nicht so recht sehen lassen. Schnell werden ein paar Fotos gemacht und die Lage gecheckt, wo der beste Spot zum Aktivieren wäre. Genau neben dem Gipfelkreuz mache ich ein Loch in den Schnee, ruckzuck ist meine J-Pol-Antenne auf die Stipprute montiert und das Kabel angesteckt. Das geht mittlerweile schon wie im Schlaf. Wenn noch jemand gute Vibes von mir bekommen hat 2025, dann war es definitiv auch Manfred OE5MBP, der mir beim DX-Funkercamp in Döbriach im Sommer diese kleine und feine Drahtantenne gemacht und geschenkt hat.




Die Stipprute ist an das Gipfelkreuz gelehnt, ich setze mich in mein gepuddeltes Schneeloch und höre mal rein auf die S20, 21 und 22. Auf dem Wasserfall des ICOMs sehe ich ein Signal auf der 145.525, wo gerade 3 Slowenen den Slavnik S5/BR-012 aktivieren. Ich arbeite alle 3, und als ich fertig bin, ist auch schon Christina da. Sie sieht überhaupt nicht erledigt aus und strahlt sogar. Ich funke fiebrig auf der freien Frequenz 145.550 weiter und irgendeine gute Seele setzt einen Spot für uns ab. Christina lässt sich nicht stressen, setzt sich neben mich und isst einmal in aller Ruhe.
Meine „normalen“ Freunde fragen mich immer wieder, mit wem ich denn da am Berg so funke. Von den meisten Gegenstationen kenne ich klarerweise nur die Stimme, und mittlerweile gibt es da in Kärnten schon die üblichen Verdächtigen, mit denen man regelmäßig zum Plaudern kommt und auf die ich mich jedes Mal freue, genauso wie auf ein paar fleißige slowenische Stationen.
Das Handfunkgerät wandert mittlerweile von einer zur anderen. Ich tippe alles direkt am Handy mit dem Touchpen in die PoLo-App, den Ham2K Portable Logger ein (danke Matthias!), und Christina schreibt in “Oldschool”-Manier alles händisch auf.




Wir stiften durchaus Verwirrung bei den Gegenstationen, denn wir dürften ähnliche Stimmen haben. So ganz professionell ist dadurch unsere Betriebstechnik heute nicht, aber das wird uns bestimmt niemand übel nehmen. Die Modulation ist nicht vergleichbar mit der meines bisherigen Tidradio-H8, das mir mit seinen 10 Watt 6 Monate lang hervorragende Dienste geleistet hat. Jetzt würde ich am liebsten allen den Rapport 59 geben, denn das Signal ist fast durchgehend laut, klar und rauschfrei. Nach 40 Minuten und sensationellen 24 QSOs im Log, merke ich erst wie kalt mir eigentlich ist.
Nachdem wir QRT gemacht haben und bevor ich ziemlich eingefroren versuche, wieder vom Schnee hochzukommen, bitte ich Christina, noch rasch ein Foto von mir zu machen. Sie lacht laut, denn sie hat schon von allen Seiten welche gemacht. Ich vergesse offensichtlich die Welt um mich herum, wenn ich funke.
Schnell wird alles wieder eingepackt, ich stopfe mir 2 Datteln in den Mund und verschiebe das Jausnen auf später. Wir sind beide glücklich und 8 “Funkte” + 3 wohlverdiente BonusFunkte am Sotlas-Konto reicher.
Bergab hüpfe und springe ich voran. Christina geht es wieder gemütlicher an, und nimmt dadurch ihre Umwelt sichtlich bewusster wahr.




Um 14:44 Uhr stoppe ich die Aufzeichnung des Tracks, den ich am Abend noch über Sotamaps auf Sotlas uploade. Wieder ein cooles Tool, das mir Joe OE5JFE erklärt hat.
Ein herrlicher Tag am Berg geht zu Ende – unsere Schutzengel sind heute offensichtlich nicht vor lauter Erschöpfung zusammengebrochen – und immer wieder stelle ich kopfschüttelnd fest, wie sehr das Funken mein Leben seit einigen Monaten bereichert hat.
Ein bisschen blöd komme ich mir manchmal zwar schon vor, denn mein Whatsapp-Chatverlauf besteht gefühlt nur mehr aus Funkkonversationen, statt dem Handy halte immer öfters das Handfunkgerät in der Hand, und die Sotlas Seite ist ohnehin schon Tag und Nacht offen.
Noch vor einem Jahr hatte ich nicht die geringste Vorstellung von der Vielschichtigkeit des Amateurfunkes. Jetzt kann ich mir meine Welt ohne QSOs gar nicht mehr vorstellen.
Wen wundert es also, dass ich funke, glühe und sprühe für dieses neue und liebgewonnene Hobby!
73 de OE1YLS
Sigrid Magdalena

