Spontan – und in der zunehmend verzweifelten Hoffnung, der hartnäckigen Nebelsuppe im Tal zu entkommen – beschließen wir an einem winterlichen Nachmittag einen After-Work-Ausflug auf den Dobratsch. Mit dabei: Finot, unser stets übermotivierter Leitwolf, Alina und ich.
Oben am Villacher Hausberg strahlt uns die Sonne entgegen, dafür strahlt auch der Parkplatz vor Aktivität: Menschen… Viele Menschen… Mehrere Ehrenrunden später wird klar: Wir sind hier eindeutig nicht im gewohnten „einsamer Gipfel, kontemplatives Schweigen“-Modus unterwegs. Ein erstes Stirnrunzeln. Schließlich ein Parkplatz. Erleichterung.
Der allererste Programmpunkt: die Toilette. In der rund zehnminütigen Warteschlange stellt sich die durchaus berechtigte Frage, ob ein Buch auf der Couch nicht die klügere Lebensentscheidung gewesen wäre. Aber gut – wir sind jetzt nun schon mal hier.
Sobald wir losgehen, erledigen frische Luft, blauer Himmel und strahlende Sonne sämtliche Zweifel im Eiltempo. Mit dabei: mein kleines, tapferes Yaesu FT-65E samt SRJ77-Antenne, das mir bei guter Laune des Äthers mit seinen 5 Watt immer schon 264 km an „Fernverbindung“ beschert hat. Also eigentlich ein Wundergerät. In der Theorie.




Plaudernd (und leicht schnaufend) arbeiten wir uns durch den Schnee nach oben. Gesprächsthema Nummer eins: unsere Kondition. Gesprächsthema Nummer zwei: warum sie früher eindeutig besser war. Die Aussicht ist jedenfalls großartig und lenkt erfolgreich von der konditionellen Realität ab.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir – nicht elegant, aber jedenfalls zufrieden – den Gipfel. Etwas im Zweifel wird nun erstmal alles ausgepackt – werde ich es mit meinem minimalistischen Equipment schaffen, gegen das QRM vom Dobratsch-Sender anzukommen?





Aber zuerst mal den obligatorischen Spot setzen – Frau will ja auf sich aufmerksam machen – und natürlich geht zuerst mal gar nix: die App will nicht so recht funktionieren, der Spot geht nicht durch. Egal – Zeit für ein paar schöne Fotos der wunderschönen Rundumsicht. Schon etwas abgekühlt (der Wind und die Temperaturen ziehen binnen kurzer Zeit doch recht knackig an) und mit klammen Fingern geht’s dann endlich los: der Spot ist durch und der erste Ruf wird abgesetzt. Nun ja: Schweigen im Walde oder besser gesagt auf der QRG.
Und schon regen sich die altbekannten Zweifel: Zuviel QRM? Keine OMs oder YLs QRV? Oder einfach niemand Lust auf ein QSO?
Und dann welch Glück: nach einigem Rufen bahnt sich das Signal von OE8YML mit ordentlichen 50 Watt Sendeleistung, vom nur wenige Kilometer entfernten Nötsch, bedenklich schwankend den Weg durch die Squelch meines Handfunkis. Der SOTA-erfahrene Michi lässt mich dann auch gleich wissen, dass es ganz typisch für den Dobratsch ist, dass das Sendesignal zwar durchgeht, der Empfang jedoch sehr eingeschränkt ist. Und wieder ein Stück gscheiter.
Immerhin: der Berg ist schon mal aktiviert – 3 weitere QSOs fehlen aber noch auf die erhofften 11 Sota-Punkte.
Wir alle haben es im Ohr: „Standortwechsel, Antennenwechsel oder Leistung erhöhen!“… viele Optionen bleiben mir da nicht und ich suche im „Pileup der anderen Art“ unter Beobachtung von reichlich interessiertem Publikum, einem freudig bellenden Finot, eingehenden Abrufen, einem ÖWR-Alarm und der offensichtlich über die Szene recht amüsierten guten Freundin, weiterhin tapfer CQ-Sota rufend, den Weg über den eisigen Hang zum vom Michi empfohlenen Standort.
„Hmmm“… jetzt wird’s aber schon ziemlich bitter kalt und die Hoffnung auf weitere QSOs schwindet rasant. Und dann plötzlich: es herrscht doch aufnehmbares Leben auf dem 2m Äther. Drei weitere wohlvertraute Stimmen, lassen das Funkfrauenherz bei schwankender Signalstärke zwischen 1-1 und 5-9 höherschlagen. Es ist geschafft! Das ist Ziel erreicht! Die 4 QSOs vom Gipfel des Dobratsch sind im Log!
Endlich geht’s nun bei anbrechender Dämmerung und herrlichem Farbespiel der Natur Richtung Hüttenschmaus zum Gipfelhaus. Im warmen Stübchen angekommen, wird ordentlich gespeist und auch unser vierbeiniger Begleiter wird mit einem eigenen „Hundemenü“ von der Karte belohnt.
Beim gemütlichen Zusammensitzen erzählt mir Alina von ihrer Begegnung mit einer Frau am Gipfel, die sich erkundigt hat, „ob ich das denn zum Spaß mache“… gefolgt von ihrem Bericht, dass sie in den späten 60er Jahren selbst mit ihrem Mann gefunkt habe… noch lange vor SOTA fuhren die Beiden mit ihrem Bus durch ganz Europa und hatten selbst Freude an diesem doch recht speziellem Hobby. Ich bin ein weiteres Mal zufrieden – ich war immerhin nicht die einzige „Verrückte“ auf diesem Gipfel.


Inzwischen ist draußen die Nacht angebrochen und es wird Zeit für den Abstieg. Grödeln und Stirnlampe werden angelegt und wir wandern bei herrlich klarer Bergluft, winterlicher Stille und dem romantisch funkelnden Mond über den knirschenden Schnee nach unten. Ein beeindruckender Blick ins Tal zum hell erleuchteten Villach lässt uns noch einmal dankbar für diesen einmaligen Ausflug sein.



Angenehm müde, leicht durchgefroren aber glücklich, erreichen wir den nun menschenleeren Parkplatz. Ab nach Hause – ins Warme, mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
In diesem Sinne liebe OMs & YLs: CQ SOTA? Bitte melden! – es ist echt bitter kalt da oben 😉
73 Christina OE8YYY

