Gipfelpanorama im Toten Gebirge mit SOTA-Flagge, SOTA-Tour OE1YLS

3 Tage im Toten Gebirge – 5200 Höhenmeter – lang, weit, heiß, steinig!

25.6.–28.6.2026

Das Projekt Totes Gebirge kann starten. Seit dem Frühling überlege ich, was ich da alles in 3 Tagen aktivieren kann. Die Hütten da oben kenne ich, die Wege kreuz und quer auch, nur die einzelnen der 7 geplanten Gipfel noch nicht alle – Spitzmauer, Rotgschirr, Schermberg, Elm, Temlberg, Gr. Priel, Hochkogel lachen mich an. Die Outdooractive-App plant und spuckt aus: 61,4km, 30:24 Stunden Gehzeit (ohne Funkzeit) und 5.691hm. Huch! Bei den Höhenmetern stockt mir der Atem. Ich schicke den Screenshot der Tour einem Geocacher-Freund, der das Gebiet gut kennt und einem Funker-Freund.

Der Funker antwortet: „WTF“ mit dem Nachsatz: „Das schaffst du schon. Bist ja fit.“ Der Geo-Cacher schreibt: „Du bist ja völlig wahnsinnig worden.“ Mit dem Nachsatz: „Ja also nein, das geht nicht. Bitte probier mich nicht vom Gegenteil zu überzeugen.“

Na dann, los geht’s! Das Wetter ist traumhaft angesagt – sogar etwas zu traumhaft, denn es wird brutal heiß werden und ich weiß, dass es mit Wasserquellen dort schlecht aussieht. Die Route muss ich etwas von der Reihenfolge her abändern, da die Pühringer-Hütte von SA auf SO schon ausgebucht ist. Am DO (25.6.) nach der Arbeit fahre ich los in Richtung Hinterstoder. Ziel: Parkplatz Polsterlucke und 2 ½ Stunden Wanderung zum Prielschutzhaus.

Nachdem ich mir einbilde, die Kurzwelle auch mitzuschleppen, ist der Rucksack dementsprechend schwer. Und gleich werden es mehr Höhenmeter als geplant, denn nach 2 Drittel des Weges merke ich, dass ich bei der letzten Trinkpause meine Schirmmütze liegen habe lassen. Es hilft nichts, ohne Mütze kann ich unmöglich 3 Tage lang im Toten Gebirge herumkrebsen. Ich überlege nicht lange, lege den Rucksack ab und sprinte circa 200 Höhenmeter wieder nach unten…und danach wieder nach oben…

Auf der Hütte suche ich mir einen ruhigen Platz im Lager – von Donnerstag auf Freitag ist viel Platz und am Freitag (26.6.) starte ich um 7 Uhr in Richtung Spitzmauer (OE/OO-005). Geplant sind heute Spitzmauer, Temlberg (OE/OO-169) und übernachten auf der Pühringer Hütte. Der Hüttenwirt der Prielhütte rät mir, den Stodertaler-Klettersteig rauf und wieder runter zu gehen, da am Normalweg noch Schneefelder sein sollen. Der Aufstieg ist anspruchsvoll und steil und die Aussicht megaschön beim Edelweiß-Gipfelkreuz. Die Endfed ist schnell montiert, und um Viertel nach 10 Uhr beginne ich die QSOs auf 40m, dann 20 und zum Schluss noch auf 2m. Eine Stunde später geht’s auch schon wieder bergab und nach dem Klettersteig am Normalweg weiter zum Temlberg. Als ich ihn sehe, muss ich schlucken. Huch, ist das steil rauf. Na ja, jetzt bin ich schon mal da.

Spitzmauer

Vereinzelt kommen mir andere Wanderer entgegen, aber viel ist heut nicht los. Am Fuße des Temlbergs gebe ich alles, was ich nicht zum Funken brauche aus dem Rucksack raus, in den Hüttenschlafsack rein und verstaue den Sack irgendwo neben einem Felsen. So werde ich das bei jedem Gipfel machen, bei dem der Auf- und Abstieg ident ist. Der Gewichtsunterschied ist enorm. Relativ rasch (obwohl wieder sehr steil) bin ich am Gipfel und lasse mir viel Zeit zum Funken. Es werden 28 QSOs und sogar eines auf 6m und ein anderes auf 10m. Beim Loggen überhitzt mein Handy und gibt kurzzeitig den Geist auf. Vor dem Abstieg lade ich die Logs gleich direkt auf Sotlas hoch, denn bei der nächsten Hütte soll es keinen Empfang geben. Erst gegen 16 Uhr mache ich mich auf den Weg zur Pühringerhütte. In meiner Naivität denke ich, dass die Hütte „gleich ums Eck“ sein wird. Weit gefehlt. Die nächsten 3 Stunden Wanderung kommen mir ewig vor und das Wasser wird verdammt knapp. Das Einzige woran ich denken kann bei der Hitze, ist die Aussicht auf einen Sprung in den See bei der Hütte. Um 19 Uhr komme ich ziemlich k.o. an. Alle sind beim Essen, Hunger habe ich null. Das Essen sage ich beim Hüttenwirt ab, der nicht allzu happy darüber ist, und 5 Minuten später bin ich im See. Erfroren wie ich normalerweise immer bin, kann ich es nicht fassen, wie warm das Wasser ist. Die Sonne ist schon hinter dem Hochkogel verschwunden, aber die Steinplatte, auf die ich mich zum Trocknen lege, wärmt noch wunderbar von unten. Die anstrengende 12 Stunden-Tour ist sofort wieder vergessen. Um 21 Uhr bin ich im Lager und werde die ganze Nacht dauerbeschallt. Um 5 Uhr halte ich es nicht mehr aus und gehe im Pyjama zum See, von dem der Nebel aufsteigt und schwimme ein paar Runden mit Blick auf den Hochkogel. Um nichts auf der Welt möchte ich jetzt woanders sein. Spätestens jetzt weiß ich, dass die Aktivierung des Hochkogels diesem See zum Opfer fallen wird. Am liebsten würde ich den ganzen Tag im, am und um den See verbringen. Der Aufstieg zum Elm (OE/ST-082) startet um 8 Uhr und ich hatte ihn mir leichter vorgestellt. Die Felsspalten und Löcher haben es in sich und man muss bei jedem Schritt aufpassen, wo man hintritt. Beim Aktivieren am Gipfel wird man dafür mit wunderschönem Blick auf den Grundlsee belohnt.

Temlberg

Pühringer Hütte, See & Elm

Obligatorischer Zwischenstopp am See um 11 Uhr. Plantsch, plantsch, Sonnencrème, Wasser auffüllen, weiter geht’s. Dass der Tag auch ohne den Hochkogel lang wird, weiß ich. Kurz vor Mittag zum Rotgschirr (OE/OO-174) zu starten ist nicht die allerbeste Idee, aber die nächste Übernachtung ist auf der Welserhütte geplant und irgendwann werde ich da heute ja wohl noch ankommen.

Mit dem gesamten Gepäck im Rucksack und den aufgefüllten Wasserflaschen schleppe ich mich in der Mittagshitze den steilen Anstieg nach oben. Gegen Ende ist der Weg seilversichert und zwischendurch geht es immer wieder durch Schneefelder. Bei jedem Schneefeld bis Sonntagabend reibe ich mir die Beine, Arme, den Nacken und die Stirn mit Schnee ein. Jedes Mal freue ich mich über die Abkühlung. Fix und fertig komme ich kurz vor 14 Uhr am Gipfel an und vergesse zu meinem Leidwesen, ein Gipfelfoto zu machen. Meine Gedanken sind schon beim Abstieg, denn ich befürchte, dass ich keinen direkten Weg nach vorne finde, sondern alles wieder retour gehen muss, wenn ich den geplanten Abstieg nicht finde, was 3 Stunden Gehzeit mehr bedeuten würde. Dadurch bin ich auch beim Funken abgelenkt und mache bald QRT. Gott-sei-Dank finde ich einen guten und sicheren Abstieg, auf dem ich direkt auf den markierten Weg Richtung Welserhütte komme. Am Weg sehe ich wie jeden Tag vereinzelt Gämse, und kurz vor der Welserhütte ist sogar eine ganze Gams-Family früh abends unterwegs. Es ist mir ein Rätsel, wie die hier überleben können. Das Tote Gebirge ist ein einziger Steinhaufen, und im Moment reflektiert dieser Steinhaufen die Wärme wie der Asphalt in der Stadt.

Rotgschirr

An diesem Tag trinke ich insgesamt sicher 4 bis 5 Liter Wasser und bin wie am Vortag insgesamt 12 Stunden unterwegs. Um 21 Uhr bin ich im Bett und wache am nächsten Tag nach einem Schnarchkonzert sondergleichen auf, als würde ich gleich verdursten. Immerhin sind die Schnarcher mit Schlaf gesegnet. Heute warte ich nicht mehr auf das Frühstück und starte schon um 5:55 Uhr mit schweren Beinen und übermüdet in Richtung Schermberg (OE/OO-163). Der Tag wird auch so genug heiß werden und zum Abschluss wartet noch der Große Priel (OE/OO-004) sowie der lange Abstieg nach Hinterstoder auf mich.

Endlich gehe ich einmal im Schatten los. Bis zum Schluss werden alle Jacken und die lange Windhose unberührt im Rucksack bleiben. Auf keinem der Summits ziehe ich mir etwas über. Den Tassilo-Klettersteig kenne und liebe ich, aber heute geht es auf dem Normalweg rauf. Den könnte man auch gleich zu einem Klettersteig machen. Uff, ist das unerwartet steil. Wer nicht zu komplett trittsicher und schwindelfrei ist, hat hier absolut nichts verloren. Jeden Griff, den ich zum Kraxeln brauche, kontrolliere ich doppelt, ob er nicht nachgibt. Manchmal sind sogar größere Brocken locker. Die gesamte Tour erfordert generell enorme Konzentration. Bei der geringsten Unaufmerksamkeit könnte ein Schienbein in irgendeinem Spalt stecken und durch das viele Geröll ist einfach bei jedem Schritt aufzupassen.

Es ist unfassbar, wie sehr man um 7:30 Uhr in der Früh schon schwitzen kann, aber sensationellerweise bin ich schon um 8 Uhr am Gipfel und baue die Endfed-Antenne auf. Meine super leichte aber billige Stipprute bricht wieder einmal, und ich brauche etwas länger, bis ich CQ Sota rufen kann. Es sind erstaunlich viele Gegenstationen an diesem Sonntag Morgen QRV und ich freue mich über jedes QSO.

Schermberg

Ich habe ein bisschen Angst vor dem steilen Abstieg, aber beflügelt von meinen 7 QSOs auf 6m, bin ich schnell wieder unten. Der letzte Aufstieg auf den Großen Priel (von der Welser Hütte kommend) ist zum Abschluss der leichteste. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Zu Mittag bin ich oben, und jetzt lasse ich mir so richtig viel Zeit zum Funken. Es werden in 1 ½ Stunden 50 QSOs. Auf die Oberösterreicher und Deutschen ist an diesem Wochenende super Verlass und ich bekomme die eine oder andere neue Stimme zu hören. Nur die weiblichen Stimmen vermisse ich.

Großer Priel

Der erste Teil des Abstieges ist durchaus schwer und man merkt, dass der Große Priel oft begangen wird, denn der Fels ist schon relativ abgespeckt und rutschig. Das letzte Mal besonders gut aufpassen, die letzten Schneefelder, und auf einmal ist direkt vor mir eine Wasserquelle. Super kühles und gutes Trinkwasser durch einen Schlauch gefasst. Beide Trinkflaschen werden komplett aufgefüllt. Auf einem Stein sitzend sehe ich zum Prielschutzhaus runter und noch viel weiter unten ist der Parkplatz, wo das Auto auf mich wartet. Als hätte ich es perfekt geplant, bin ich auch am 3. Tag wieder genau 12 Stunden unterwegs. Zweimal habe ich noch besonderes Glück. Beim Prielschutzhaus fährt gerade die Lastenseilbahn nach unten und ich darf meinen Rucksack dazu geben. Mit der Wasserflasche ausgerüstet geht’s die letzten 600 Höhenmeter nach unten. Zwischenstopp bei einem Wasserfall – Füße kühlen – weiter geht’s. Ich hole den Rucksack ab und mache eine letzte Pause bei einem breiten Wildbach. Hier möchte ich kurz baden bevor es dann mit dem Auto noch knapp 3 Stunden retour nach Wien geht. Ich hüpfe rein und bin nach 3 Sekunden wieder heraußen. Damn, ist der Bach kalt! Schneller als geplant bin ich wieder angezogen, gehe vielleicht 10 Meter von den letzten 20 Minuten Fußmarsch, als ein Bus vorbeikommt und mich gratis bis zum Parkplatz Polsterlucke mitnimmt.

Ein paar Kratzer und Abschürfungen nehme ich nach drei Tagen intensivem Felskontakt mit nach Wien, sowie das überwältigende Gefühl circa 5200 Höhenmeter und 6 aktivierte Gipfel geschafft zu haben.

vy 73 de Sigrid Magdalena, OE1YLS

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