WSPR: Die Welt der Ausbreitungsforschung mit 5 Watt

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Stell dir vor, du sendest ein Signal mit weniger Leistung als eine Taschenlampe – und Stationen auf der ganzen Welt empfangen es. Genau das macht WSPR (gesprochen „Whisper“) möglich. Das Weak Signal Propagation Reporter-Netzwerk ist eines der faszinierendsten Werkzeuge im Amateurfunk: Es kartografiert die Ausbreitungsbedingungen der Ionosphäre in Echtzeit, rund um die Uhr, mit minimalem Aufwand.

Ob du wissen willst, welches Band gerade offen ist, ob deine neue Antenne funktioniert, oder einfach staunen möchtest, wie weit 200 Milliwatt tragen können – WSPR liefert die Antworten. In diesem Artikel erfährst du alles über das Protokoll, die Einrichtung mit WSJT-X, dedizierte Baken-Hardware und die rechtliche Situation in Österreich.

Was ist WSPR?

WSPR wurde 2008 von Joe Taylor, K1JT (Nobelpreisträger für Physik!) entwickelt – demselben Mann, der uns auch FT8 und JT65 geschenkt hat. Das Protokoll ist speziell für die Erforschung der Funkausbreitung konzipiert und arbeitet mit extrem schwachen Signalen.

Die technischen Eckdaten sind beeindruckend:

  • Modulation: 4-FSK (4-Frequency Shift Keying) mit nur 4 Tönen
  • Bandbreite: Lediglich ~6 Hz – zum Vergleich: ein SSB-Signal belegt etwa 2.400 Hz
  • Sendedauer: Exakt 110,6 Sekunden pro Durchgang, synchronisiert auf gerade Minuten (UTC)
  • Dekodierschwelle: Bis zu -28 dB unter dem Rauschpegel – das Signal ist für menschliche Ohren völlig unhörbar!
  • Übertragene Daten: Rufzeichen, Locator (4-stellig) und Sendeleistung in dBm

Das Geniale: WSPR ist kein QSO im klassischen Sinn. Du sendest dein Signal, und jede Station weltweit, die es empfängt, meldet den Empfang automatisch an die zentrale Datenbank WSPRnet.org. So entsteht eine lückenlose Karte der Ausbreitungsbedingungen – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.

WSPR mit WSJT-X einrichten

Der schnellste Weg zu WSPR führt über die Software WSJT-X, die du wahrscheinlich schon für FT8 installiert hast. Die Einrichtung ist unkompliziert:

Schritt 1: Grundkonfiguration

Unter File → Settings → General trägst du dein Rufzeichen und deinen Locator ein (z.B. JN66 für Kärnten). Die Audio- und CAT-Einstellungen sind identisch mit deinem FT8-Setup – wenn FT8 funktioniert, funktioniert auch WSPR.

Schritt 2: WSPR-Modus aktivieren

Im Hauptfenster von WSJT-X wählst du im Mode-Menü „WSPR“ aus. Die Oberfläche ändert sich: Statt des FT8-Wasserfalls siehst du das WSPR-Spektrum mit seiner charakteristisch schmalen Bandbreite.

Schritt 3: Frequenz und Leistung einstellen

WSPR hat festgelegte Dial-Frequenzen für jedes Band. Die wichtigsten:

  • 160m: 1.836,6 kHz
  • 80m: 3.568,6 kHz
  • 40m: 7.038,6 kHz
  • 30m: 10.138,7 kHz (das aktivste WSPR-Band!)
  • 20m: 14.095,6 kHz
  • 15m: 21.094,6 kHz
  • 10m: 28.124,6 kHz
  • 6m: 50.293,0 kHz
  • 2m: 144.489,0 kHz

Stell die Sendeleistung auf den gewünschten Wert ein – Standard sind 200 mW (23 dBm). WSJT-X benötigt den korrekten dBm-Wert, damit die empfangenden Stationen aussagekräftige Daten erhalten.

Schritt 4: TX-Anteil und Band Hopping

Unter TX Pct legst du fest, wie oft deine Station sendet. Ein Wert von 20% bedeutet: In 20% der 2-Minuten-Intervalle wird gesendet, in 80% nur empfangen. Das ist ein guter Kompromiss – du trägst Spots bei und empfängst gleichzeitig andere Stationen.

Das Band Hopping-Feature ist besonders clever: WSJT-X wechselt automatisch zwischen verschiedenen Bändern und testet so die Ausbreitung auf mehreren Frequenzen gleichzeitig. Du konfigurierst einfach, welche Bänder in welchen Zeitslots genutzt werden sollen.

Dedizierte WSPR-Baken-Hardware

Wenn du WSPR ernsthaft und dauerhaft betreiben möchtest, gibt es spezialisierte Hardware, die unabhängig vom PC als eigenständige Bake arbeitet. Hier die interessantesten Optionen:

QRP Labs Ultimate3S (U3S) – Der Klassiker (~30 USD)

Der U3S von Hans Summers, G0UPL, ist der unangefochtene Klassiker unter den WSPR-Baken. Als Bausatz für rund 30 USD ist er unschlagbar günstig. Mit einem Si5351A-Synthesizer erzeugt er das WSPR-Signal direkt, eine GPS-Anbindung sorgt für die nötige Zeitgenauigkeit. Der U3S liefert je nach Tiefpassfilter etwa 200 mW auf einem Band – perfekt als permanente Bake. Wer mehrere Bänder abdecken will, kann Relay-Bandfilter hinzufügen.

QRP Labs QDX – Digitaler QRP-Transceiver (69 USD)

Der QDX ist eigentlich ein vollwertiger 5-Watt-Digitaltransceiver für FT8, FT4, JS8Call und WSPR. Er benötigt einen PC mit WSJT-X, bietet dafür aber die volle Flexibilität eines Transceivers. Für WSPR-Betrieb eine exzellente Wahl, weil du zwischen den Baken-Durchgängen auch empfangen und auf FT8 wechseln kannst. Als Bausatz für 69 USD ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

QRP Labs QMX+ – All-in-One mit WSPR-Standalone (125 USD)

Der QMX+ ist das Flaggschiff von QRP Labs: Ein 5-Watt-Multiband-Transceiver (80m–10m), der einen eingebauten Standalone-WSPR-Baken-Modus hat. Mit GPS-Modul läuft er komplett ohne PC als WSPR-Bake – einfach Antenne und Stromversorgung anschließen und laufen lassen. Der QMX+ kann sogar automatisch zwischen Bändern wechseln. Als Bausatz für 125 USD das ultimative Schweizer Taschenmesser für digitale QRP-Betriebsarten.

ZachTek WSPR Desktop Transmitter (~139 USD)

Der schwedische Hersteller ZachTek bietet mit dem WSPR Desktop Transmitter eine fertig aufgebaute, schlüsselfertige WSPR-Bake. GPS-Empfänger integriert, USB-Konfiguration, Betrieb auf allen HF-Bändern. Die Ausgangsleistung liegt bei etwa 200 mW. Einfach anschließen, Rufzeichen konfigurieren, Antenne dran – fertig. Ideal für alle, die nicht löten möchten.

ZachTek WSPR Pico (~58 USD)

Der Pico ist eine Miniatur-WSPR-Bake, die ursprünglich für Stratosphärenballon-Flüge entwickelt wurde. Winzig klein, extrem stromsparend, mit Solarzelle betreibbar. Der Pico sendet mit nur wenigen Milliwatt und wurde schon um die ganze Welt geflogen – buchstäblich. Für bodengebundenen Einsatz eher eine Spielerei, aber als technisches Meisterwerk absolut faszinierend.

SOTAbeams WSPRlite Classic & Flexi

Die WSPRlite-Sender von SOTAbeams haben einen besonderen Fokus: Sie sind als Antennenvergleichs-Tool konzipiert. Du schließt nacheinander verschiedene Antennen an und vergleichst anhand der WSPR-Spots, welche Antenne wohin besser abstrahlt. Die Classic-Version arbeitet auf einem festen Band, die Flexi-Version auf mehreren. Beide liefern 200 mW und werden per Smartphone-App konfiguriert. Für Antennenbauer ein unverzichtbares Messwerkzeug.

WSPRnet.org und wspr.live – Die Daten auswerten

Das Herzstück des WSPR-Ökosystems ist die Spot-Datenbank. Zwei Plattformen sind hier zentral:

WSPRnet.org ist die Original-Datenbank, die seit 2008 alle WSPR-Spots sammelt. Hier kannst du auf einer Weltkarte sehen, wer wen wann auf welchem Band empfangen hat. Die Datenmenge ist gewaltig: Täglich werden rund 6 bis 7 Millionen Spots gemeldet – von tausenden Stationen weltweit.

wspr.live ist eine modernere Alternative mit schnellerer Suche, besseren Filtermöglichkeiten und interaktiven Karten. Die Daten werden von WSPRnet importiert und in einer leistungsfähigen Datenbank (ClickHouse) gespeichert. Besonders die Heatmaps und Zeitreihen-Analysen sind hier hervorragend.

Mit beiden Plattformen kannst du zum Beispiel:

  • Prüfen, auf welchen Bändern dein Signal gerade gehört wird
  • Die Reichweite verschiedener Antennen objektiv vergleichen
  • Langzeit-Trends der Ausbreitungsbedingungen analysieren
  • Seltene Ausbreitungsereignisse (TEP, Gray-Line, Long Path) dokumentieren

Die besten Bänder für WSPR

Grundsätzlich kannst du WSPR auf allen Amateurfunkbändern von 2200m bis 23cm betreiben. In der Praxis konzentriert sich die Aktivität aber auf einige Kernbänder:

30 Meter (10 MHz) ist das mit Abstand aktivste WSPR-Band. Es ist ein reines CW/Digital-Band ohne Sprechfunkbetrieb, hat exzellente Ausbreitungseigenschaften bei Tag und Nacht und ist rund um die Uhr belebt. Wenn du nur ein Band für WSPR wählen kannst: Nimm 30m.

20 Meter (14 MHz) ist tagsüber hervorragend für DX-Spots auf mittlere und lange Distanzen. Die Ausbreitung folgt dem Tageslichtverlauf – morgens öffnet sich der Weg nach Osten, abends nach Westen.

40 Meter (7 MHz) zeigt seine Stärken besonders nachts und in den Dämmerungsstunden mit Reichweiten von mehreren tausend Kilometern. Tagsüber ist die Reichweite auf einige hundert Kilometer begrenzt – aber genau das ist auch interessant zu beobachten.

Tipp: Mit Band Hopping in WSJT-X oder einem Multiband-Sender wie dem QMX+ kannst du mehrere Bänder automatisch abwechselnd nutzen und so ein umfassendes Bild der Ausbreitungsbedingungen gewinnen.

Sendeleistung: Weniger ist mehr

WSPR ist der Inbegriff von QRP – Minimalleistung mit maximalem Ergebnis. Die gebräuchlichsten Leistungsstufen:

  • 200 mW (23 dBm): Der De-facto-Standard. Die meisten dedizierten WSPR-Sender arbeiten auf diesem Niveau.
  • 1 Watt (30 dBm): Für robustere Spots, wenn die Bedingungen schwierig sind.
  • 5 Watt (37 dBm): Maximum für sinnvollen WSPR-Betrieb. Mehr bringt kaum zusätzliche Reichweite, belastet aber den Sender.
  • 1–10 mW: Für Extremisten und Ballonflüge. Selbst mit 1 mW wurden schon transkontinentale Spots gemeldet!

Warum funktioniert WSPR mit so wenig Leistung? Der Schlüssel liegt im Codierungsgewinn: Durch die extrem schmale Bandbreite von 6 Hz und die lange Sendedauer von fast 2 Minuten wird die Energie hocheffizient konzentriert. Rechnet man den Codierungsgewinn mit ein, entsprechen 200 mW WSPR in etwa der Empfindlichkeit eines SSB-Signals mit über 50 Watt. Das ist die Magie der digitalen Signalverarbeitung.

Rechtliches in Österreich (OE)

Zum Schluss ein wichtiges Thema, das oft Fragen aufwirft: Darf ich eine WSPR-Bake unbeaufsichtigt betreiben?

Die kurze Antwort: Es kommt darauf an.

  • Beaufsichtigter Betrieb: Wenn du an der Station sitzt (oder zumindest in der Nähe bist und jederzeit eingreifen kannst), ist WSPR-Betrieb mit jeder gültigen Amateurfunklizenz erlaubt. Das umfasst auch den Betrieb mit WSJT-X am PC – solange du die Station beaufsichtigst.
  • Unbeaufsichtigter Dauerbetrieb als Bake: Hier wird es komplizierter. In Österreich kann für den Betrieb einer unbeaufsichtigten Sendeanlage (Bake) eine Sonderbewilligung der Fernmeldebehörde erforderlich sein. Die Amateurfunkverordnung unterscheidet zwischen normalem Funkbetrieb und dem Betrieb automatischer Sendeanlagen.
  • Praxis: Viele OMs betreiben ihre WSPR-Sender im „beaufsichtigten“ Modus – das heißt, sie können die Bake jederzeit per Remote-Zugriff abschalten. Ob das als „beaufsichtigt“ im Sinne der Verordnung gilt, ist eine Grauzone. Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine Rückfrage bei der zuständigen Fernmeldebehörde oder dem ÖVSV.

Wichtig: Unabhängig von der Aufsichtspflicht gelten natürlich die üblichen Regeln: Nur auf Frequenzen senden, die für deine Lizenzklasse zugelassen sind, korrekte Leistungsangaben, und das Rufzeichen muss im WSPR-Signal enthalten sein.

Fazit: WSPR – Wissenschaft mit Minimalaufwand

WSPR ist vielleicht nicht die aufregendste Betriebsart im Amateurfunk – es gibt keine Pile-Ups, keine DX-Jagd, kein Adrenalin. Dafür bietet es etwas, das kaum eine andere Betriebsart kann: eine objektive, kontinuierliche Vermessung der Ionosphäre, an der jeder mit minimalem Aufwand teilnehmen kann.

Mit einem einfachen U3S-Bausatz für 30 Dollar und einer Drahtantenne bist du Teil eines weltweiten wissenschaftlichen Netzwerks. Die Daten, die WSPR-Stationen sammeln, werden von Wissenschaftlern, Funkwetter-Diensten und der gesamten Amateurfunk-Community genutzt.

Also: Leistung runterdrehen, Antenne anschließen, WSJT-X starten – und staunen, wie weit dein Flüstern trägt. 🎙️

Nützliche Links

73 – eure oeradio.at-Redaktion


Transparenzhinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI (Claude, Anthropic) recherchiert und verfasst. Alle Fakten wurden nach bestem Wissen geprüft — für aktuelle technische Details empfiehlt es sich, die verlinkten Originalquellen zu konsultieren.

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