Gedanken zur Kultur im Amateurfunk — von jemandem, der selbst nicht immer alles richtig gemacht hat.
Amateurfunk lebt von Vielfalt: Bastler, Contester, DXer, Outdoorfunker, SOTA-Aktivierer — und ja, auch Exzentriker. Manche singen auf der Frequenz. Manche erzählen Geschichten. Manche „nerven“ jemanden anderen vielleicht. Aber solange keiner absichtlich stört oder beleidigt — ist das einfach Amateurfunk. War schon immer so.
Ich fang mal bei mir an
Ich schreib das hier nicht vom hohen Ross. Ich hab selbst Mist gebaut. Ich hab mit KI-generierten Liedern Leute aufs Korn genommen, die sich meiner Meinung nach zu sehr in den Vordergrund gestellt haben. War kreativ. War auch lustig. Aber es war auch verletzend gegenüber konkreten Personen. Das hatte Konsequenzen. Ich steh dazu.
Ich sage was ich denke. Das ist nicht immer bequem — auch nicht für mich selbst. Aber ich bin lieber ehrlich und unbequem als höflich und falsch.
Genau deshalb schreib ich diesen Beitrag. Nicht weil ich es besser weiß. Sondern weil ich weiß, wie schnell sowas eskaliert und was es mit einer Gemeinschaft macht.
Eigenart ist kein Vergehen
Stellt euch vor: Ein langjähriges Mitglied einer Gemeinschaft fällt durch eine ungewöhnliche Aussendung auf. Etwas laut, etwas eigen, etwas nostalgisch. Kein Regelverstoß, keine Beleidigung, keine Störung. Einfach nur anders.
Was macht man? Kurzes Gespräch unter vier Augen. Freundlicher Hinweis am Stammtisch. Fertig.
Was macht man nicht? Eine Nachricht an die gesamte Gruppe — mit Aufnahme und namentlicher Zuordnung. Das ist keine Transparenz. Das ist Bloßstellung. Auch wenn sie höflich verpackt ist.
Führung heißt nicht „Sheriff spielen“
Wer Verantwortung in einer Gruppe übernimmt, ist Moderator. Nicht Richter. Gute Führung heißt: Zuerst reden. Verhältnismäßig bleiben. Vielfalt fördern. Und Vorbild sein — im Ton, im Umgang.
Öffentliche Bloßstellungen schaffen Lager. Sie beschädigen Vertrauen. Und sie zeigen am Ende mehr über den Absender als über den Betroffenen.
Worum es eigentlich geht
Eine Community, in der Eigenheiten ausgehalten werden. In der Konflikte direkt und respektvoll geklärt werden — nicht über Gruppennachrichten. In der Führung moderiert statt exponiert. Und in der der Mensch hinter dem Rufzeichen zählt.
Keiner von uns ist perfekt auf der Frequenz. Ich am wenigsten. Aber genau deshalb sollten wir aufeinander aufpassen statt aufeinander losgehen.
„Stärke liegt in Unterschieden, nicht in Ähnlichkeiten.“
Stephen Covey
73 de OE8YML

