Meshtastic in Kärnten: Drei Nodes, ein Solarpanel und erstaunliche Reichweiten

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Grüß euch! Hermann hier, OE8HSF, aus Knappenberg bei Hüttenberg – auf gut 1.000 Meter Seehöhe. Ihr kennt das vielleicht: Man stolpert im Internet über ein Thema, denkt sich „schau ich mir mal kurz an“ – und drei Wochen später hat man drei Nodes auf der Terrasse, einen BME280-Sensor am Heltec und ein Solarpanel auf dem Gartentisch. Willkommen in meiner Meshtastic-Welt.

Aber von Anfang an.


Wie alles angefangen hat

Eigentlich wollte ich nur mal schauen, was dieses Meshtastic ist, von dem alle reden. LoRa-basierte Mesh-Kommunikation, ohne Internet, ohne Infrastruktur, ohne monatliche Kosten – das klingt für einen Funkamateur natürlich sofort interessant. Also hab ich mir einen Heltec V3 bestellt, die Firmware draufgespielt, und dann ging es los.

Die erste Entscheidung: Welche Frequenz? In Österreich kann man Meshtastic auf zwei ISM-Bändern betreiben – 433 MHz oder 868 MHz. Beides lizenzfrei, beides legal. Ich hab mich für 868 MHz entschieden, und das aus gutem Grund: Das ist der europäische Standard für Meshtastic. Die meisten Nodes in Kärnten und ganz Österreich funken auf 868, die Antennen sind schön kompakt, und wenn man ein Mesh aufbauen will, muss man halt auf derselben Frequenz sein wie die anderen. Auf 433 MHz hätte ich zwar theoretisch bessere Durchdringung durch Bewuchs und Gebäude, aber dort ist kaum jemand unterwegs.

Zuerst nur ein Node. Dann dachte ich mir: Einer ist gut, aber was ist ein Mesh mit nur einem Punkt? Richtig – kein Mesh. Also wurde es schnell mehr.


Meine drei Nodes – alles noch Provisorium!

Aktuell hab ich drei Meshtastic-Nodes am Laufen – und ja, ist noch alles Provisorium. Aber ein gutes Provisorium, wenn ich das so sagen darf.

OE8HSF Basis-Node

Der stationäre Knoten, das Herzstück. Der läuft bei mir daheim auf gut 1.000 Meter Seehöhe und sorgt dafür, dass das Kärntner Meshtastic-Netz einen festen Ankerpunkt hat. Der Standort ist funktechnisch ein Traum: Freie Sicht Richtung Krappfeld, über das Görtschitztal hinweg und bei guten Bedingungen sogar bis zu den Karawanken. MQTT ist aktiviert, damit die Nachrichten auch ins Netz weitergeleitet werden. Die Antenne hab ich an der Holzwand der Terrasse montiert – nicht der eleganteste Aufbau, aber auf 1.000 Metern braucht man nicht viel Höhe, die hat man schon.

Meshtastic-Antenne mit Heltec-Node an der Holzterrasse montiert
Die Basis-Antenne an der Terrasse – Provisorium mit Potenzial
MeshMap mit OE8HSF Basis-Node und Verbindungen im Krappfeld
Der Basis-Node auf der MeshMap – Verbindungen ins Krappfeld und darüber hinaus

OE8HSF Wetterdaten – der Wetter-Node

Das war dann der nächste logische Schritt: Wenn schon ein Node auf der Terrasse steht, warum nicht gleich Wetterdaten mitschicken? Also hab ich bei Amazon einen BME280-Sensor bestellt und an den Heltec V3 angeschlossen. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck – alles wird brav über das Mesh-Netz verteilt.

Heltec V3 Board mit BME280 Wettersensor und SMA-Antennenanschluss
Das Herzstück: Heltec V3 mit BME280-Wettersensor – Lötkolben und guter Wille
Meshtastic App zeigt Wetterdaten: 23,2°C Temperatur, 34% Luftfeuchtigkeit, 902 hPa Luftdruck
Live-Wetterdaten aus Knappenberg: 23,2°C, 34% Luftfeuchtigkeit, 902 hPa – direkt in der Meshtastic-App
MeshMap mit OE8HSF Wetterdaten-Node im Krappfeld
Der Wetter-Node auf der MeshMap – Wetterstation Knappenberg sendet

Solarbetrieb – die Sonne arbeitet mit

Ein Meshtastic-Node, der am Strom hängt, ist ja nett. Aber ein Node, der sich selbst versorgt? Das ist das Ziel. Auf der Terrasse liegt bereits ein Solarpanel bereit – noch etwas improvisiert auf dem Gartentisch, aber es tut seinen Dienst. Der Plan ist klar: Der Node soll autark laufen, ohne dass ich mich um Akkus kümmern muss. Sonne haben wir hier oben in Knappenberg ja genug.

Solarpanel für Meshtastic-Node auf der Terrasse
Solarpanel auf dem Gartentisch – Energieversorgung, Provisorium-Stil

OE8HSF Mobil-Node – für unterwegs

Node Nummer drei ist der mobile Begleiter. Den nehme ich mit, wenn ich unterwegs bin – und er hat mir schon einige überraschende Reichweiten beschert. Dazu gleich mehr.

MeshMap mit OE8HSF Mobil-Node und weiteren Meshtastic-Knoten in Kärnten
Der Mobil-Node auf der MeshMap – unterwegs im Kärntner Meshtastic-Netz
Detailansicht der Meshtastic-Antenne mit Node im grünen Gehäuse
Nahaufnahme: Antenne und Node im Outdoor-Gehäuse – bereit für Wind und Wetter

Reichweite: Damit hab ich nicht gerechnet

Was mich am meisten überrascht hat, sind die Reichweiten. Ich sag es ehrlich: Ich hatte bescheidene Erwartungen. LoRa auf 868 MHz, nur 10 Milliwatt erlaubte Sendeleistung in der EU, Antenne an der Holzwand – was soll da schon gehen? Gut, der Standort auf über 1.000 Meter hilft natürlich. Line of Sight ist bei LoRa der wichtigste Faktor, und von Knappenberg aus hat man davon eine ganze Menge.

Eine ganze Menge, wie sich herausgestellt hat:

  • Sittenberg – direkte Funkverbindung, stabil
  • St. Veit an der Glan – läuft sauber über Funk
  • Tierpark Rosegg – überraschend, aber funktioniert

Das sind 20 bis 40 Kilometer reine Funkreichweite – mit einer Antenne an der Holzwand und ein paar Milliwatt Sendeleistung. Und dabei darf man nicht vergessen: In der EU gibt es nicht nur Leistungsgrenzen, sondern auch sogenannte Duty-Cycle-Beschränkungen. Mein Node darf je nach Frequenzabschnitt nur 1 bis 10 Prozent der Zeit tatsächlich senden – den Rest muss er schweigen. Meshtastic löst das geschickt mit kurzen, komprimierten LoRa-Bursts. Aber es zeigt, wie effizient diese Technik arbeitet: Selbst mit all diesen Einschränkungen kommen da 20 bis 40 Kilometer raus. Nicht schlecht für ein Provisorium!

Und dank MQTT geht es sogar noch weiter: Über die Internet-Brücke sind meine Nodes mit dem gesamten europäischen Meshtastic-Netzwerk verbunden. Da tauchen dann auf der Karte auch Verbindungen bis nach Slowenien und Kroatien auf – kein direkter Funk natürlich, aber genau so funktioniert Meshtastic: Lokal über Funk, und über MQTT wird das Ganze zu einem weltweiten Netz zusammengeschaltet.

Im Krappfeld selbst – von Friesach und Althofen im Norden bis St. Veit im Süden – ist die Mesh-Vernetzung mittlerweile richtig gut. Man merkt, dass immer mehr Leute einsteigen und das Netz dichter wird. Und genau das ist ja der Witz an Meshtastic: Je mehr Nodes, desto besser funktioniert das Ganze.


Mitmachen: Das Netz lebt von euch!

Und damit bin ich beim wichtigsten Punkt: Macht mit! Meshtastic lebt davon, dass Leute Nodes aufstellen. Es muss kein perfektes Setup sein – meines ist ja auch noch alles Provisorium, und es funktioniert trotzdem wunderbar. Ein Heltec V3, eine halbwegs ordentliche Antenne, und schon seid ihr dabei.

Ob als stationärer Node daheim, als mobiler Begleiter unterwegs, oder gleich mit Wettersensor – jeder neue Knoten macht das Netz besser. Und das Schöne daran: Man braucht keine Lizenz, kein Internet, keine Cloud. Nur ein bisschen Bastelfreude und die Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren.

Wer Fragen hat oder selbst einsteigen will: Schaut auf mein QRZ-Profil (OE8HSF) vorbei oder sucht mich direkt im Mesh. Ich freu mich auf jeden neuen Knoten im Kärntner Netz!


73 de OE8HSF aus Knappenberg!

Hermann

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